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Europäische Integration

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Autorin: Sieglinde Gstöhl | Stand: 31.12.2011

Unter europäischer Integration versteht man den nach dem Zweiten Weltkrieg begonnenen Prozess der zunehmenden faktischen und vertraglich abgesicherten wirtschaftlichen und politischen Verflechtung der europäischen Staaten mit dem Ziel der Friedenssicherung und des wirtschaftlichen Wiederaufbaus in Europa.

Wichtige Institutionen sind neben bi- und multilateralen Vertragswerken die 1948 geschaffene Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, Paris), der 1949 gegründete Europarat in Strassburg, die Europäische Union (EU, Brüssel) und ihre Vorläufer (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl EGKS 1951; Europäische Atomgemeinschaft Euratom; Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWG 1957), die Europäische Freihandelsassoziation von 1960 (EFTA, Genf), die 1995 aus der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hervorgegangene Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE, Wien) und der Europäische Wirtschaftsraum (EWR). Durch die mit dem Ende des Kalten Kriegs möglich gewordene Osterweiterung der EU (2004) und des Europarats hat die Europäische Integration die Teilung des Kontinents nach vier Jahrzehnten überwunden.

Infolge des Zollvertrags mit der Schweiz nahm Liechtenstein indirekt ab 1960 an der EFTA und ab 1972 am bilateralen Freihandelsabkommen der Schweiz mit den Europäischen Gemeinschaften (EG) teil. Seit den 1970er Jahren baute Liechtenstein seine eigenständige Teilnahme am europäischen Integrationsprozess aus und wurde 1973 Mitglied in der KSZE, 1978 im Europarat, 1991 in der EFTA und 1995 im EWR. Liechtenstein verfolgte damit neben wirtschaftlichen Überlegungen u.a. das Ziel, die Souveränität des Landes langfristig zu sichern. Mit den spürbaren Vorteilen der europäischen Integration erhöhte sich auch die Akzeptanz einer kostspieligeren Aussenpolitik in der Bevölkerung Liechtensteins.

Literatur

  • Sieglinde Gstöhl: Flexible Integration für Kleinstaaten, Vaduz 2001.
  • Curt Gasteyger: Europa von der Spaltung zur Einigung, Bonn 2001.
  • Europa Ploetz, Red. M. Kathöfer, 1999.

Zitierweise

Sieglinde Gstöhl, «Europäische Integration», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Europäische_Integration, abgerufen am 24.4.2019.