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Erni, Barbara, genannt «goldene Boos»

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Autor: Jürgen Schindler | Stand: 31.12.2011

*15.2.1743 Altenstadt (Feldkirch, Vorarlberg), † 26.2.1785 Eschen. Tochter des Vaganten Johann und der Anna Barbara Graf, zwei Geschwister.  1779 den Vaganten und Dieb Franz Schindelin, genannt «Tiroler Franz», fünf Kinder. Erni beging vorerst kleine Nahrungs- und Kleiderdiebstähle mit den Geschwistern, ab 1763 grössere Diebstähle allein und mit Komplizen, und prostituierte sich. Sie war über die Region hinaus steckbrieflich gesucht. Erni wurde am 27.5.1784 in Eschen gefasst, auf Schloss Vaduz gefangen gesetzt und mehrere Male verhört. Sie gab 17 grössere und kleinere Diebstähle zu. Ein Rechtsgutachten vom 7.12.1784 empfahl die Todesstrafe. Am 26.2.1785 wurde Erni in Eschen vom Gericht auf Rofaberg zum Tod verurteilt und am gleichen Tag auf Güediga vor einer grossen Zuschauerschar geköpft; es war die letzte Hinrichtung in Liechtenstein.

Das Schicksal Ernis fand Nachklang im Lied «Zu Vaduz da lag ich gefangen» und in der Sage von der «goldenen Boos» (golden für die rotblonde Haarfarbe, Boos für eine liederliche Frau, Prostituierte), auf die sich der Strassenname «Goldene Boos-Gasse» in Eschen bezieht.

Literatur

A. Ospelt: Die Goldene Boos, in: LVbl., 22.3.1984; Vogt: Brücken, 1990, 93–95; P. Vogt, O. Anrig-Hoch, C. Anrig: Das Rechtsgutachten Hensler im Fall der Barbara Erni, genannt die goldene Boos, in: Veröffentlichungen des Liechtensteinischen Landesarchivs 2, 2003, 65–100.

Zitierweise

Jürgen Schindler, «Erni, Barbara, genannt «goldene Boos»», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Erni,_Barbara,_genannt_«goldene_Boos», abgerufen am 22.2.2019.