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Föhn

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Autor: Georg Burgmeier | Stand: 31.12.2011

Warmer, trockener Fallwind auf der Leeseite von Gebirgen. Er tritt als physikalisches Wetterphänomen weltweit auf, doch bezeichnete Föhn ursprünglich hauptsächlich die in den Tälern nördlich des Alpenkamms auftretenden Fallwinde. Im Rheintal macht sich der Föhn als nach Norden gerichteter, kräftiger Luftstrom bemerkbar, der gelegentlich bis in den Bodenseeraum vorstösst. Er führt bei wetterfühligen Personen zu körperlichen und seelischen Beschwerden. Anderseits kann er auch euphorische Stimmung auslösen.

In Liechtenstein ist vom Föhn speziell das Oberland und dort besonders die Gemeinde Balzers betroffen. Neben positiven Einflüssen auf die Obst- und Weinkultur («Traubenkocher») sowie den Maisanbau gehört der Föhn mit Rhein und Rüfen zu den «drei Landesnöten». Grösste Gefahren sind Gebäude- und Flurschäden (Bodenerosion) und v.a. durch den Föhn angefachte Dorfbrände (u.a. in Balzers 1795 und 2001, in Vaduz 1907, in Triesen 1913) sowie Waldbrände (in Balzers u.a. 1960 und 1985). Als Gegenmassnahmen wurden u.a. Windschutzstreifen errichtet (ab 1900). Verschiedene liechtensteinische Gemeinden richteten eine Föhnwache ein (→ Feuerschutzwesen). Sie hatte die Aufgabe, gefährliche Brandherde ausfindig zu machen und zu beseitigen. Organisiert wurde sie durch «Füürgschworne», ausgeführt als Fronarbeit der Bürger (in Balzers bis 1959); später übernahmen die Dorf-Feuerwehren die Föhnwache. Aufgrund seiner Bedeutung für Liechtenstein wird der Föhn häufig von liechtensteinischen Literaten und in Landesbeschreibungen behandelt.

Literatur

Büchel: Gemeinde Triesen 2, 1989, 892–898; Föhnstudien, Hg. M. Kuhn, 1989; Vogt: Balzers 1, 1995, 193–220; K. Biedermann: Feuerwehr Vaduz, 1996, 20–22; BNjbl. 7 (2001), 31–36.

Zitierweise

Georg Burgmeier, «Föhn», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Föhn, abgerufen am 15.2.2019.