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Autor: Paul Vogt | Stand: 31.12.2011

Archive sichern die dokumentarische Überlieferung zur Tätigkeit des Staats, von Organisationen oder Personen. Ihre Aufgabe ist es, die Unterlagen zu bewerten, das Wertvolle zu erschliessen und langfristig zu erhalten. Die wichtigsten Bewertungskriterien in öffentlichen Archiven sind die Nachvollziehbarkeit der Tätigkeit der öffentlichen Organe (Schaffung von Transparenz), die Relevanz für die Forschung und die Sicherung von Rechten. Archive leisten einen Beitrag zur Identitätsbildung und zur demokratischen Entwicklung der Gesellschaft.
Die öffentlichen Archive in Liechtenstein (Landesarchiv und Gemeindearchive) sind nach den Bestimmungen des Archivgesetzes von 1997 öffentlich zugänglich, wobei Sperrfristen von 30 (für Sachakten) bzw. 80 Jahren (für schützenswerte Personendaten) bestehen.

Bis zur Schaffung des Liechtensteinischen Landesarchivs als eigenes Amt und zentrales Archiv für das gesamte staatliche Schriftgut 1961 war jede Behörde für die Aufbewahrung ihres Schriftguts selbst verantwortlich, was teilweise zu grossen Verlusten in der Überlieferung führte. 1961–2001 wurde das Landesarchiv mit der Liechtensteinischen Landesbibliothek in Personalunion geführt. Alle Bestände des Landesarchivs sind nach der Herkunft geordnet (Provenienzprinzip) und gut erschlossen. Sie reichen vereinzelt ins Spätmittelalter zurück, doch haben die wiederholten Wechsel der Landesherrschaft dazu geführt, dass viele Unterlagen verloren gingen. Das Landesarchiv archiviert in erster Linie die Unterlagen der staatlichen Behörden, hat aber auch den gesetzlichen Auftrag, Nachlässe sowie Unterlagen von Vereinen, Verbänden, Parteien und Firmen entgegenzunehmen. Weiter äufnet es eine Reihe von Sammlungen (Foto-, Film- und Tonsammlung, Presseausschnitte, Siegelabgüsse, Regesten, zeitgeschichtliche Dokumentation, Mikrofilme usw.). Schliesslich verwaltet es mehrere Pfarrarchive sowie seit 1988 das Josef Gabriel Rheinberger-Archiv (gegründet 1944). Im Gegensatz zu den Ablieferungen der staatlichen Stellen beruht die Abgabe von privaten Unterlagen an das Landesarchiv auf Freiwilligkeit (Schenkungen oder Leihgaben). In besonderen Fällen erwirbt das Landesarchiv Archivalien durch Kauf.

Die Gemeinden sind gemäss Archiv- und Gemeindegesetz verpflichtet, eigene Archive zu unterhalten. Die älteren, bis ins Spätmittelalter zurückreichenden Dokumente wurden in den meisten Gemeindearchiven von Fridolin Tschugmell verzeichnet; diese Ordnung wurde bei der Neuverzeichnung beibehalten. Mengenmässig fallen v.a. die seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts produzierten Unterlagen ins Gewicht; zu ihnen bestehen Aktenpläne. Die Gemeindearchive betreuen oft die Archive der Alpgenossenschaften, Nachlässe von Privatpersonen und Archive von Vereinen sowie einzelne Sammlungen (v.a. Fotos).

An kirchlichen Archiven sind v.a. die katholischen Pfarrarchive zu erwähnen, deren Urkundenbestände ebenfalls ins Spätmittelalter zurückreichen. Die historischen Unterlagen wurden von F. Tschugmell ein erstes Mal erfasst; sie befinden sich zum grössten Teil als Depots im Landesarchiv oder im betreffenden Gemeindearchiv. Das Archiv des ehemaligen Dekanats Liechtenstein wird im Landesarchiv aufbewahrt.

Von grossem kulturellem Wert ist das Hausarchiv der regierenden Fürsten von Liechtenstein. Dort sind Aufzeichnungen zur fürstlichen Familien- und Besitzgeschichte zu finden, aber auch wichtige Informationen zum Staat Liechtenstein. Es befindet sich zum grösseren Teil in Wien (Unterlagen zu den Herrschaften), zum kleineren Teil auf Schloss Vaduz (Urkunden, Handschriften, Unterlagen zur Familiengeschichte). Das Archiv der ehemaligen fürstlichen Domänenverwaltung in Vaduz befindet sich als Depot im Landesarchiv.

Die Familien- und Firmenarchive sind in der Regel nicht öffentlich zugänglich. Ein bedeutendes Privatarchiv ist dasjenige der Familie Rheinberger in Vaduz. Unternehmensarchive werden in der Regel wenig geschätzt und schlecht gepflegt.

Aufgrund der schlechten Überlieferung in Liechtenstein bis ins frühe 19. Jahrhundert sind für die historische Forschung ausländische Archive von besonderer Bedeutung, v.a. die Landes- bzw. Staatsarchive in Innsbruck, Bregenz, Wien, Bern, St. Gallen und Glarus, weiter die Adelsarchive Hohenems (in Bregenz) und Sulz (in Krumau, CZ) sowie das Archiv des ehemaligen Fürststifts Kempten (in Augsburg).

Literatur

Paul Vogt: Das Liechtensteinische Landesarchiv. Der Auftrag. Die Menschen. Die schönsten Dokumente. Ein Archivführer, hg. vom Liechtensteinischen Landesarchiv, Vaduz 2009.

Veröffentlichungen des Liechtensteinischen Landesarchivs [Schriftenreihe], hg. vom Liechtensteinischen Landesarchiv, Vaduz 2001–.

Historiographie im Fürstentum Liechtenstein. Grundlagen und Stand der Forschung im Überblick, hg. von Arthur Brunhart, Zürich 1996.

Paul Vogt: Das Liechtensteinische Landesarchiv, hg. Liechtensteinisches Landesarchiv, Vaduz 1991.

Alois Ospelt: Das Liechtensteinische Landesarchiv. Eine Einführung, Vaduz 1978.

Zitierweise

Paul Vogt, «Archive», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Archive, abgerufen am 22.2.2019.