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Almbruderhof

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Autor: Herbert Hilbe | Stand: 31.12.2011

Bezeichnung für die 1934–38 auf Silum (Gemeinde Triesenberg) bestehende Bruderhofgemeinschaft deutscher Hutterer. Die nach Jakob Hutter (1500–1536) benannten Hutterer sind eine aus der Reformation hervorgegangene Gruppe der Täufer. Sie leben pazifistisch und nach dem Armutsideal in christlich-kommunistischer Gütergemeinschaft. Die 1920 vom Theologen Eberhard Arnold (1883–1935) gegründete deutsche Brudergemeinde wurde, wie andere christliche Sekten, ab 1933 in Deutschland verfolgt. Rund 85 deutsche Hutterer, darunter Familien und Eberhard Arnold, kamen ab 1934 nach Liechtenstein, wo sie das «Kurhaus Silum», einige Hütten und umliegendes Land in Pacht nahmen. Sie bildeten die grösste zusammengehörende zivile Flüchtlingsgruppe, die in Liechtenstein zwischen 1933 und 1945 Aufnahme fand. Der Almbruderhof führte eine eigene, unter der Aufsicht des Landesschulrats stehende Schule. Die landwirtschaftlich und handwerklich geschickten Almbruderhöfer unterhielten eine Werkstätte und ein Treibhaus. Um bessere Erträge zu erhalten, mischten sie die lehmige Erde auf Silum mit Sand. An der Landesausstellung 1934 nahmen sie mit kunstgewerblichen Arbeiten teil.

In der liechtensteinischen Bevölkerung herrschte von Beginn an Skepsis gegenüber den Hutterern. Es wurde befürchtet, dass sie sich niederlassen und Grundbesitz erwerben wollten. 1935 lehnten die Triesenberger eine Wegweisungsinitiative mit 122 zu 106 Stimmen knapp ab. Ab 1936 übersiedelten die Almbruderhöfer nach England, später nach Übersee. Die letzten verliessen Liechtenstein im März 1938.

Literatur

  • Ursina Jud: Liechtenstein und die Flüchtlinge zur Zeit des Nationalsozialismus. Studie im Auftrag der Unabhängigen Historikerkommission Liechtenstein Zweiter Weltkrieg, Vaduz/Zürich 2005, S. 142f.
  • Peter Geiger: Krisenzeit. Liechtenstein in den Dreissigerjahren 1928–1939, Vaduz/Zürich 1997, 22000, Bd. 2, S. 439.

Zitierweise

Herbert Hilbe, «Almbruderhof», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Almbruderhof, abgerufen am 22.2.2019.