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Architektur der Moderne

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Autor: Michael Pattyn | Stand: 31.12.2011

Die Architektur der Moderne ist im Wesentlichen auf Funktionalität, formale Einfachheit und Raumtransparenz ausgerichtet, unter Einbezug sozialer und technischer Entwicklungen. Geistiges Zentrum und Wiege der Architektur der Moderne war das 1919 unter der Leitung des deutschen Architekten Walter Gropius gegründete Weimarer Bauhaus (Hochschule für Gestaltung und Architektur).

Der von Sachlichkeit, Handwerk und neuen Hygienevorstellungen («Licht und Luft») geprägte Bauhausstil fand seinen Niederschlag auch in Liechtenstein, das in den 1920er und 30er Jahren durch die Anfänge der Finanzdienstleistungen und die Finanzeinbürgerungen einen Kapitalzufluss erlebte. Eingeführt wurde das Neue Bauen in Liechtenstein – kaum behindert durch den Heimatschutz – durch die 1924 bzw. 1930 aus Deutschland nach Liechtenstein eingewanderten Architekten Ernst Sommerlad (u.a. Haus Hermann Zickert, Vaduz 1932) und Erwin Hinderer (u.a. Zahnfabrik Ramco AG, Schaan 1932, Engländerbau, Vaduz 1933). Sie betonten die Bedeutung der innen- und aussenräumlichen Wirkung von Bauten und setzten, wenn auch an die ländliche Bautradition anknüpfend, neue Massstäbe in der liechtensteinischen Architektur, besonders mit ihren Bauten in Schaan und im Vaduzer Villenviertel, die oft für aus dem Ausland zugezogene Bauherren entstanden.

Einzelne für Liechtenstein bedeutende moderne Bauten dieser Zeit schufen zudem der 1890 in Schönberg/Mähren geb. Fritz Blacha, Feldkirch/Vaduz (Wohnhaus Zum St. Johanner 9, Vaduz 1932), Ludwig Gustav, München (Waldhotel, Vaduz 1931) und Arthur Wander (Kloster Sankt Elisabeth, Schaan 1934). Elemente des Neuen Bauens finden sich auch beim Haus Ferdinand Nigg (Vaduz 1926) des ansonsten dem Heimatstil verpflichteten Architekten Egon Rheinberger.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Moderne im Zeichen des wirtschaftlichen und demografischen Aufschwungs zunächst durch Ernst Sommerlad weiterentwickelt. Industrielles Bauen mit genormten, vorgefertigten Einzelteilen ermöglichte dem wachsenden Mittelstand die Befriedigung seiner Wohnbedürfnisse in Eigenheimen oder kostengünstigen Mietwohnblöcken (→ Wohnen). Ab den 1950er Jahren leisteten auch ausgebildete Architekten aus Liechtenstein Beiträge modernen Siedlungs- und Wohnbaus. Neben privaten Wohnbauten fand die Architektur der Moderne ihren Niederschlag nun zunehmend in Bauten der öffentlichen Hand und der Wirtschaft.

Beispiele sind etwa die Alte Realschule Eschen (1956/57) von Franz Hasler (*1928, Vaduz), das Alphotel «Gaflei» (1962) von Hans Rheinberger und das Postgebäude Vaduz (1973) von Franz Marok (*1934, Mauren), bei den Wohnbauten die wenigen Häuser des Künstlers Georg Malin oder die verdichteten Terrassen- bzw. Reihenhaussiedlungen Schalunstrasse und Meierhof (beide 1973) von Toni Bargetze (*1941, Vaduz) und Walter Nigg (*1943, Buchs, SG). Herausragende Beiträge kamen aus der Schweiz: Eduard Ladners Pfarrkirche zum Unbefleckten Herzen Mariä in Schellenberg (1963) und Ernst Gisels Schulzentrum Mühleholz (1970–73) stehen bereits beide unter Denkmalschutz. Der Schriftsteller und Architekt Max Frisch (1911–1991, Zürich) plante als eine seiner wenigen realisierten Bauten das Wohnhaus Ferster (1950, Schaan, abgerissen 2005). Einige Vertreter der in Liechtenstein tätigen und z.T. an der Universität Liechtenstein ausgebildeten jungen Generation weisen eine deutliche Nähe zu den minimalistisch-reduktionistischen Tendenzen der Vorarlberger und Deutschschweizer Architektur auf. Letztere ist seit dem Jahr 2000 durch das Kunstmuseum Liechtenstein von Morger, Degelo und Kerez (Basel/Zürich) prominent vertreten.

Ab etwa 1975 wurde die Architektur der Moderne teils durch die auf bildliches Formenspiel ausgerichtete Architektur der Postmoderne abgelöst: Genannt seien als späte Beispiele hierfür die Centrum Bank Vaduz (2003) von Hans Hollein (*1934, Wien) und das Landtagsgebäude (2008) von Hansjörg Göritz (*1959).

Literatur

Benedikt Loderer: Architekturführer Liechtenstein, hg. von der Fachhochschule Liechtenstein, Vaduz 2002.

Bauen für Liechtenstein – Ausgewählte Beiträge zur Gestaltung einer Kulturlandschaft, hg. von Patrik Birrer, 2000, S. 270-347.

Zitierweise

Michael Pattyn, «Architektur der Moderne», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Architektur_der_Moderne, abgerufen am 19.2.2019.

Medien

Das Landtagsgebäude (2008) in Vaduz, Ansicht von Südwesten. Architekt: Hansjörg Göritz, Hannover (Information und Kommunikation der Regierung). Foto: Close Up, Triesen.