Ablass

Autor: Franz Näscher | Stand: 31.12.2011

Der Ablass als Erlass von zeitlichen Strafen für bereits vergebene Sünden ist eine Neubildung der abendländischen Kirche des Mittelalters. Er entstand vom 6. bis 10. Jahrhundert im Übergang von der altkirchlichen öffentlichen Busse zur sakramentalen Privatbeichte. Erstere verlangte vor der Absolution die Erfüllung je nach Sünde genau festgelegter Busswerke, bei der Privatbeichte wurden sie nachträglich verrichtet. Dabei gab es neben den aus der alten Kirche überkommenen Fürbitten der Gemeinde und des Amtsträgers für den Büssenden den Ersatz durch andere Werke oder die Ableistung eines Teils der Busse durch einen Stellvertreter. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts kam es zum vollkommenen Ablass (völliger Straferlass) gegenüber dem unvollkommenen Ablass (von Tagen, Monaten oder Jahren). Der Ablass wurde aus dem Kirchenschatz unter der Bedingung gewährt, dass bestimmte Gebete, Wallfahrten, Beiträge an den Kirchenbau oder andere fromme Leistungen erbracht wurden. Im 13. Jahrhundert wurde der Ablassgewinn für Verstorbene üblich. Im 16. Jahrhundert wurde der Ablassstreit u.a. wegen des fiskalischen Missbrauchs, ursprünglich schon im 11. Jahrhundert als Almosen gedacht, zu einem Hauptpunkt der reformatorischen Kritik. Der Ablass spielte vom Spätmittelalter bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts eine grosse Rolle in der katholischen Frömmigkeit.

Erstmals im 11. Jahrhundert verliehen südfranzösische und nordspanische Bischöfe Ablassbriefe. Solche sind ab dem ausgehenden 13. Jahrhundert auch in Liechtenstein belegt.


Ablassbriefe für Kirchen und Kapellen in Liechtenstein

Zeitpunkt Begünstigte Einrichtung/en Ablass gewährende Person/en
März 1298 Kirche St. Peter in Schaan Sechs Kardinäle
1300 Pfarrkirche St. Laurentius in Schaan Dieselben sechs Kardinäle
6.4.1325 Pfarrkirche St. Maria Assumpta in Bendern und Altar der 11 000 Jungfrauen in dieser Kirche Acht Bischöfe am päpstlichen Hof zu Avignon
1389 Kapelle St. Peter in Schaan Churer Bischof Hartmann II. von Werdenberg-Sargans-Vaduz
16.11.1415 Kapelle St. Maria in Triesen Sechs Bischöfe am päpstlichen Hof beim Konzil in Konstanz
6.6.1417 Kapelle St. Maria in Triesen Churer Bischof Johannes Abundi
1.10.1461 Kapelle St. Mamertus in Triesen Kardinalbischof Isidorus von Sabina
1.5.1481 Vier neu geweihte Altäre in der Pfarrkirche St. Maria Assumpta in Bendern Churer Weihbischof Johannes
26.3.1485 Pfarrkirche St. Gallus in Triesen 15 Kardinäle
20.5.1485 Pfarrkirche St. Gallus in Triesen1 Churer Bischof Ortlieb von Brandis
31.5.1488 Pfarrkirche St. Maria Assumpta in Bendern Churer Weihbischof Johannes
2.11.1500 Pfarrkirche St. Laurentius in Schaan 15 Kardinäle
7.12.1513 Pfarrkirche St. Maria Assumpta in Bendern Churer Bischof Paul Ziegler
1694 Kapelle St. Sebastian und Rochus in Nendeln Papst Innozenz XII.
1748 Hochaltar der Pfarrkirche St. Maria Assumpta in Bendern
17.12.1766 Kapelle St. Sebastian und Rochus in Nendeln und der dortige Altar der Sebastian-Bruderschaft Papst Clemens XIII.
17.12.1766 Pfarrkirche St. Martin in Eschen Papst Clemens XIII.
1808 Zwei Kruzifixe im Eschnerfeld Churer Bischof Karl Rudolf von Buol-Schauenstein
1808 Herz-Jesu-Bild in der Pfarrkirche St. Martin in Eschen Churer Bischof Karl Rudolf von Buol-Schauenstein
1844 Herz-Jesu-Bruderschaft in Balzers

1 Bestätigung und Vermehrung des Ablassbriefs vom 26.3.1485.

Quellen: LUB I/4; LUB II; Büchel: Bendern, 1923, 17–21; Büchel: Eschen, 1926, 79, 80, 89; Büchel: Schaan, 1927, 25, 57; F. Büchel: Die Geschichte der Pfarrei Balzers, 1982, 196.

Literatur

  • Gerhard Ludwig Müller et al.: Ablass, in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3., völlig neu bearbeitete Auflage, Bd. 1 (1993), Sp. 51–59.

Zitierweise

Franz Näscher, «Ablass», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Ablass, abgerufen am 18.5.2026.