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Flugblätter

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Autor: Donat Büchel | Stand: 31.12.2011

Flugblätter sind ein- bis zweiseitige Druckschriften, die eine Nachricht oder Botschaft übermitteln. Die Grenze zu längeren Flugschriften ist fliessend. Flugblätter werden möglichst direkt, rasch und kostenlos verbreitet. Sie erscheinen speziell in politischen, wirtschaftlichen oder sozial schwierigen Zeiten.

In Liechtenstein versuchten die Landesverweser vor 1921 wiederholt, den Vertrieb von Druckschriften zu zensurieren. Erst die Verfassung von 1921 garantierte die Meinungsäusserungsfreiheit (Art. 40).

Nach der Gründung von Parteien 1918 bis zur Parteienbefriedung von 1938 spielten Flugblätter eine wichtige Rolle in den politischen Auseinandersetzungen. Speziell seit der Mitte der 1920er Jahre wurde im Vorfeld von Landtags- und Gemeindewahlen mit Flugblättern für oder gegen einzelne Kandidaten und Parteien agitiert. Sie kamen aber auch bei Abstimmungen sowie zur Mobilisierung der eigenen Anhänger für Demonstrationen oder Parteiversammlungen zum Einsatz. Vor allem in der Zwischenkriegszeit waren die Flugblätter meist anonym und polemisch. Sie zogen öfter Ehrverletzungsklagen nach sich.

Gestützt auf das Vollmachtengesetz von 1933 unterstellte die Regierung mittels Verordnung im Januar 1939 das Verbreiten von Flugblättern der Bewilligungspflicht und Zensur, was sich gegen die nationalsozialistische Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein richtete. Diese Einschränkungen wurden durch das Staatsschutzgesetz von 1949 wieder aufgehoben, das auch das Inumlaufsetzen von anonymen Druckschriften verbot.

Flugblätter wurden auch durch Einzelpersonen, Interessenverbände (z.B. LANV, Gewerbegenossenschaft) und Organisationen in den Bereichen Frauenrechte (→ Aktion Dornröschen), Umwelt und Tierschutz verbreitet. Seit den 1960er Jahren werden Flugblätter vermehrt durch Broschüren ergänzt. Beides stellt für Gruppierungen mit kleinen Budgets, aber auch für Vereine, Institutionen und Unternehmen wichtiges Informations- und Propagandamaterial dar. Als Flyer werden neuerdings Flugblätter bezeichnet, die für kommerzielle Veranstaltungen, z.B. Konzerte, werben.

Archive

Flugblattsammlung im LI LA.

Literatur

  • Peter Geiger: Krisenzeit. Liechtenstein in den Dreissigerjahren 1928-1939, Vaduz/Zürich 22000.

Zitierweise

Donat Büchel, «Flugblätter», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Flugblätter, abgerufen am 21.4.2019.

Medien

Flugblatt der Fortschrittlichen Bürgerpartei zu den Landtagswahlen 1928 (LI LA). Die Bürgerpartei macht die regierende Volkspartei für den Sparkassaskandal verantwortlich. Die Sparkassa (Liechtensteinische Landesbank) hatte 1928 infolge von Betrügereien grosse finanzielle Verluste erlitten.