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Auslandsvertretungen

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Autor: Roland Marxer | Stand: 31.12.2011

Die Pflege diplomatischer Beziehungen vor Ort ist ein wichtiges Mittel der Aussenpolitik, das für Liechtenstein aufgrund seiner beschränkten Ressourcen nur begrenzt einsetzbar ist. Auf der Grundlage eines Abkommens wurde Liechtenstein 1880–1919 im Ausland von Österreich-Ungarn diplomatisch vertreten. Während des Ersten Weltkriegs übernahmen neutrale Staaten die Vertretung in den alliierten Ländern (bis 1917 die USA, danach u.a. Schweden, Dänemark und die Schweiz). Seit 1919 nimmt die Schweiz diese Funktion in jenen Ländern wahr, in denen sie Auslandsvertretungen besitzt und Liechtenstein nicht selbst eine Vertretung unterhält. Die Schweiz handelt dabei aufgrund von Aufträgen allgemeiner Art (besonders bei der konsularischen Betreuung liechtensteinischer Staatsangehöriger) oder aufgrund spezieller Ersuchen (v.a. bei der Vertretung Liechtensteins an gewissen diplomatischen Konferenzen).

Ab 1919 unterhielt Liechtenstein erstmals eigene Gesandtschaften in Wien (bis 1923) und Bern (bis 1933). 1952 wurde die Errichtung und Organisation der Auslandsvertretungen gesetzlich geregelt. Heute bestehen acht diplomatische Auslandsvertretungen Liechtensteins. Jene in Wien und Brüssel nehmen gleichzeitig die Funktion einer bilateralen Botschaft und einer Vertretung bei internationalen Organisationen wahr. Insgesamt umfasst das Vertretungsnetz daher sechs multilaterale Vertretungen und fünf bilaterale Botschaften. Seit 1986 ist ausserdem ein nicht residierender Botschafter beim Hl. Stuhl akkreditiert. Die ständige Präsenz bei verschiedenen Internationalen Organisationen erlaubt es Liechtenstein, am Sitz der Organisation mit einer Vielzahl von diplomatischen Vertretungen anderer Länder in Kontakt zu treten, ohne über bilaterale Botschaften in diesen Ländern zu verfügen. 2007 errichtete Liechtenstein zwei Honorarkonsulate in den USA, 2008 zwei weitere in der Bundesrepublik Deutschland.

Quellen

Rechenschaftsbericht der Regierung an den Hohen Landtag, Vaduz 1922–.

Literatur

Rupert Quaderer: Bewegte Zeiten in Liechtenstein. 1914 bis 1926, Bd. 1–3, Vaduz/Zürich 2014.

Ziele und Prioritäten der liechtensteinischen Aussenpolitik, hg. von der Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Vaduz 2008.

David Beattie: Liechtenstein. Geschichte und Gegenwart, Triesen 2005, S. 55–58, 87f., 132f., 403f..

Peter Geiger: Krisenzeit. Liechtenstein in den Dreissigerjahren 1928-1939, Vaduz/Zürich 22000, Bd. 1, S. 53–56, Bd. 2, S. 27.

Zitierweise

Roland Marxer, «Auslandsvertretungen», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Auslandsvertretungen, abgerufen am 19.4.2019.

Medien

Schild der Fürstlich Liechtensteinischen Gesandtschaft in Wien (Bildarchiv LLM). Die Gesandtschaft vertrat das Fürstentum Liechtenstein 1919–1923 in Wien.
Diplomatische Vertretungen Liechtensteins