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Entwicklungszusammenarbeit

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Autorin: Dorothee Platz | Stand: 31.12.2011

Entwicklungszusammenarbeit, früher Entwicklungshilfe genannt, bemüht sich um eine nachhaltige soziale, wirtschaftliche, kulturelle, politische und ökologische Entwicklung benachteiligter und marginalisierter Weltregionen, besonders um die Bekämpfung von Hunger und Armut. Entwicklungszusammenarbeit wird seitens des Staats, aber auch durch private und kirchliche Organisationen geleistet.

Erste Ansätze einer Entwicklungszusammenarbeit gehen auf die kirchliche Mission zurück, die besonders seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vermehrt entwicklungspolitische Ziele verfolgt. Seit dem späten 19. Jahrhundert sind liechtensteinische Missionare und in Liechtenstein ansässige Kongregationen v.a. in Afrika und Südamerika tätig.

Einen entwicklungspolitischen Aufbruch erlebte Liechtenstein in den 1960er Jahren. 1961 enthielt die Landesrechnung erstmals die Position «Entwicklungshilfe». Es folgte die Gründung dreier bis heute in der Entwicklungszusammenarbeit engagierter kirchlicher und privater Organisationen: des Liechtensteiner Fastenopfers 1962, des Vereins Welt und Heimat 1965 und des Liechtensteinischen Entwicklungsdienstes (LED) 1965. Seither leisten liechtensteinische Entwicklungshelfer zeitlich befristete Einsätze in Afrika, Lateinamerika und Asien. In den letzten Jahrzehnten entstand eine Reihe weiterer kleiner, privater Hilfswerke.

Der Staat war 1965 Mitstifter des LED, über den er bis heute seine bilaterale Entwicklungszusammenarbeit abwickelt. Mit dem Gesetz vom 19.12.1984 über die Förderung der Entwicklungs- und Katastrophenhilfe wurde die Entwicklungszusammenarbeit als Staatsaufgabe verankert. Seit 2007 basiert die staatliche Entwicklungszusammenarbeit auf dem Gesetz vom 27.4.2007 über die Internationale Humanitäre Zusammenarbeit und Entwicklung (IHZE). Die IHZE besteht aus den vier Säulen der Not- und Wiederaufbauhilfe (Verantwortung beim Amt für Auswärtige Angelegenheiten, AAA), der internationalen Flüchtlings- und Migrationshilfe (Verantwortung beim AAA und beim Ausländer- und Passamt), der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit (Verantwortung beim LED) und der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit, in der verschiedene Länder und Organisationen zur Lösung globaler Probleme zusammenarbeiten (Verantwortung beim AAA und beim Amt für Wald, Natur und Landschaft).

Innerhalb der IHZE nimmt die Entwicklungszusammenarbeit den grössten Raum ein. Liechtenstein investiert etwa zwei Drittel seiner IHZE-Mittel für die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit, die sich auf konkrete Projekte in derzeit zwölf Schwerpunktländern konzentriert (Burkina Faso, Mali, Senegal, Niger, Mosambik, Sambia, Simbabwe, Bolivien, Peru, Moldau, Afghanistan, Kirgistan). In den primär ländlich geprägten Regionen stehen dabei Frauenförderung, soziale Gerechtigkeit und Umwelt im Vordergrund. Neben der Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen, Hilfs- und Entwicklungsorganisationen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland sowie europäischen und internationalen Organisationen arbeiten auch liechtensteinische Fachleute in Projekten vor Ort mit. Die drei weiteren IHZE-Säulen erhalten jeweils rund 10 % der Gelder. Über ein Drittel der IHZE-Gelder floss 2008 nach Afrika, ein Sechstel nach Europa (Balkan, Moldau), je ein Zehntel nach Lateinamerika und Asien, ein Viertel in internationale, nicht projektspezifische Aktivitäten.

Liechtenstein ist nicht Mitglied der OECD, orientiert sich bei der Berechnung der offiziellen Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance, ODA) jedoch an deren Richtlinien. ODA beziffert alle Ausgaben, die ein Staat für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe bereitstellt (ohne private Entwicklungszusammenarbeit). Um das international vereinbarte Ziel eines ODA-Prozentsatzes von 0,7 % des Bruttonationaleinkommens zu erreichen, hat die liechtensteinische Regierung die Mittel für die ODA seit 2000 nahezu verdoppelt. 2008 lag der ODA-Prozentsatz bei 0,54 %.

Quellen

  • Rechenschaftsbericht der Regierung an den Hohen Landtag, Vaduz 1961.
  • Jahresbericht IHZE des Fürstentums Liechtenstein, hg. von AAA, Vaduz 2008.

Literatur

Zitierweise

Dorothee Platz, «Entwicklungszusammenarbeit», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Entwicklungszusammenarbeit, abgerufen am 22.4.2019.

Medien

Internationale Humanitäre Zusammenarbeit und Entwicklung (IHZE), 1961–2015