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Fahrrad

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Autor: Klaus Biedermann | Stand: 31.12.2011

Das Fahrrad ist ein zweirädriges und einspuriges Fahrzeug, das mit einer durch die Füsse bewegten Tretkurbel in Gang gehalten wird. Im späten 19. Jahrhundert entwickelte das Fahrrad seine heutige Form mit Drahtspeichen, Kettenantrieb und Luftreifen. Als erster Besitzer eines Fahrrads in Liechtenstein gilt der Arzt Rudolf Schädler (1845–1930) (um 1880). Das im Vergleich zum Automobil viel billigere Fahrrad entwickelte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Liechtenstein zum häufigsten Individualverkehrsmittel. Bis 1942 stieg die Zahl der Fahrräder auf 4885 und sank dann bis 1945 auf 4178, u.a. weil während des Zweiten Weltkriegs Fahrradschläuche und -mäntel für Reparaturarbeiten kaum erhältlich waren. 1950–60 stieg die Zahl der Fahrräder von 5607 auf 6500, ging dann mit der fortschreitenden Motorisierung bis 1970 auf 5478 zurück. Seit den 1970er Jahren stieg die Zahl der Fahrräder wieder kontinuierlich an, aktuelle Zahlen liegen jedoch keine vor.

Eine gesetzliche Regelung des Fahrradverkehrs erfolgte 1924. Die Verordnung zum Gesetz betreffend Verkehr mit Fahrzeugen sah u.a. amtliche, nummerierte Schilder für jedes Fahrrad sowie die Pflicht, eine Klingel und nachts ein Licht am Fahrrad mitzuführen, vor. Das Strassenverkehrsgesetz von 1978 verbot Kindern im Vorschulalter das Fahrradfahren. Vorgeschrieben wurde u.a. das Benutzen von Radwegen und -streifen. Das amtliche Schild war jährlich bei den Gemeinden neu zu beziehen. 1987 wurde dieses Jahrgangsschild durch ein kostenloses Dauerschild (seit 1991 ein Kleber) ersetzt. Damit war das Fahrrad zugleich versichert. Gemeinde und Land übernahmen als Massnahme zur Förderung des umweltfreundlichen Fahrradfahrens je die Hälfte der Versicherungskosten. 2002–10 subventionierte die Regierung Fahrräder mit einem Elektroantrieb und 2008 schaffte sie Dienstfahrräder für die Landesverwaltung an.

Erste Radfahrerclubs entstanden in Gamprin (1898) und Triesen (1902) und bis 1919 in allen liechtensteinischen Gemeinden ausser Planken und Triesenberg. Sie hatten den Zweck, ihren Mitgliedern durch die Abgabe von Grenzübertrittausweisen (Triptik-Karten) den Grenzverkehr zu erleichtern. 1923 schlossen sie sich zum Liechtensteiner Radfahrerbund zusammen. Dieser führte 1926 das erste Radrennen in Liechtenstein durch. 1927 entstand in Schaan der erste Verein mit radsportlicher Ausrichtung (→ Sport). Nach der Aufhebung der Radtriptiks durch Österreich 1958 wurde der Liechtensteiner Radfahrerverband nicht mehr benötigt und er stellte in der Folge seine Tätigkeit ein. Der 1950 gegründete Liechtensteiner Radfahrerverband bestand 2007 aus vier Vereinen mit insgesamt 210 Mitgliedern (→ Sport). Der 1953 entstandene Veloclub Unterland (seit 1958 Veloclub Ruggell) organisierte über Jahre die Internationale Schellenberg-Rundfahrt. Seit 1946 gastierte in Liechtenstein mehrmals die Tour de Suisse, das wichtigste schweizerische Fahrradrennen. Einige liechtensteinische Radrennfahrer errangen internationale Erfolge, so Alfred Marxer, Adolf Heeb und Roman Hermann.

Quellen

Liechtenstein 1938–1978, 1978, 113, 134; Liechtenstein 1978–1988, 1988, 299.

Literatur

M. Frommelt et al.: Radsport in Liechtenstein, 1984; M. Frommelt: 100 Jahre Radsport in Liechtenstein, 60 Jahre RV Schaan, 1987; Vogt: Brücken, 1990, 200; Vogt: Balzers 3, 1998, 349, 352–354, 373.

Zitierweise

Klaus Biedermann, «Fahrrad», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Fahrrad, abgerufen am 21.2.2019.