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Bendern (Siedlung)

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Autor: Markus Burgmeier | Stand: 31.12.2011

Zur politischen Gemeinde Gamprin gehörender Weiler am südwestlichen Ende des Eschnerbergs; 408 Einwohner (2007), Pfarrkirche der Pfarrei Bendern auf 472 m ü.M. Die Strasse Fallsbretscha bildet die Trennlinie zwischen den Ortsteilen Gamprin und Bendern.

Erste Erwähnung 1045 als Beneduro, weitere Namensformen sind u.a. bendura (1194), Bendor (1214), Bendern (1388). Der Name ist keltischen Ursprungs und setzt sich aus den Elementen BEN- (nicht sicher gedeutet) und -DURO (Tor, Festung) zusammen.

Archäologische Ausgrabungen auf dem Kirchhügel Bendern in den Jahren 1969–77 förderten als älteste Funde prähistorische Keramik aus der Mittel- und Spätbronzezeit zutage. Im Frühmittelalter entstand auf dem Kirchhügel eine mehrteilige Hofanlage (6./7. Jahrhundert). Unter Verwendung von Mauern dieser Anlage wurde im 8./9. Jahrhundert eine Saalkirche errichtet (→Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt). Seit dem 9. Jahrhundert ist eine kontinuierliche Besiedlung des Kirchhügels belegt.

Im Schwabenkrieg 1499 steckten die Eidgenossen Bendern in Brand. 1538–1636 diente die um 1532 fertiggestellte Statthalterei (heutiges Pfarrhaus) den vor der Reformation aus Chur geflüchteten Prämonstratensern des Klosters Sankt Luzi als Hauptsitz. Nach dem Kauf der Herrschaft Schellenberg durch Fürst Johann Adam I. von Liechtenstein fand am 16.3.1699 auf dem Platz unterhalb der Statthalterei die Huldigung an den neuen Landesherrn statt, woran eine 1980 von Georg Malin in Form eines Brunnens gestaltete Gedenkstätte erinnert. Auch die Landammannwahl wurde ab 1699 an diesem Ort durchgeführt (zuvor auf Rofaberg/Gemeinde Eschen). Am 6.3.1799 überquerten französische Truppen den Rhein bei Bendern und plünderten die Häuser und die Kirche.

Eine gewisse Bedeutung erwuchs Bendern aus der Lage an einer Ost-West-Verbindung über den Rhein in die Schweiz: Spätestens seit dem 16. Jahrhundert, wohl aber bereits seit dem Ende des 14. Jahrhunderts, ermöglichte in Bendern eine Fähre den Warenverkehr zur linksrheinischen Ortschaft Haag (SG) auf der Handelsstrasse Feldkirch–Toggenburg–Rickenpass, die auch zahlreiche Pilger aus Tirol und Vorarlberg auf ihrer Pilgerreise nach Einsiedeln (SZ) und Santiago de Compostela benutzten. Den gefahrvollen Fährbetrieb ersetzte 1868 eine Rheinbrücke aus Holz, die 1894 durch einen Brand vernichtet und 1895–96 wiederaufgebaut wurde. 1963–64 entstand südlich des hölzernen Rheinübergangs die erste Spannbetonbrücke Liechtensteins als Zubringer zur Schweizer Rheintalautobahn. Die Holzbrücke stürzte 1974 nach einem Brand ein. Mitte des 16. Jahrhunderts sowie im 17. Jahrhundert ist eine Zollstation in Bendern belegt, die später nach Rofaberg verlegt worden zu sein scheint. Von 1837 bis zum Zollanschlussvertrag mit der Schweiz (1924) war Bendern wieder Zollstation. Aufgrund des österreichisch-liechtensteinischen Zoll- und Steuereinigungsvertrags von 1852 wurde in Bendern 1854 ein Zollamt erbaut. Der Rheinkatastrophe vom 25.9.1927 fielen das Zollhaus sowie ein Wohnhaus zum Opfer, die Rheinbrücke erlitt eine starke Beschädigung.

1735 entfielen von den 50 Haushaltungen der Gemeinde Gamprin 8 auf Bendern (inkl. Pfarrhaus); um 1810 zählte Bendern immer noch 8 von nunmehr 64 Gampriner Haushaltungen. 1686 ist in Bendern eine Taverne erwähnt. Neben einem Wirt gab es 1735 einen Schuhmacher und einen Schreiner. Gemäss der Landesbeschreibung von Rentmeister Joseph Fritz (1784) wurde in Bendern der beste Wein der Herrschaft Schellenberg angebaut. Im 19. Jahrhundert entstanden neben dem (wahrscheinlich bereits 1686 erstmals erwähnt) Gasthaus «Adler» zwei weitere Gasthäuser: jenes von Johann Jakob Biedermann (1868, später zum «Deutschen Rhein») und der «Löwen» (1877). 1898 wurde die Marien-Lourdes-Grotte am Westhang des Kirchhügels eingeweiht.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts behielt Bendern seinen kleinbäuerlichen Charakter bei. 1955 begann mit der Ansiedlung eines Betriebs für Kesselbau (→Ludwig Elkuch AG) in der Ebene von Bendern die Industrialisierung der Gemeinde Gamprin. 1961 folgte ein Betrieb für die Herstellung von Kunststoffartikeln (Forma Etablissement). 1967 verlegte die Fleisch- und Wurstfabrikation Herbert Ospelt ihren Standort nach Bendern (→Herbert Ospelt Anstalt), ebenso 1974 die Schekolin AG. Bendern ist zudem Hauptsitz der Firma Internationale Möbel-Selection IMS AG. 1996 richtete die LGT Bank in Liechtenstein in Bendern ein Service-Center ein. Auch die 1960 eröffnete Poststelle der Gemeinde Gamprin befindet sich in Bendern; sie war zunächst in einem Anbau des Gasthauses zum «Deutschen Rhein» untergebracht, seit 1969 besteht ein eigenes Postgebäude. 1978 wurde die Abwasserreinigungsanlage ARA in Bendern in Betrieb genommen. Seit deren Erweiterung von 2000–05 werden alle Abwässer Liechtensteins dort gereinigt (mit Ausnahme derjenigen von Hinterschellenberg). In Bendern befand sich 1954–2001 ein Campingplatz (der einzige des liechtensteinischen Unterlands). Seit 1986 ist Bendern Sitz des Liechtenstein-Instituts.

Archive

  • Vorarlberger Landesarchiv, Bregenz (VLA).

Literatur

  • Harald Wanger: «… in dem Kelchspiel ze Benderen …» Streifzug durch die Geschichte von Gamprin-Bendern, hg. von der Gemeinde Gamprin, Gamprin 2000.
  • Hans Stricker, Toni Banzer, Herbert Hilbe: Liechtensteiner Namenbuch, Teil I: Die Orts- und Flurnamen des Fürstentums Liechtenstein, Bd. 4: Gamprin, Schellenberg, Ruggell, Vaduz 1999 (FLNB I/4), S. 23–26.
  • Georg Näscher: Stammtafeln der Bürgerfamilien von Gamprin. In der Zeit von 1700 bis 31. Dezember 1995, Gamprin 1995.
  • Gamprin, unser Dorf, hg. von der Gemeinde Gamprin, Gamprin 1988.
  • Arthur Hager: Vom alten Grenzort Bendern, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein Bd. 81 (1981), S. 223–228.
  • Eugen Schafhauser: Der Rhein und seine Verkehrsstellung Gams-Haag – Bendern-Eschen, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein Bd. 71 (1971), S. 113–143.
  • Johann Baptist Büchel: Die Geschichte der Pfarrei Bendern, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein Bd. 23 (1923), S. 1-180.

Zitierweise

Markus Burgmeier, «Bendern (Siedlung)», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Bendern_(Siedlung), abgerufen am 22.4.2019.