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Alter Zürichkrieg

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Autor: Claudius Gurt | Stand: 31.12.2011

Unter dem Begriff Alter Zürichkrieg werden verschiedene Konfliktfelder subsumiert, in denen sich je nach Interessenlage wechselnde Koalitionspartner gegenüberstanden, die sich zwischen 1439 und 1446 an verschiedenen Schauplätzen verlustreiche Schlachten lieferten. Im Zentrum stand dabei die schon seit längerer Zeit zwischen Zürich und Schwyz herrschende Rivalität um die Kontrolle der als Zugang zu den Bündner Pässen für die wirtschaftlichen Beziehungen in den Süden wichtigen Walenseeroute. Die von Zürich forciert betriebene Expansionspolitik um die Vorherrschaft im Gebiet der östlichen Schweiz wurde dabei überlagert vom Versuch des Hauses Österreich, seine im Zug der Eroberung des Aargaus 1415 verloren gegangenen Gebiete zurückzugewinnen. Anlass zum Krieg war schliesslich der Streit um das Erbe des am 30.4.1436 kinderlos verstorbenen Grafen Friedrich VII. von Toggenburg. Zum Kreis der an der toggenburgischen Hinterlassenschaft Erbberechtigten gehörte Freiherr Wolfhart V. von Brandis, der die Herrschaft Maienfeld erhielt. Seine Beziehungen zum Haus Österreich einerseits, zu den eidgenössischen Orten Schwyz, Glarus und Bern andererseits liessen Wolfhart in einem Grenzraum, wo sich nicht selten die Fronten zwischen österreichischem und eidgenössischem Einflussbereich verwischten, gegenüber den am toggenburgischen Erbe interessierten Konfliktparteien vorerst eine abwartend neutrale Haltung einnehmen. Die Aufgabe dieser Neutralitätspolitik in einem für die Durchsetzung seiner eigenen Interessen günstig erscheinenden Augenblick führte den Brandiser auf der Seite Österreichs in die am 6.3.1446 unter grossen Verlusten verlorene Schlacht bei Ragaz. In der Folge wurde das brandisische Herrschaftsgebiet zwar durch Raubzüge der siegreichen eidgenössischen Truppen verwüstet, zu gebietsmässigen Veränderungen kam es jedoch nicht. Am 12.6.1446 wurde in Konstanz von den kriegsmüden Parteien ein Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet, die anschliessenden Friedensverhandlungen dauerten jedoch weitere vier Jahre.

Literatur

  • Bernhard Stettler: Die Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert. Die Suche nach einem gemeinsamen Nenner, Menziken 2004, S. 139–183.
  • Alois Niederstätter: Der Alte Zürichkrieg. Studien zum österreichisch-eidgenössischen Konflikt sowie zur Politik König Friedrichs III. in den Jahren 1440 bis 1446, Köln 1995.
  • Christian Sieber: Die Reichsstadt Zürich zwischen der Herrschaft Österreich und der werdenden Eidgenossenschaft, in: Geschichte des Kantons Zürich, Bd. 1, hg. von Niklaus Flüeler und Marianne Flüeler-Grauwiler, Zürich 1995, S. 471–498.
  • Erwin Rothenhäusler: Festschrift zum 500-Jahrestag der Schlacht bei Ragaz 1446–1946, Ragaz 1946.
  • Peter Kaiser: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Chur-Rätien’s Vorzeit, Chur 1847, neu hg. von Arthur Brunhart, Vaduz 1989, Bd. 1: Text, S. 269–285.

Zitierweise

Claudius Gurt, «Alter Zürichkrieg», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Alter_Zürichkrieg, abgerufen am 19.2.2019.

Medien

Die Schlacht bei Ragaz zwischen österreichischen und eidgenössischen Truppen, 6.3.1446. Aus Bendicht Tschachtlans Berner Chronik, 1470 (Zentralbibliothek Zürich, Ms. A 120, S. 929). © ZBZ. Das unter der Führung von Hans von Rechberg und Wolfhart V. von Brandis stehende österreichische Heer – darunter gemäss Aegidius Tschudis Chronicon Helveticum auch «volck [Kriegsvolk] [...] von Vadutz» – wurde von den Eidgenossen vernichtend geschlagen. Links der Bildmitte das Brandiser Banner (Feuerbrand), das an die Eidgenossen verloren ging. Es ist dies ein früher Hinweis auf eine Beteiligung der Vaduzer und Eschnerberger Milizmannschaften an Kriegshandlungen.