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Fasnacht

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Autorin: Vera Heymann Meier | Stand: 31.12.2011

Fas(t)nacht meint die Nacht (vigilia) vor der 40-tägigen Fastenzeit. In der Schweiz seit dem Spätmittelalter (1283) bezeugt, als konkretes Ereignis aber erst 100 Jahre später fassbar, hat die Fasnacht entgegen der landläufigen Meinung wohl keinen heidnisch-germanischen oder römischen Ursprung, sondern eher einen christlichen Zusammenhang. Der synonym verwendete, im 13. Jahrhundert in Rom aufgetauchte Begriff Karneval leitet sich von carne(m) levare (Fleisch wegräumen) her und bezeichnet den Beginn der 40-tägigen, fleischlosen Fastenzeit. Die Obrigkeit suchte das vor allem in katholischen Gebieten stark verwurzelte, aber auch als unkontrollierbar, gar als subversiv beargwöhnte Fasnacht-Brauchtum immer wieder zu unterbinden oder einzudämmen, z.B. für die Grafschaft Vaduz im Landsbrauch von 1667. In reformierten Gebieten ging das bis zum Verbot des «papistischen Treibens». Erst seit dem 18. Jahrhundert lockerten sich die Einschränkungen und Verbote.

Als Beginn der Fasnachtszeit wird heute jeweils der 11. November, 11.11 Uhr, gefeiert. Die aktive Fasnacht beginnt in Liechtenstein gemäss römischen Ritus am Schmutzigen Donnerstag (Donnerstag vor Aschermittwoch) als Zeit der Lebensfreude mit «Ruassla», Suppenhafenstehlen, «Eierla» und wird ergänzt von «Butzna» (Maskenlauf), Heischebräuchen und anderem. Sie dauert bis Dienstag vor Aschermittwoch, an dem die bis Karsamstag dauernde Fastenzeit beginnt. Tendenziell führte die Entwicklung der Fasnacht im 20. Jahrhundert weg von der Gasthaus- und Saalfasnacht mit ihren Maskenbällen zur Strassen- und Gassenfasnacht mit Umzügen, aber auch Bällen, Spendebräuchen, Fasnachtsplaketten und Büttenreden, welche von Vereinen und Narrenzünften organisiert werden. Seit 1952 wird der Schaaner Fasnachtsumzug durchgeführt. In der Folge entstanden in weiteren Gemeinden Fuasnachtsmzüge (Mauren, Triesenberg) und 1970 der Fasnachtkinderumzug Vaduz. Die Strassenfasnacht der Kinder verlagerte sich in Gemeindesäle.

1958 machte erstmals eine «Guggamusik» (Guggenmusik) am Schaaner Fasnachtsumzug mit. Die erste noch bestehende «Guggamusik» Liechtensteins entstand 1970 in Schaan (Röfischrenzer), gefolgt von den «Guggamusiken» Plunderhüüsler (Schaan 1972), Törmleguger (Vaduz 1974), Moschtgügeler (Triesen 1976), Wildmandligugga (Triesenberg 1980), Tuarbaguger (Eschen 1982), Pföhrassler (Balzers 1989) und Gitzifäger (Nendeln 2002). Die «Guggamusik» Ratatätsch entstand 1998 aus einem Rhythmuskurs für Behinderte und leistet einen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Behinderungen. Seit 1976 werden Monsterkonzerte von «Guggamusiken» organsiert.

Die vermutlich erste liechtensteinische Fasnachtzeitung «Essiggurke» (1920) fand verschiedene Nachfolger mit unterschiedlichen Namen, so 1922 der «Eselstuhl» (Schaan), «Wingertesel» (Schaan), «Residenzler» (Vaduz), «Provinzler» (Eschen), «Jux» (Ruggell), «Räbahobel» (Mauren), «Wildmandli» (Triesenberg), «Tresner Moscht Press» (Triesen), «Buschneger» (Gamprin, 2002 eingestellt) und seit 2008 das «Liechtensteiner Fasnachtsland» (Fasnachtsausgabe des «Liechtensteiner Vaterland»).

Literatur

E. Hoffmann-Krayer: Die Fastnachtsgebräuche in der Schweiz. In: Kleine Schriften zur Volkskunde, 1946; A. P. Goop: Brauchtum in Liechtenstein. Vaduz, 1986; 50 Jahre Schaaner Fasnacht, 2002; P. Hugger: Fasnacht, in: HLS 5, 2005.

Zitierweise

Vera Heymann Meier, «Fasnacht», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Fasnacht, abgerufen am 15.2.2019.

Medien

Fasnachtsumzug in Mauren, 1930er Jahre (Fotosammlung Tschugmell, GAM).