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Bibliotheken

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Autorin: Barbara Vogt | Stand: 31.12.2011

Bibliotheken (von griechisch «Büchersammlung») sind Dienstleistungseinrichtungen, die publizierte Information in ihren verschiedenen Formen sammeln, erschliessen, vermitteln und bewahren. Wissenschaftliche Bibliotheken fördern v.a. die Informationskompetenz, öffentliche Bibliotheken die Lesekompetenz.

In Europa entwickelten sich seit dem Frühmittelalter die Bibliotheken der Klöster zu Zentren von Kultur und Wissen. Ab dem Spätmittelalter kamen dazu die Bibliotheken der frühen Universitäten; Humanismus und Renaissance förderten das öffentliche Bibliothekswesen. Aus fürstlichen Hofbibliotheken des 17./18. Jahrhunderts gingen im 19. Jahrhundert die National-, Staats- und Landesbibliothek hervor. Zahl und Spezialisierung der Bibliohteken nahmen seither stark zu. In Liechtenstein haben Bbliotheken keine alte Tradition. Bis in die jüngere Vergangenheit fehlten dafür weitgehend die materiellen und geistigen Grundlagen.

Das liechtensteinische Fürstenhaus besass eine umfangreiche Bibliothek in Wien, deren älteste Bestände auf Hartmann II. von Liechtenstein (1544–1585) zurückgingen. Den adeligen Repräsentationsbedürfnissen und persönliche Interessen der Fürsten entsprechend, wurde die 1711 dem Familien-Fideikommiss zugeschlagene Bibliothek bis ins 19. Jahrhundert stark ausgebaut (u.a. 1883 Erwerb der Hauslab-Bibliothek). Im Zweiten Weltkrieg kam es zu umfangreichen Verlusten. 1948/49 verkaufte Fürst Franz Joseph II. einen Grossteil der Inkunabeln, Frühdrucke und Karten an den amerikanischen Buchhändler Hans Peter Kraus. So zählte die fürstliche Bibliothek 1995 noch rund 80 000 Bände, die sich v.a. in Wien und z.T. auf Schloss Vaduz befanden.

Die älteste bekannte Bibliothek in Liechtenstein war die Studienbibliothek des Triesner Pfarrers Valentin von Kriss (1630–1692). Sie umfasste einst über 200 Bände, darunter etliche Inkunabeln, auch aus der Bibliothek des Feldkircher Humanisten Hieronymus Münzer (1437–1508). Einen Teil davon verkaufte Kriss noch selbst an Pfarrer Gerold Fetzel, von dem diese Bände an die Kuratie Marul im Grossen Walsertal (Vorarlberg) übergingen; sie kamen 1930 in den Besitz der Stadtbibliothek Feldkirch. 1909 verkaufte die Kooperaturpfründe Triesen die damals noch vorhandenen 157 zwischen 1475 und 1781 gedruckten Bücher an die fürstliche Bibliothek auf Schloss Vaduz. Sie gelangten vermutlich 1949 mit den Beständen aus der fürstlichen Bibliothek ins Ausland.

Der Wundarzt Johann Georg Gebhard Schädler (1734–1807) legte den Grundstein für die Schädler-Bibliothek, die von vier Generationen der Arztfamilie Schädler zusammengetragen wurde und 79 Einzelwerke in 95 Bänden umfasst. Die wahrscheinlich einst grössere Sammlung beinhaltet überwiegend Bücher über Chirurgie und Gynäkologie. Über eine kleine militärhistorische Büchersammlung verfügte im 19. Jahrhundert das liechtensteinische Militärkontingent. Neben den ab 1861 gegründeten Lesevereinen besassen bzw. besitzen auch andere Vereine Bibliotheken für ihre Mitglieder; die frühesten waren die Fachbibliothek des 1885 gegründeten Landwirtschafts Vereins und die 1901 gegründete Bibliothek des Historischen Vereins mit Werken zu Geschichte und Heimatkunde. Die 1906 folgende Landeslehrerbibliothek machte Lehrpersonen wissenschaftliche Zeitschriften und Fachliteratur zugänglich. Ab dem späteren 19. Jahrhundert bemühten sich Pfarreien, Gemeinden und Privatpersonen um die Errichtung von Schul-, Jugend- und Leihbibliotheken, so in Mauren und Schaan in den 1880er Jahren. Grösseren Erfolg hatten solche Bestrebungen erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Jungmannschaften richteten 1939 mit staatlicher Unterstützung Jugendbibliothek ein. 1944 regelte die Regierung die Aufsicht (Zensur) über die Leihbibliothek mittels Verordnung. Die grösste und bedeutendste öffentliche Bibliothek in Liechtenstein ist die 1961 als Nationalbibliothek gegründete Liechtensteinische Landesbibliothek; sie verwaltet seither auch die Landeslehrerbibliothek.

Weitere neuere Bibliotheken führen u.a. das Liechtensteinische Landesmuseum, das Liechtenstein-Institut in Bendern, die Internationale Akademie für Philosophie und die Universität Liechtenstein. In der Landesbibliothek deponiert ist u.a. die Bibliothek des ehemaligen Dekanats. Die Bestände dieser Bibliothek, jener des Historischen Vereins und verschiedenen Amtsbibliotheken. (Landgericht, Hochbauamt, Archäologie, Landesarchiv etc.) sind im Online-Katalog der Landesbibliothek verzeichnet. Im Jahr 2000 wurde der Verbund Liechtensteiner Bibliotheken mit gemeinsamem Bibliotheksausweis eingerichtet.

Archive

LI LA.

Literatur

J.B. Büchel: Bücher-Verzeichnis der alten bis anhin zur Triesner Cooperaturpfründe gehörenden Bibliothek, in: JBL 9 (1909), 113–132; R. Allgäuer: Gründung und Aufbau der LBFL, Dipl., Ms. 1968 [LBFL]; U. Neumayr: Die Stiftungstätigkeit des Valentin von Kriss, Sa. Salzburg, o.J.; K. Albrecht: Die medizinische Bibliothek der Arztfamilie Schädler, in: JBL 89 (1991), 113–135; Biedermann: Historischer Verein, 2001, 100f.; A. Ospelt: Liecht. Landesbibliothek, 1999; H.P. Kraus: Die Saga von den kostbaren Büchern, 1982, 181–188, 396–399; E. Dunkl: Fürstl. Liecht. Fideikommissbibliothek, in: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich 2/2 (1995), 66–69; K. Albrecht: Stadtbibliothek Feldkirch, in: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich 4 (1997), 196–200.

Zitierweise

Barbara Vogt, «Bibliotheken», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Bibliotheken, abgerufen am 23.2.2019.

Medien

Erste Seite der «Ortographia» von Giovanni Tortelli, 1477 (Liecht. Landesbibliothek). Die ersten drei Seiten des Buchs aus der ehemaligen Studienbibliothek von Valentin von Kriss weisen verschiedene Besitzersignaturen auf, u.a. die Signatur von Kriss selbst.
1962–68 war die im Jahr 1961 gegründete Liechtensteinische Landesbibliothek in drei Räumen der alten Realschule Vaduz untergebracht (Liecht. Landesbibliothek).