Allgäuer, Robert

Autor: Fabian Frommelt, Cornelius Goop | Stand: 15.1.2026

Kabinettsdirektor, Bibliothekar, Verleger. *17.1.1937 Eschen, †11.6.2024 Mauren, von Eschen. Sohn des Gemeindekassiers Reinold und der Maria Albertina, geb. Bühler, drei Geschwister. ⚭ 6.8.1962 Beatrix Marchon (*6.5.1936, †30.8.2025), drei Kinder.

Allgäuer verbrachte seine Kindheit in Eschen, von 1963 bis 2019 lebte er in Vaduz. Nach der Volksschule besuchte er das Progymnasium in Rebstein (SG) und das Gymnasium in Immensee (SZ) und Stans (NW). Ein nach der 1957 abgelegten Matura begonnenes Sekundarlehramtsstudium an der Universität Freiburg i.Üe. brach Allgäuer ab, um 1961 den Aufbau und die Leitung der neu gegründeten Liechtensteinischen Landesbibliothek und des Landesarchivs in Vaduz zu übernehmen. 1959–1960 hatte er Bibliotheks- und Archivpraktika in Bern, Biel (BE) und Aarau (AG) absolviert, 1968 erlangte er das Bibliothekaren-Diplom der Vereinigung Schweizerischer Bibliothekare. Die Stelle als Landesbibliothekar und Landesarchivar hatte er bis 1972 inne.

Nachdem er 1967 die Feierlichkeiten anlässlich der Hochzeit des Erbprinzenpaares organisiert hatte, wurde Allgäuer 1973 von Fürst Franz Josef II. als erster gebürtiger Liechtensteiner zum Fürstlichen Kabinettsdirektor berufen. In der Folge führte er während elf Jahren das persönliche Sekretariat des Fürsten und unterstützte diesen bei der Wahrnehmung seiner öffentlichen Agenden. Mit der Übernahme der Stellvertretung des Fürsten durch Erbprinz Hans-Adam 1984 erfolgte die Auflösung der Kabinettskanzlei, womit Allgäuer aus dieser Funktion ausschied.

Allgäuer war vielseitig in kulturellen und sozialen Institutionen engagiert, war Verleger und Publizist, Initiator und Ideengeber. So war er 1964 an der Gründung des Jugend- und Kulturbeirats der liechtensteinischen Regierung und der Stiftung «Pro Liechtenstein» beteiligt (heute Kulturstiftung Liechtenstein), gehörte 1965–1996 dem Vorstand des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein an und redigierte 1985–1994 dessen Jahrbuch, war 1973–1985 Mitglied des Stiftungsrats des Liechtensteinischen Landesmuseums, 1976–1988 des Stiftungsrats der Staatlichen Kunstsammlungen sowie zeitweilig Vizepräsident und Sekretär der 1976 für den (letztlich gescheiterten) Bau eines Kunsthauses in Vaduz gegründeten Kunsthausstiftung. 1985–1994 fungierte er als Präsident des Kulturbeirats der liechtensteinischen Regierung und 1985–2000 als Generalsekretär und Stiftungsrat der Peter-Kaiser-Stiftung; auch war er Sekretär der Propter-Homines-Stiftung.

1989 gründete Allgäuer den auf liechtensteinische Geschichte, Landeskunde und Kultur spezialisierten Schalun Verlag in Vaduz. Im Schalun Verlag erschienen unter anderem Emanuel Vogts Trilogie «Mier z Balzers» (1995–1998), Peter Geiger und Manfred Schlapps «Russen in Liechtenstein» (1996) und Arthur Brunharts Peter-Kaiser-Biographie (1999), teils in Kooperation mit dem Zürcher Chronos-Verlag. Allgäuer war auch am Zustandekommen diverser weiterer Publikationen beteiligt, etwa an der später fortgesetzten Presse-Dokumentation «Liechtenstein 1938–1978» (1978), Adulf Peter Goops «Brauchtum in Liechtenstein» (1986), dem von Volker Press und Dietmar Willoweit herausgegebenen Band «Liechtenstein – Fürstliches Haus und staatliche Ordnung» (1987), dem Liechtensteiner Almanach (1987–1989), Arthur Brunharts Neuauflage von Peter Kaisers «Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein» (1989), Elisabeth Castellani Zahirs «Die Wiederherstellung von Schloss Vaduz 1904 bis 1914» (1993) oder der Publikation zur Ausstellung «Fabriklerleben» (1994).

An Geschichte und Kunst interessiert, trug Allgäuer wesentlich zur Wiederentdeckung des liechtensteinischen Historikers Peter Kaiser sowie der Künstler Ferdinand Nigg und Eugen Zotow bei. Als Mitglied der Liechtensteinischen Akademischen Gesellschaft wirkte er 1972 bei der Schaffung der Schriftenreihe «Liechtenstein Politische Schriften» mit und 1986 bei der Vorbereitung und Gründung des Liechtenstein-Instituts in Bendern; bis 1990 gehörte er dem Institutsvorstand an. 1989 gründete er zusammen mit Gerhard Wanner (Vorarlberg) und Heribert Küng (St. Gallen) den Arbeitskreis für regionale Geschichte.

Neben der Kultur galt Allgäuers Engagement auch der Entwicklungspolitik und dem kirchlichen Bereich. So war er 1965–1972 Geschäftsführer des Vereins Welt und Heimat, 1965–1974 Sekretär und 1965–1975 Stiftungsrat des Liechtensteinischen Entwicklungsdienstes sowie 1971–1986 Präsident der liechtensteinischen Fastenopferkommission. 1974–1980 gehörte er dem Seelsorgerat des Dekanats Liechtenstein und 1979–1998 dem Arbeitskreis für Erwachsenenbildung an, 1975–1980 auch dem Seelsorgerat der Diözese Chur. 1984–1988 leitete er die Finanzkommission des Dekanats. Später zählte er zu den Kritikern des 1997 errichteten Erzbistums Vaduz und dessen konservativ-klerikaler Ausrichtung. Nach der Auflösung der Fastenopferkommission initiierte er 2001 in Abgrenzung zum «Katholischen Fastenopfer Erzbistum Vaduz» die ökumenische «Aktion: Wir teilen – Das andere Fastenopfer» (seit 2006 Stiftung «WIR TEILEN: Fastenopfer Liechtenstein»).

Allgäuer war einer der Wegbereiter und Akteure des ab den 1960er-Jahren durch neue gesellschaftliche Impulse und eine intensivierte Kulturpolitik aufblühenden liechtensteinischen Kulturlebens, als dessen «graue Eminenz» er zeitweilig galt. In der Entwicklung des kulturellen Profils Liechtensteins sah er eine «staatspolitische Notwendigkeit», da, wie er 1961 im Programm der Liechtensteinischen Landesbibliothek festhielt, der «kulturellen und geistigen Selbstbehauptung […] in der zukünftigen Diskussion […] um die Existenz Liechtensteins» zentrale Bedeutung zukomme. Als kritischer Zeitgenosse äusserte sich Allgäuer öffentlich und oft prägnant zu Themen wie Entwicklungspolitik oder Finanzplatz, Monarchie oder Erzbistum, etwa in Leserbriefen oder Faxsendungen an liechtensteinische Persönlichkeiten und Institutionen. Lebenslange Freundschaften verbanden ihn unter anderem mit (Alt-)Regierungschef Gerard Batliner und dem Künstler und Historiker Georg Malin.

Zu den ihm zuteil gewordenen Ehrungen und Auszeichnungen gehörten 1983 das Grosskreuz mit Brillanten des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens, 1984 der Titel Fürstlicher Rat, 1993 der Josef-Gabriel-von-Rheinberger-Preis, 1996 der Kulturpreis der Gesellschaft Schweiz – Liechtenstein und 2021 eine Anerkennungsgabe der Kulturstiftung Liechtenstein sowie 1996 die Ehrenmitgliedschaft des Historischen Vereins und 2021 des Künstlerinnen- und Künstlerverbandes Visarte Liechtenstein.

Werkauswahl

Archive

  • Archiv des Historischen Lexikons des Fürstentums Liechtenstein online (AeHLFL).

Literatur

  • Mirjam Kaiser: «Robert Allgäuer war ein Influencer der ersten Stunde», in: KuL – Die Kulturzeitung, 26.2.2021, S. 10.
  • Album für Robert Allgäuer 75, hg. von Claudine Kranz, Hansjörg Quaderer und Hans-Jörg Rheinberger, Frankfurt a.M. 2012.
  • Jürgen Schremser: «Nicht triefend vor Untertänigkeit». Ein Gespräch mit dem Verleger, Publizisten und Liechtenstein-Kenner Robert Allgäuer, in: Kultur. Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 2012, Nr. 4, S.74–77.
  • Klaus Biedermann: 1901 bis 2001: Die ersten 100 Jahre des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Bd. 100 (2001), S. 27–158, hier S. 80f.
  • Klaus Biedermann: Das Dekanat Liechtenstein 1970 bis 1997. Eine Chronik des kirchlichen Lebens, Vaduz 2000, S. 74, 220–245.
  • Matthias Ospelt: Kaiser, Beck und Nana. Die Geschichte der Menschen Liechtensteins. Festvortrag zum 60. Geburtstag von Fürstlichem Rat Robert Allgäuer, gehalten am Liechtenstein-Institut in Bendern am 17. Januar 1997, Vaduz 1997 (= Kleine Schriften, Nr. 24).
  • Josef Frommelt: Laudatio für Robert Allgäuer anlässlich der Verleihung des Kulturpreises der Gesellschaft Schweiz-Liechtenstein am 20. September 1996, Manuskript, Liechtensteinische Landesbibliothek, 1996.
  • «Robert Allgäuer wahrhaft ein würdiger Preisträger», in: Liechtensteiner Volksblatt, 27.11.1993, S. 2.

Nachrufe

  • Alois Ospelt: Fürstlicher Rat Robert Allgäuer, 1937 bis 2024, in: Jahrbuch Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Bd. 124 (2025), S. 9–18 (mit Publikationsverzeichnis).
  • Robert Allgäuer mit 87 Jahren verstorben, in: Liechtensteiner Vaterland, 15.6.2024, S. 10.

Normdaten

GND: 121541029

Zitierweise

Fabian Frommelt, Cornelius Goop, «Allgäuer, Robert», Stand: 15.1.2026, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Allg%C3%A4uer,_Robert, abgerufen am 12.3.2026.

Medien

Robert Allgäuer 1997 in seinem Büro in Vaduz (Foto: Roland Korner).