Büchel, Patricia
Autorin: Kathrin Wolf | Stand: 24.11.2025
Pädagogin, Frauenrechtlerin und Autorin. *1948 Balzers, wohnhaft in Zürich. Tochter des Postbeamten, Philatelisten und Lokalhistorikers Franz und der Kinderkrankenschwester Cécile, geb. Ryser, zwei Geschwister. Ledig.
Patricia Büchel wuchs in Balzers auf. Sie absolvierte 1960–1964 eine kaufmännische Ausbildung am Institut St. Elisabeth in Schaan und besuchte 1964–1968 das Lehrerseminar in Sargans (SG) und Rorschach (SG). 1968–1971 machte sie berufsbegleitend eine Ausbildung am Heilpädagogischen Seminar (HPS) in Zürich und arbeitete an der Heilpädagogischen Tagesstätte in Schaan. 1971–1977 studierte Büchel an der Universität Zürich angewandte Psychologie, Pädagogik und Sonderpädagogik. Danach arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsgebiet Kindergarten für die Erziehungsdirektion des Kantons Zürich und die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren. Ab 1991 machte sie sich selbständig, schrieb Fachbücher und war in der Weiterbildung von Lehrkräften tätig.
Büchel war über 45 Jahre in der Frauenrechtsbewegung aktiv, beginnend in Liechtenstein und später in der Schweiz. 1969 sprach sie als erste Frau an der Jungbürgerfeier in Liechtenstein und thematisierte dabei das damals fehlende Frauenstimmrecht. Nach der Ablehnung des Frauenstimmrechts in einer ersten Volksabstimmung 1971 gründete sie gemeinsam mit Christel Hilti-Kaufmann die Arbeitsgruppe für die Frau und leitete diese von Zürich aus. Zudem organisierte die von ihr geleitete Vaduzer Pfadfinderinnengruppe am 28.2.1971 eine spontane Demonstration in Vaduz. Auch am 5.3.1971 beteiligte sich Büchel an einer von Schülerinnen und Schülern organisierten Demonstration in Vaduz, die sowohl Dank an die Ja-Stimmenden, Protest gegen das Abstimmungsergebnis als auch Trauer über das erneut gescheiterte Frauenstimmrecht zum Ausdruck bringen sollte. Während des Marschs, bei dem sie gemeinsam mit Norbert Seeger einen symbolischen Trauerkranz trug, wurde sie von einem Mann niedergeschlagen. 1983 beteiligte sie sich an der Reise der Aktion Dornröschen zum Europarat nach Strassburg, mit der dort auf das fehlende Frauenstimmrecht in Liechtenstein aufmerksam gemacht werden sollte.
Büchel verfasste Lehrmittel für den Kindergarten- und Unterstufenbereich (Lehrmittelverlag des Kantons Zürich) und zeichnete die Erinnerungen engagierter Frauen aus der Schweiz und Liechtenstein auf. Sie arbeitet ausserdem an autobiografischen Texten.
Werkauswahl
- Patricia Büchel: Klaräpfel. Eine Erzählung in 75 Bildern, mit Papierschnitten von Helena Becker, Schaan 2023.
- Patricia Büchel: Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt. Bildungssituation für Mädchen und Frauen in Liechtenstein, in: Inventur zur Situation der Frauen in Liechtenstein, hg. vom Frauenprojekt Liechtenstein, Bern/Dortmund 1994, S. 22–41.
- «Ungerechtigkeit hab' ich nie ertragen». Rückblicke engagierter Frauen, aufgezeichnet von Patricia Büchel, Dortmund 1994.
Archive
- Archiv des Historischen Lexikons des Fürstentums Liechtenstein online (AeHLFL)
Literatur
- Claudia K. Lanter: Aufgewacht! Der dornige Weg zum Frauenwahlrecht in Liechtenstein, Triesen 2022.
Externe Links
- Eintrag zu Patricia Büchel auf Frauenarchiv.li.
Normdaten
GND: 1068582480
Zitierweise
Kathrin Wolf, «Büchel, Patricia», Stand: 24.11.2025, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/B%C3%BCchel,_Patricia, abgerufen am 15.12.2025.