Aktionen

Fläsch

Wechseln zu: Navigation, Suche

Autor: Florian Hitz | Stand: 31.12.2011

Politische Gemeinde im Kanton Graubünden, Kreis Maienfeld, Bezirk Landquart, 593 Einwohner (2011), an die liechtensteinische Gemeinde Balzers grenzend. Am Fuss des Fläscherbergs und der Sankt Luzisteig gelegen ist Fläsch die nördlichste Gemeinde von Graubünden. Um 842 villa Flasce.

Prähistorische und römerzeitliche Funde wurden auf der St. Luzisteig gemacht, wo um 842 als Teil des Königsguts auch eine Kirche erscheint. 1480 wird im Dorf Fläsch eine Kapelle St. Nikolaus erwähnt, die zusammen mit der Pfarrkirche in Maienfeld dem Patronat des Klosters Pfäfers untersteht. 1524 wechselte Fläsch als erste Bündner Gemeinde zum evangelischen Glauben; zu den Predigten des evangelischen Predigers Ulrich Bolt sollen auch Zuhörer aus der Grafschaft Vaduz gekommen sein; 1569 erfolgte die Trennung von der Pfarrei Maienfeld.

Seit dem Hochmittelalter gehörte Fläsch zur Herrschaft Maienfeld, seit der Mitte des 14. Jahrhunderts zur Stadtvogtei Maienfeld, 1509–1798 zur bündnerischen Landvogtei Maienfeld. Andererseits war Fläsch bereits im Spätmittelalter eine selbstverwaltete Nachbarschaft (Dorfgemeinde). Diese erhielt 1438, nach dem Herrschaftsantritt der Freiherren von Brandis, einen besonderen Freiheitsbrief, der ihre Zugehörigkeit zum Zehngerichtenbund (1436) anerkannte und ihre Nutzungsrechte, auf den Alpen und in der Ebene bestätigte. Von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in der Rheinau am westlichen Hangfuss des Fläscherbergs einen Badebetrieb (Fläscher Bad).

Die Grenze der Fläscher Allmende am Fläscherberg entsprach nicht der Grenze der Herrschaft Maienfeld gegenüber der Grafschaft Vaduz. Als Herrschaftsgrenze wurde 1355 der «Brunnen Balzers» (→ Sankt Katrinabrunna) bezeichnet. Vom 14. bis ins 19. Jahrhundert sind Streitigkeiten und Übereinkünfte zwischen den Gemeinden Balzers und Fläsch um Nutzungsrechte, Weiden, Wasser und Grenzen überliefert.

1948 kam es aus militärstrategischen Gründen zu einer Revision der Grenze zwischen Liechtenstein und der Schweiz, wodurch beträchtliche Flächen des der Gemeinde Balzers gehörenden Gebiets auf das Territorium der Gemeinde Fläsch zu liegen kamen. 1937–65 musste Balzers für die Bedürfnisse der Schweizer Armee gegen finanzielle Entschädigung Boden an Fläsch abtreten. 1985 wurden einige dieser Grundstücke, nachdem sie von Stacheldrahtverhauen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs geräumt worden waren, an die Gemeinde Balzers zurückverkauft.

Nach allen historischen Grenzziehungen besitzt die Gemeinde Balzers heute ein beträchtliches Weide- und Waldgebiet auf Fläscher Territorium. Die Bewirtschaftung besonders des Walds erfolgt gemäss eidgenössischer und bündnerischer Gesetzgebung.

Archive

LI LA.

Literatur

G.P. Bener: Fläsch, in: Rätia 3 (1939/40), 117–125, 184–189; D. Frick: Die Balzner Gemeindegrenzen, in: Der Balzner Wald, 1982, 154–183, bes. 162–169; E. Vogt: Eine Eigenart: Balzner Gemeindebesitz auf Schweizer Hoheitsgebiet, in: Der Balzner Wald, 1982, 184–187; F. Büchel: Beiträge zur Geschichte 842–1942, 1987, 27, 34, 36, 37, 64f.; K. Fuchs: Das Fläscher Bad, in: BNjbl. 9 (2003), 17–22.

Zitierweise

Florian Hitz, «Fläsch», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Fläsch, abgerufen am 21.2.2019.

Medien

Evangelische Kirche in Fläsch (Denkmalpflege Graubünden/Amt für Kultur). Das ehemals dem hl. Nikolaus geweihte Kirchengebäude, dessen älteste Teile in vorreformatorische Zeit zurückreichen, wird 1480 erstmals erwähnt. Es war die Wirkungsstätte des Predigers Ulrich Bolt, zu dessen evangelischen Predigten in Fläsch um 1525 auch Zuhörer aus der Grafschaft Vaduz gekommen sein sollen.