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Asyl

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Autor: Karl Heinz Burmeister | Stand: 31.12.2011

Als Asyl wird der an einem Zufluchtsort gewährte Schutz vor Verfolgung aus politischen, rassistischen, religiösen oder anderen Gründen bezeichnet. Das Asylrecht, das Verfolgten an Kultstätten Zuflucht gewährte, ist seit der Antike bekannt (Tempel in Jerusalem, Apolloheiligtum in Delos, Griechenland). Christliche Einflüsse dehnten es in der Spätantike auf Kirchen, Klöster und Hospitäler aus. 1379 erhielt Graf Heinrich I. von Werdenberg-Vaduz ein kaiserliches Privileg, Geächteten in seinen Schlössern und Städten Asyl zu gewähren. Ein bekannter Asylort war im Spätmittelalter das Johanniterhaus in Feldkirch (Halt gebietende Hand als Asylzeichen von 1405). 1755 retteten sich Kriminelle in die Kapelle St. Florin in Vaduz und 1765 in die Kirche von Bendern, doch anerkannte die Obrigkeit trotz kirchlicher Proteste dieses Asyl nicht. Seit der französischen Revolution gewann das weltliche Asyl für politisch Verfolgte an Bedeutung. Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Liechtenstein kamen, nahm im Verlauf des 20. Jahrhunderts stark zu, erstmals in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs (1933–45). Der ab den 1990er Jahren besonders aufgrund der Kriege in Exjugoslawien erfolgte Anstieg von Asylgesuchen in Liechtenstein führte 1998 zur erstmaligen gesetzlichen Reglung des Asylwesens (Flüchtlingsgesetz).

Literatur

Peter Kaiser: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Churrätien‘s Vorzeit, Chur 1847, Bd. 1: Text, neu hg. von Arthur Brunhart, Vaduz 1989, S. 514f.

Zitierweise

Karl Heinz Burmeister, «Asyl», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Asyl, abgerufen am 20.2.2019.