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Brandisische Freiheiten

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Autor: Dieter Stievermann | Stand: 31.12.2011

Ursprünglich sind mit den Brandisischen Freiheiten die Privilegien oder Freiheiten gemeint, die den Freiherren von Brandis als Herren von Vaduz, Schellenberg (Eschnerberg) und Blumenegg von den Kaisern und Königen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation verliehen wurden. Ihren Kern bildete der Blutbann (Gerichtsbarkeit über Leib und Leben), das vornehmste Element der Landesherrschaft: 1430 wurde er Wolfhart V. durch König Sigismund für den Walgau (Blumenegg und Vogtei St. Gerold), Vaduz und den Eschnerberg verliehen; dazu erfolgte die Befreiung von fremden Gerichten (privilegium de non evocando). Nach dem Text der Urkunde sollen bereits Graf Hartmann IV. (II.) von Werdenberg-Sargans-Vaduz diese «Gnaden und Freiheiten» verliehen worden sein, doch liegen für ihn offenbar nur allgemein gehaltene Bestätigungen und Belehnungen vor; allerdings hatte schon Graf Heinrich V. (I.) von Werdenberg-Sargans-Vaduz 1379 königliche Gerichtsstandsprivilegien erhalten. Die Privilegierung durch Kaiser und Könige wurde im Weiteren fortgeschrieben, bis Kaiser Friedrich III. 1492 noch einmal eine Erweiterung vornahm: Neben dem Blutbann, mit dessen Durchführung der Landesherr die Landammänner betraute, erscheinen jetzt auch die Bergwerke (Bergregal) sowie Zoll- und Mautrechte, dazu werden die Gerichtsrechte näher gefasst und verbessert. Von König Maximilian I. wurde 1507 diese Urkunde bestätigt, sein Privilegienbrief dann auch regelmässig erneuert. Nach dem Ende der Freiherren von Brandis 1510 galten daher diese Rechte und Freiheiten an sich weiter. Durch die allgemeine Verfassungsentwicklung im Reich und schliesslich mit der Erhebung der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg zum Reichsfürstentum Liechtenstein 1719 wurden die Brandisischen Feiheiten in einer umfassenden landesherrlichen Gewalt aufgehoben.

Quellen

Urkunde König Sigismunds vom 26. Dezember 1430 in: LUB II.

Die Privilegien der Freiherren von Brandis und der Grafen von Sulz gemäss dem Sulzisch-Hohenemsischen Urbar (1617–19) in: LUB I/4, S. 334–336.

Literatur

  • Peter Kaiser: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Churrätien‘s Vorzeit, Chur 1847, neu hg. von Arthur Brunhart, Bd. 1: Text, Vaduz 1989, S. 278, 334–336, 371.
  • Rupert Ritter: Die Brandisischen Freiheiten, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Bd. 43 (1943), S. 5–42.

Zitierweise

Dieter Stievermann, «Brandisische Freiheiten», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Brandisische_Freiheiten, abgerufen am 20.4.2019.