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Appenzellerkrieg

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Autor: Karl Heinz Burmeister | Stand: 31.12.2011

Im Appenzellerkrieg (1403–10) traten genossenschaftlich organisierte Kräfte (Land Appenzell, Stadt St. Gallen) gegen die traditionellen adeligen Herrschaftsträger (Fürstabt von St. Gallen, Österreich) in eine grundsätzliche Auseinandersetzung um eine politische Neugestaltung. Darin verstrickt waren auch die Eschnerberger, womit sich erstmals nachweislich Leute aus dem Gebiet des späteren Fürstentums Liechtenstein an einer sozialrevolutionären Erhebung beteiligten. Streitigkeiten um Abgaben und Zinse zwischen den Appenzellern und dem St. Galler Abt gefährdeten seit den 1360er Jahren dessen Herrschaft. Der Abt verbündete sich 1392 mit Österreich, Appenzell 1401 mit der Stadt St. Gallen und 1403 mit Schwyz. Nach ihrem Sieg über Österreich in der Schlacht am Stoss am 17.6.1405 erneuerten die Appenzeller ihr Bündnis mit der Stadt St. Gallen, das zur Keimzelle des Bunds ob dem See wurde. Dieser besetzte das linksseitige Rheintal bis Sevelen, zahlreiche Bauern schlossen sich ihm an.

Auch der Ammann und die Landleute am Eschnerberg begehrten den Anschluss. Als im Juli 1405 eine 22-köpfige Delegation der Stadt St. Gallen am Eschnerberg weilte, beschworen sie den Bund und erhoben sich damit gegen ihre Herren, Graf Hartmann von Werdenberg-Sargans-Vaduz und Graf Albrecht von Werdenberg-Heiligenberg. Nach St. Gallen gesandte Eschnerberger Abgeordnete wurden von der Stadt mit einem halben Saum Wein beschenkt. Im September trat Feldkirch bei, weite Teile Vorarlbergs folgten. Dornbirn, der Bregenzerwald und der Thurgau wurden erobert, Züge der Appenzeller drangen bis ins Allgäu und über den Arlberg vor. Der Adel musste das Land räumen, die Herrschaft Österreichs in den Vorlanden war infrage gestellt. Zahlreiche Burgen wurden gebrochen, die Eschnerberger zerstörten 1405 die Obere Burg Schellenberg.

Die Wende zugunsten des Adels erfolgte, als der 1407 geschlossene Ritterbund mit St. Jörgenschild am 13.1.1408 den Bund ob dem See vor der Stadt Bregenz besiegte. König Ruprecht löste den Bund durch den Konstanzer Schiedsspruch vom 4.4.1408 auf, ein Friede kam erst 1410 zustande. Die früheren Zustände wurden wiederhergestellt, auch die Eschnerberger kehrten unter ihre Herren zurück. Dem Adel wurde verboten, sich an den Untertanen zu rächen, die zerstörten Burgen durften nur mit Erlaubnis des Königs wieder aufgebaut werden.

Quellen

LUB I/1–6.

Literatur

Appenzell – Oberschwaben. Begegnungen zweier Regionen in sieben Jahrhunderten, hg. von Peter Blickle und Peter Witschi, Konstanz 1997.

Alois Niederstätter: «dass sie alle Appenzeller woltent sin». Bemerkungen zu den Appenzellerkriegen aus Vorarlberger Sicht, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung Bd. 110 (1992), S. 10–30.

Peter Kaiser: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Churrätien‘s Vorzeit, Chur 1847, Bd. 1: Text, neu hg. von Arthur Brunhart, Vaduz 1989, S. 238–256.

Zitierweise

Karl Heinz Burmeister, «Appenzellerkrieg», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Appenzellerkrieg, abgerufen am 23.2.2019.