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Fernsehen

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Autor: Wilfried Marxer | Stand: 31.12.2011

Seit der Vergabe der ersten Fernsehempfangskonzession in Liechtenstein 1953 erlebte das Fernsehen einen kontinuierlichen Aufschwung als Unterhaltungs- und Informationsmedium. Mangels liechtensteinischer Sender reduziert sich der Konsum bis heute fast ausschliesslich auf ausländische Programme. Damit bleibt die meinungsbildende Wirkung des Fernsehens in der liechtensteinischen Politik beschränkt. Der terrestrische Empfang via Antennen limitierte anfangs das Angebot auf die Sender der Nachbarländer. Mit der Verkabelung der Haushalte seit den 1970er Jahren (Inbetriebnahme der Liechtensteinischen Gross-Gemeinschaftsantennen-Anlage LGGA 1978), dem Aufkommen des Satellitenempfangs in den 1990er Jahren und der Zulassung von Privatsendern hat sich das Programmangebot stark erweitert.

Liechtenstein schuf erst 1978 mit einem Radio- und Fernsehgesetz die Grundlagen für eigene Rundfunksender. Bis dahin galt der Besorgungsvertrag mit der Schweiz auf der Basis des Postvertrags von 1921; dessen Revision brachte 1978 die Anerkennung der liechtensteinischen Sendehoheit für Radio und Fernsehen. Als erste liechtensteinische TV-Angebote entstanden 1992 der «Landeskanal» und in der Folge Gemeindekanäle mit Teletext-Informationen und Sendungen zu ausgewählten Anlässen (v.a. zu Wahlen und Abstimmungen).

Der erste liechtensteinische Fernsehsender mit regelmässigem Programm nahm im Dezember 1998 den Betrieb auf (Teletext und Standbilder): Ab Februar 1999 produzierte der private Sender «XML» (Betreiber: X-Media AG) wöchentlich eine rund einstündige, mehrmals wiederholte Magazinsendung mit regionalen Informationen. Aufgrund finanzieller Engpässe reduzierte er Ende 1999 den Betrieb wieder auf Textinformation (Teletext) und strahlte ab 2001 Programme des St. Galler Privatsenders Tele Ostschweiz aus. 2003 entzog ihm die Regierung die Konzession. Die 1999 konzessionierte Fernsehgesellschaft International Broadcasting Company (später: Internet & Broadcasting Company) IBC wollte multimediale, interaktive Spielshows über Satellitensender in Europa ausstrahlen. Sie ging 2001 in Konkurs, ohne den Betrieb aufgenommen zu haben. Die Konzession wurde 2002 vom schwedischen Unternehmen Tele2 ersteigert, ein Sendestart erfolgte aber ebenfalls nicht. 2001 wurde eine weitere Sendekonzession an die Cablecom Multimedia GmbH Vaduz erteilt, eine 100-prozentige Tochter des schweizerischen Kabelnetzbetreibers Cablecom. Geplant war ein Unterhaltungsprogramm mit einer Mischung aus Free-TV und Pay-TV. Die nicht beanspruchte Konzession verfiel nach einem Jahr. Im August 2008 nahm mit 1 FL TV erneut ein liechtensteinischer Privatsender den Betrieb auf; er verbreitet u.a. Nachrichten und Informationen zu Liechtenstein und der Region. 2003 schuf das Gesetz über den Liechtensteinischen Rundfunk die gesetzliche Basis für einen zukünftig möglichen öffentlich-rechtlichen TV-Sender.

Literatur

Marxer: Medien, 2004.

Zitierweise

Wilfried Marxer, «Fernsehen», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Fernsehen, abgerufen am 15.2.2019.

Medien

Fernsehempfangskonzessionen, 1953-1998