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Büchel, Johann Baptist (1853–1927)

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Autor: Karl Heinz Burmeister | Stand: 31.12.2011

Geistlicher, Landtagsabgeordneter, Historiker. *1.6.1853 Mäls (Gemeinde Balzers), †14.11.1927 Bendern (Gemeinde Gamprin), katholisch, von Balzers. Sohn des Bauern und «Trauben»-Wirts Johann Baptist und der Katharina, geb. Büchel; sechs Geschwister, u.a. Vinzenz. Einflussreich für Büchels Werdegang war sein Onkel Kanonikus Johann Baptist Büchel d.Ä.

Volksschule in Balzers, 1867–73 Gymnasium in Feldkirch, Brixen und Schwyz. 1873–77 Studium der Theologie am Priesterseminar in Chur, wo er am 6.8.1876 zum Priester geweiht wurde. 1877–84 Professor und Präfekt am Kollegium Maria Hilf in Schwyz. Dann wandte sich Büchel, der als guter Prediger galt, der Seelsorge zu: Büchel war 1884–85 Pfarrprovisor von Mauren, 1885–87 Hofkaplan zu Vaduz, wo er auch an der Landesschule unterrichtete, und 1887–1910 Pfarrer von Triesen. 1897 wurde Büchel zum nichtresidierenden Domherrn des Churer Domkapitels ernannt. 1898–1924 war er bischöflicher Landesvikar und damit Vorsitzender des Liechtensteinischen Priesterkapitels. In dieser Funktion und in der Seelsorge wurde er mit sozialen Fragen wie der Lage der Arbeiter oder dem Konkubinat sowie mit dem Protestantismus konfrontiert. Büchel nahm eine auf Abwehr des Sozialismus und Unterstützung der christlich-sozialen Bewegung gerichtete Haltung ein und verlangte ein staatliches Vorgehen gegen die «Unmoral»; den Protestantismus lehnte er ab.

1891–1920 wirkte Büchel als Landesschulkommissär, 1894–1920 als Mitglied des Landesschulrats sowie 1910–20 als Direktor der Landesschule Vaduz, die er zu neuer Blüte brachte; er selbst erteilte u.a. Unterricht in Französisch. Zudem beteiligte er sich an der Herausgabe verschiedener Schulbücher. Ab 1916 strebte Büchel im Hinblick auf seine angeschlagene Gesundheit den Rücktritt als Schuldirektor an. 1920 trat er in den Ruhestand und nahm seinen Wohnsitz in Bendern, wo er bis zu seinem Tod als Kaplan in der Seelsorge aushalf.

Nach Peter Kaiser war Büchel der zweite bedeutende liechtensteinische Landeshistoriker. 1901 war er Mitbegründer des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, an dessen Wirken er lebhaften Anteil nahm und den er 1922–27 leitete. 1923 gab er Kaisers «Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein» (1847) in einer überarbeiteten und erweiterten Auflage neu heraus. In unermüdlichem Schaffensdrang vertiefte er die Kenntnis der liechtensteinischen Geschichte durch zahlreiche Arbeiten und Aufsätze. Als Beispiele seien die Regesten zur Geschichte der Herren von Schellenberg, die Pfarreigeschichten von Triesen, Bendern, Eschen und Schaan, Darstellungen zur Geschichte von Mauren und des Eschnerbergs sowie zur Walserfrage und seine Biografie von Bischof Franz Anton Marxer erwähnt. Darüber hinaus widmete sich Büchel durch zahlreiche an den Versammlungen des Historischen Vereins und des Liechtensteiner Volksvereins gehaltene Vorträge der Hebung der allgemeine Volksbildung. Im Gegensatz zum liberalen Peter Kaiser ist Büchels verdienstvolles, jedoch wenig historisch-kritisches Werk geprägt von einer konservativen Grundhaltung. 1921 wandte er sich in einem flammenden Vortrag gegen den Darwinismus.

1903–04 wurde Büchel von antiklerikalen Historikern im «Vorarlberger Volksfreund» heftig angegriffen: Albert Ritter kritisierte Büchels «Geschichte der Pfarrei Triesen», Josef Zösmair verwarf diese ebenfalls und wandte sich auch gegen die «Regesten der Herren von Schellenberg». Diese Kritik war nicht nur für Büchel verletzend, sondern stellte die Arbeit des Historischen Vereins überhaupt infrage. Büchel wies die Kritik Ritters im «Vorarlberger Volksblatt» vom 2.9.1903 zurück; am 17.7.1904 trat er auf der Jahresversammlung des Historischen Vereins Zösmair entgegen. Mit der 1915 von Adolf Helbok initiierten Historischen Kommission für Vorarlberg und Liechtenstein wurde die landesgeschichtliche Forschung auf eine solide wissenschaftliche Basis gestellt, um solchen Vorwürfen der Unprofessionalität zu begegnen. Vertreter Liechtensteins in der Kommission waren Büchel und Albert Schädler.

Büchel betätigte sich auch als Heimatdichter. In der für das liechtensteinische Heimatlied dieser Zeit typischen Art vermitteln Büchels Texte eine fast allein an der Figur des Fürsten und an der idyllischen Alpenlandschaft orientierte Vorstellung liechtensteinische Identität. Bekannte Beispiele sind etwa das vom Churer Bischof Georg Schmid von Grüneck vertonte «Fürstenlied» und das Gedicht «An meine Heimat» (vertont von Josef Gabriel Rheinberger). Die 1912 erschienenen «Liechtensteiner Lieder» stammen zum grossen Teil von Büchel, der 1926 einen eigenen Gedichtband herausgab. 1912 verfasste Büchel zur 200-Jahr-Feier des Übergangs der Grafschafft Vaduz an das Haus Liechtenstein das Drama «Bilder aus der Geschichte». Dieses Festspiel wurde auf einer Freilichtbühne vor dem Schloss Vaduz aufgeführt. Als Reiseschriftsteller beschrieb Büchel in «Von St. Mamerten nach Süden» eine italienische Reise und eine weitere Reise «Von Vaduz nach dem schottischen Hochland».

1890–1906 gehörte Büchel dem liechtensteiniscen Landtag als vom Volk gewählter, 1918–20 als vom Fürsten ernannter Abgeordneter an. Anlässlich des sogenannten Novemberputsches 1918 legte er aus Protest vorübergehend sein Mandat nieder. Er war 1898–1905 Landtagsvizepräsident sowie zeitweilig Mitglied der Finanzkommission und Schriftführer. Büchel vertrat in den Diskussionen im Vorfeld der Verfassung von 1921 die konservativ-klerikale Seite und verlangte den Schutz der katholischen Religion durch den Staat. 1918 hielt er politische Vorträge, was ihm die Kritik der Volkspartei eintrug.

Büchel schuf mit seinem Lebenswerk Grosses für das Land Liechtenstein 1910 erhielt er in Anerkennung seiner Dienste als Pfarrer das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Triesen. Der Fürst zeichnete ihn 1919 mit dem Titel Fürstl. Geistlicher Rat aus, Papst Pius XI. verlieh ihm 1923 den Titel eines Päpstlichen Hausprälaten. 1966 wurde ihm vor der Pfarrkirche in Balzers ein von Georg Malin geschaffenes Denkmal errichtet, dessen Schriftstein ihn als Priester, Erzieher, Heimatdichter und Historiker würdigt. 1967 erschien anlässlich seines 40. Todestages eine Gedenkbriefmarke.

Archive

Nachlass im LI LA.

Literatur

E. Nipp: † Prälat Johann Baptist Büchel, in: JBL 27 (1927), 3–10 (mit Werkverzeichnis); J.G. Marxer: Prälat Johann Baptist Büchel als Landesvikar, in: JBL 36 (1936), 13–22; Vogt: Landtag, 21988, 152, 203, 228f.; A. Ospelt: Zum Gedenken an die verstorbenen Vorsitzenden des Historischen Vereins, in: JBL 100 (2001), 159–204, hier 170–176 (mit Werkverzeichnis); Näscher: Beiträge 2, 2009, 105–107.

Zitierweise

Karl Heinz Burmeister, «Büchel, Johann Baptist (1853–1927)», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Büchel,_Johann_Baptist_(1853–1927), abgerufen am 19.2.2019.

Medien

Johann Baptist Büchel, um 1910. Fotografie (LI LA). Foto: Josef Niggl, Feldkirch.