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Überschwemmungen

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Autor: Alfred Stefan Weiss | Stand: 31.12.2011

Überschwemmungen drohen in Liechtenstein seit je v.a. durch den Rhein. Im Tal des Alpenrheins war schon im 11. Jahrhundert von «Rhein- und Rüfenot» infolge von Hochwassern und Flussverlagerungen die Rede. Die ersten Gegenmassnahmen bestanden darin, gefährdete Stellen am mäandrierenden Flusslauf durch schief zur Strömungsrichtung gebaute «Wuhre» aus Steinen und Flechtwerk zu schützen (→ Wuhrsysteme). Durch diese Ablenkung griff der Fluss aber häufig das Gegenufer an. Für Liechtenstein sind uns als früheste Rheinüberschwemmungen jene vom Jahr 1343 und vom November 1374, als das ganze Talgebiet unter Wasser stand, überliefert. Zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert lassen sich am Alpenrhein 48 Überschwemmungen nachweisen.

Eine für das 18. und 19. Jahrhundert feststellbare Häufung von Berichten über Überschwemmungen ist nicht nur der besseren Überlieferung zuzuschreiben. Der Raubbau an den Wäldern Graubündens führte wegen vermehrter Rüfenbildung, Bergstürzen und Erdrutschungen dem Rhein grössere Mengen Geschiebe zu. Die Geschiebeablagerungen führten zu einer allmählichen Erhöhung des Flussbetts. Damit wurde die Aufgabe, den Rhein in sein bestehendes Bett zu zwingen, schwieriger, die Gefahr von Wassereinbrüchen und Überschwemmungen grösser. Als Lösung entschied man sich für die Begradigung und Einengung des Flusslaufs mit durchgehenden Wuhren auf beiden Seiten. Nach ersten Ansätzen im Jahr 1790 schlossen die Schweiz und Liechtenstein im Oktober 1837 einen Vertrag, der den Grundstein für die heutigen Rheinschutzbauten am oberen Rhein legte.

Nach den überstandenen Rheingrössen des 18. Jahrhunderts brachten auch die zahlreichen Überschwemmungen des folgenden Jahrhunderts das kleine, durch die Lasten der napoleonischen Kriege völlig verarmte und verschuldete Land in Not, so u.a. im Hungerjahr 1816/17 (→ Hungersnöte), 1846 und 1868. Vor allem die Rheinnot vom Sommer 1846 führte Liechtenstein an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. Nach zeitgenössischen Berichten wurde eine Fläche von ca. 12 km2 Acker- und Wiesland unter Wasser gesetzt und mit Geschiebe überlagert. Die Rheintalebene bis Mauren stand sechs Wochen unter Wasser. Die Gemeindebewohner mussten Fronarbeit leisten, um die Wuhrlücken zu schliessen und den Rhein in sein Bett zurückzuleiten.

Zum bislang letzten Mal demonstrierte der Rhein im September 1927 seine zerstörerische Kraft. Der Fluss brach am 25.9.1927 knapp oberhalb der Eisenbahnbrücke Schaan–Buchs aus und ergoss sich in das Schaaner Riet. Die ganze Talebene nördlich von Schaan wurde überflutet, über das Maurer Riet bis nach Tosters (Vorarlberg) und über Gamprin und Ruggell bis nach Bangs (Vorarlberg). Zwei Menschen kamen ums Leben. Die Fluten konnten erst ca. 15 km unterhalb der Bruchstelle wieder in das Flussbett zurückgedrängt werden. Seit diesem Jahr blieb Liechtenstein aufgrund der erhöhten Rheindämme und der Absenkung der Rheinsohle von weiteren Verheerungen verschont.

Neben dem Rhein kam es auch bei anderen Gewässern zu Überschwemmungen – z.B. trat in der Nacht vom 14. auf den 15.6.1910 der Dorfbach in Triesen über seine Ufer und beschädigte Häuser und Ställe.

Quellen

Seli-Chronik, 2006, 117f.

Literatur

Ospelt: Wirtschaftsgeschichte, 1972, 18–31; Rheinnot in Liechtenstein, 1977; J. Falk: Schaaner Heimatbuch 2, 1977; M. Kaiser: Hochwasser und Überschwemmungen am Alpenrhein, in: Werdenberger Jahrbuch 1990, Jg. 3 (1989), 67–77; Vogt: Brücken, 1990 245f.; Der Alpenrhein und seine Regulierung, 21993.

Medien

Ruggell während der Rheinüberschwemmung von 1927 (LI LA).

Zitierweise

Alfred Stefan Weiss, «Überschwemmungen», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Überschwemmungen, abgerufen am 22.1.2019.