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Erdbeben

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Autorin: Monika Gisler | Stand: 31.12.2011

Erdbeben tektonischen Ursprungs sind durch Brüche in der Erdkruste hervorgerufene Erschütterungen des Erdbodens. Durch plötzlichen Spannungsabbau werden grosse Energien freigesetzt. Die Region St. Galler Rheintal/Liechtenstein liegt in einer seismischen Zone, die v.a. in jüngerer Zeit aktiv war. Dabei kam es hauptsächlich zu lokalen, oberflächennahen Beben. Die besonderen geologischen Bedingungen haben wesentlichen Einfluss auf deren Intensität (→ Geologie). In der schweizerischen Gefährdungskartierung gehört Liechtenstein der mittleren Gefährdungszone an: vereinzelte Schadensereignisse neben zahlreichen kleineren Beben.

Für das Jahr 1652 erwähnt der Historiker Peter Kaiser ein am Eschnerberg deutlich verspürtes, ansonsten aber nicht belegtes Erdbeben. Das erste gesicherte grössere Beben der Region ereignete sich am 6.2.1681. Es wurde weiträumig wahrgenommen (was auf ein sehr tiefes Erdbeben mit hoher Magnitude hinweist), hinterliess aber nur geringe Schäden. Das Ereignis vom 28.1.1778 wurde im Rheintal sehr stark verspürt; das Kapuzinerkloster in Feldkirch (Vorarlberg) erlitt Mauerschäden. Die zwei stärksten regionalen Erdbeben vom 6.12.1795 und 20.4.1796 waren weit herum wahrnehmbar; zahlreiche Öfen und Kamine wurden beschädigt oder stürzten ein, die Kirche von Gams (SG) erlitt Schäden, es bildeten sich Spalten in der Erde. Kamin-, Dach- und Mauerschäden verursachte auch das Erdbeben vom 18.11.1881. Beim Ereignis vom 14.6. 1898 stürzten in Vaduz Kamine ein, auch massive Mauern erlitten Risse. Es war das von seiner Intensität her am deutlichsten verspürte Erdbeben in Liechtenstein. Beim letzten stärkeren Beben vom 8.5.1992 lösten sich in Buchs und Vaduz in zwei Schulen Deckenteile, im Schloss Vaduz entstanden Schäden.

Entsprechend dem jeweiligen Weltbild der Epoche wurden Erdbeben lange nicht als Naturkatastrophen, sondern als Strafen Gottes und warnende Vorzeichen für grösseres Unheil interpretiert. Erst im 19. Jahrhundert gewannen naturwissenschaftliche Erklärungen an Bedeutung, metaphysische und religiöse Bezüge verloren ihre Akzeptanz.

Literatur

  • Monika Gisler, Donat Fäh, Domenico Giardini (Hg.): Nachbeben. Eine Geschichte der Erdbeben in der Schweiz, Bern 2008.
  • Monika Gisler, Donat Fäh, Reto Schibler: Two Serious Earthquakes in the Rhine Valley at the End of the 18th Century, in: Swiss Journal of Geosciences 96 (2003), S. 357–366.
  • Monika Gisler: Historical Seismology in Switzerland, in: Environment and History 9 (2003), S. 215–237.
  • Donat Fäh: Earthquake Catalog of Switzerland (ECOS) and the Related Database, in: Swiss Journal of Geosciences 96 (2003), S. 219–236.

Zitierweise

Monika Gisler, «Erdbeben», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Erdbeben, abgerufen am 19.4.2019.

Medien

Die Erdbeben im Gebiet des Fürstentums Liechtenstein und Umgebung erfassten Erdbeben (bis 2008). © Schweizerischer Erdbebendienst, 2018. Auf der Karte ersichtlich sind die im Erdbebenkatalog der Schweiz (ECOS-09) verzeichneten Erdbebenereignisse mit einer angenommenen Magnitude (Mw, «Momentenmagnitude») von mehr als 3.0. Die Daten basieren ab 1975 auf modernen instrumentellen Messungen, bei älteren Ereignissen handelt es sich um die jeweils bestmögliche, auf Berechnungen beruhende Annahme bezüglich Stärke und Lokalisierung (hauptsächlich basierend auf Angaben in historischen Schriften). Die Kreise mit den Jahrzahlen bezeichnen die vermuteten Epizentren.