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Bendern (Kirchhügel)

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Autorin: Maja Widmer | Stand: 31.12.2011

Im Süden auf der äussersten Spitze des Eschnerbergs liegt weit sichtbar der Kirchhügel Bendern mit der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, dem Pfarrhaus und dem Pfarrstall.

Archäologische Ausgrabungen förderten 1969–77 im Bereich der Kirche und des Kirchhügels mehrere Vorgängerbauten sowie reiches Fundmaterial zutage. Umgelagerte prähistorische Keramik stammt aus der Mittel- und Spätbronzezeit. Im 6./7. Jahrhundert errichtete man an der äussersten Kante des Hügels eine mehrteilige Hofanlage auf einer Fläche von ca. 30 × 25 m und erweiterte sie in einer zweiten Bauphase um einen turmähnlichen Anbau im Südosten. Aufgrund späterer urkundlichen Erwähnungen dürfte es sich dabei um eine frühmittelalterliche curtis gehandelt haben. Mit der ersten Kirche wurde vermutlich im 8. oder 9. Jahrhundert das Areal neu konzipiert. Mittelalterliches und frühneuzeitliches Fundmaterial belegt eine kontinuierliche Besiedlung seit dem 9. Jahrhundert. Die heutige umfriedete Einheit von Kirche, Pfarrhaus und Pfarrstall geht frühestens auf das 15. oder 16. Jahrhundert zurück.

Ein im 16. Jahrhundert errichtetes Gebäude wird wahrscheinlich 1636 erstmals urkundlich als Pfarrhaus erwähnt. Es wurde Ende 16. Jahrhundert, um 1633/44 sowie im 18. und 19. Jahrhundert renoviert oder umgebaut und um 1875 zum Pfarrstall umfunktioniert. Nach einem Umbau 1995–97 beherbergt der alte Pfarrstall seit 1997 das Liechtenstein-Institut.

Das heutige Pfarrhaus («Statthalterei») war um 1532 fertiggestellt. Zur Zeit der Reformation diente es den aus Chur geflüchteten Prämonstratensern des Klosters Sankt Luzi bis um 1636 als Hauptsitz. Danach bewohnte der Statthalter der Prämonstratenser das Gebäude. Das Pfarrhaus wurde wohl mehrmals umgebaut und 1977/78 letztmals renoviert.

Historische Bedeutung erlangte der Kirchhügel Bendern 1699 mit der Huldigung der Unterländer Untertanen nach dem Verkauf der Herrschaft Schellenberg an Johann Adam I. Andreas von Liechtenstein. 1980 errichtete man zur Erinnerung an dieses Ereignis eine Gedenkstätte in Form eines Brunnens von Georg Malin. Am selben Platz wurde 1999 anlässlich der Jubiläumsfeier «300 Jahre Unterland» der Kauf der Herrschaft Schellenberg mit dem Festspiel «Der Ritter vom Eschnerberg» gewürdigt.

Literatur

  • Hans Rudolf Sennhauser: Katalog der frühchristlichen und frühmittelalterlichen kirchlichen Bauten in der Diözese Chur und in den nördlich und südlich angrenzenden Landschaften, Bd. 1: Frühe Kirche im östlichen Alpengebiet. Von der Spätantike bis in ottonische Zeit, hg. von Hans Rudolf Sennhauser, München 2003, S. 50–53.
  • Harald Rainer Derschka: Die Fundmünzen vom Kirchhügel Bendern, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Bd. 102 (2003), S. 89–188.
  • Georg Malin: Das alte Pfarrhaus auf dem Kirchhügel von Bendern. Archäologische Ausgrabungen und baugeschichtliche Untersuchungen, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein Bd. 98 (1999), S. 144–202.
  • Georg Malin: Ausgrabungen auf dem Kirchhügel von Bendern, Archäologie im Fürstentum Liechtenstein, Basel 1978 (= Helvetia Archaeologica 9, Heft 34/36), S. 223–234.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein, hg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1950 (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Sonderband), S. 243–254;
  • Johann Baptist Büchel: Die Geschichte der Pfarrei Bendern, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein Bd. 23 (1923), S. 1-180.
  • Johann Baptist Büchel: Die Urkunden des Pfarrarchivs zu Bendern, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein Bd. 12 (1912), S. 81–139.

Zitierweise

Maja Widmer, «Bendern (Kirchhügel)», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Bendern_(Kirchhügel), abgerufen am 21.4.2019.

Medien

Der Kirchhügel von Bendern, Zeichnung von Karl August Kayser (1813–1874), um 1843 (Bildarchiv LLM).