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Anschlussputsch

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Autor: Donat Büchel | Stand: 31.12.2011

Gescheiterter Versuch der nationalsozialistischen Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein (VDBL), am späten Abend des 24.3.1939 einen Anschluss Liechtensteins an Deutschland zu erzwingen. Der zusammen mit Feldkircher Stellen ausgearbeitete Plan sah vor, dass bei einem Marsch auf Vaduz Zusammenstösse provoziert und nach einem Hilferuf deutscher Kräfte aus Feldkirch einrücken sollten. Von Nendeln aus marschierten 40 Nationalsozialisten Richtung Vaduz. Sie wurden aber vor Schaan, wo abwehrbereite Gegner versammelt waren, von Regierungsrat Anton Frommelt zur Umkehr überredet. In Schaan bei VDBL-Landesleiter Theodor Schädler, dem Hauptverantwortlichen für den Anschlussputsch, versammelte VDBL-Mitglieder wurden von Gegnern am Verlassen des Hauses gehindert. Weitere Putschteilnehmer sollten im Zug des deutschen Einmarsches die Strasse Triesen-Balzers und die Rheinbrücke Vaduz-Sevelen sperren. Nach dem Scheitern des Anschlussputsches flohen 36 der gut 100 Teilnehmer nach Feldkirch. 76 wurden später einvernommen, gegen gut 50 wurde Anklage erhoben. Aus Rücksicht auf Deutschland wurden die Anführer mit der Auflage, Liechtenstein zu verlassen, im Dezember 1939 vorläufig aus der Untersuchungshaft entlassen. 1945 erfolgte die Wiederaufnahme des Prozesses, und im Januar 1946 wurden vier Anführer zu fünf Jahren Haft, drei weitere zu bedingten Freiheitsstrafen verurteilt.

Der Anschlussputsch scheiterte, weil er nicht geheim blieb, der Einmarsch von NS-Gliederungen aus Feldkirch durch Interventionen verschiedener Stellen und Personen unterbunden wurde – so durch Regierungschef-Stellvertreter Alois Vogt in Feldkirch, Otto Meissner bei Adolf Hitler und Heinrich Georg Stahmer bei Joachim Ribbentrop und Hitler – und weil in Liechtenstein gewalttätige Zusammenstösse durch das Einschreiten von Regierungsrat Frommelt vermieden wurden. Die Reichsregierung in Berlin war in die Putschvorbereitung nicht involviert gewesen. In der Putschnacht flohen fast alle in Liechtenstein lebenden Juden in die Schweiz, sie kehrten aber in den Tagen danach wieder zurück. Infolge des Anschlussputsches kam es zu Finanzabflüssen aus Liechtenstein. Er führte zudem zu grosser Empörung und patriotischem Zusammenrücken (→ Heimattreue Vereinigung Liechtenstein) im Land. Die VDBL war nach dem Anschlussputsch diskreditiert und blieb bis 1940 geschwächt.

Literatur

Peter Geiger: Krisenzeit. Liechtenstein in den Dreissigerjahren 1928-1939, Bd. 2, Vaduz/Zürich 22000, S. 346–408.

Zitierweise

Donat Büchel, «Anschlussputsch», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Anschlussputsch, abgerufen am 21.4.2019.