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Frauenbewegung

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Autorin: Julia Frick | Stand: 31.12.2011

Organisatorischer Zusammenschluss von Frauen zur Verbesserung ihrer gesellschaftlichen, politischen und zivilrechtlichen Stellung. Eine Frauenbewegung in diesem Sinn existiert erst seit Ende der 1960er Jahre. In einer ersten Phase konzentrierte sich die Frauenbewegung auf die Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts: Die erste Gruppierung, das Komitee für das Frauenstimmrecht (1969–72), versuchte bewusst, nicht kämpferisch aufzutreten, und löste sich nach der Abstimmungsniederlage von 1971 auf. Als Reaktion darauf bildete sich die Arbeitsgruppe für die Frau (1971–86). Sie thematisierte auch andere frauenspezifische Themen, wie Mutterschaft oder Abtreibung, und gilt als Vorreiterin der politischen Frauenbewegung nach 1984. Die Aktion Dornröschen (1981–84) erreichte u.a. durch viel Öffentlichkeitsarbeit die Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts. 1982 entstanden in den damaligen beiden Landesparteien Frauensektionen, die Frauen Union (FU) und die Frauen in der FBP, die innerhalb der Partei für Frauenanliegen zuständig waren.

Nach der Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts 1984 bildete sich eine Vielzahl neuer Gruppierungen, die sich mit der Gleichberechtigung im gesellschaftlichen Bereich, mit der zivilrechtlichen Stellung und der Gleichstellung in der Gesetzgebung auseinandersetzten: Verein Bildungsarbeit für Frauen seit 1984, INFRA seit 1986, Liechtensteinischer Tagesmütterverein (heute Eltern-Kind-Forum) und Verein Kindertagesstätten (Kitafl) seit 1989 (→ Kinderbetreuung, ausserhäusliche), Frauenhaus seit 1990. Auf Initiative des Gleichstellungsbüros arbeiten die verschiedenen Gruppierungen seit 1997 teilweise zusammen. Dieses seit 2000 als Frauennetz bezeichnete Netzwerk besteht (2008) aus 18 Organisationen, darunter Vertreterinnen der Parteien und des Staats. Seit 1998 organisiert das Frauennetz z.B. den Internationalen Tag der Frau in Liechtenstein, 1999 führte es den ersten liechtensteinischen Frauenkongress durch und 2004 das Jubiläum «20 Jahre Frauenstimmrecht». Ziel der gemeinsamen Veranstaltungen und Projekte ist es, mehr Öffentlichkeit und ein stärkeres Gewicht zu erhalten sowie die Tätigkeiten der einzelnen Organisationen besser bekannt zu machen.

Die Vielfalt der Frauenorganisationen deckt eine breite Palette zur Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau ab: Bildung, Politik, Beruf, Vereinbarkeit von Familie und Erwerb, Unterstützung von Familien, Beratung für verschiedenste Lebensbereiche und Rechtsberatung für Frauen, Gewalt gegen Frauen sowie Unterstützung und Förderung von Frauen.

Literatur

Marxer: Inventur, 1994, 146–161.

Zitierweise

Julia Frick, «Frauenbewegung», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Frauenbewegung, abgerufen am 17.2.2019.