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Freie Liste

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Autor: Wilfried Marxer | Stand: 31.12.2011

Politische Partei, gegründet im Herbst 1985 im Hinblick auf die Landtagswahlen von 1986. Die Initiative ging wesentlich von den Herausgebern der kritischen Zeitschrift «Maulwurf» aus. Die Gründung der Freien Liste reiht sich international in die Entstehungsgeschichte der grünen und alternativen Parteien ein. Sie wurde ein Sammelbecken verschiedenen Strömungen der neuen sozialen Bewegung, die sich v.a. für eine ökologische Erneuerung, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, Frieden und Solidarität in der Welt und den Ausbau der Demokratie einsetzte. Die soziale Basis der Freien Liste liegt v.a. bei den neuen Mittelschichten im höheren Bildungssegment. Die Freie Liste ist als Verein organisiert. Oberstes Gremium ist die Mitgliederversammlung, daneben existieren ein Vorstand, Dorfgruppen und Ressorts (Arbeitsgruppen). Seit 1997 besteht eine Geschäftsführung, seit 1999 ein Vorstandssprecher (Parteipräsident). Sprachrohr der Freien Liste ist seit 1988 das «fl-info» (vormals «Freie-Liste-Zeitung»).

Die Freie Liste – umgangssprachlich die «Weissen» – trat jeweils in beiden Wahlkreisen zu den Landtagswahlen an, war aber im Oberland in der Regel stärker als im Unterland. Nach zwei erfolglosen Kandidaturen 1986 und 1989, bei welchen sie knapp unter der 8%-Sperrklausel blieb, erreichte sie 1993 je ein Mandat im Oberland und im Unterland. Bei den vorgezogenen Neuwahlen im Herbst 1993 verlor sie das Unterländer Mandat. 1997 erzielte sie wieder ein Mandat in beiden Wahlkreisen, verlor aber 2001 erneut das Unterländer Mandat. 2005 erreichte sie mit drei Mandaten erstmals Fraktionsstärke (→ Landtag), fiel aber 2009 wieder auf einen Sitz (Oberland) zurück. Die Freie Liste machte mehrmals mit Volksinitiativen auf sich aufmerksam (1987 Doppeltes Ja bei Volksabstimmungen, 1989 Staatsvertragsreferendum, 1992 Aufhebung der 8%-Sperrklausel, 1992 Diskriminierungsverbot). 1996 unterbreitete sie einen Vorschlag für eine neue liechtensteinische Verfassung auf der Grundlage der repräsentativen Monarchie. Bei den Gemeinderatswahlen kandidierte die Freie Liste mit unterschiedlichem Erfolg: 1987 erreichte sie kein Mandat, 1991 landesweit zwei, 1995 fünf, 1999 sechs, 2003 und 2007 jeweils sieben Mandate.

Literatur

  • Wilfried Marxer: Wahlverhalten, 2000.
  • Arno Waschkuhn: Politisches System Liechtensteins: Kontinuität und Wandel, Vaduz 1994 (=Liechtenstein Politische Schriften, Bd. 18), S. 265–272.
  • W. Forthofer: Strukturelle und personenbezogene Entstehungsbedingungen neuer Parteien am Beispiel der Freien Liste im Fürstentum Liechtenstein, Diss. Salzburg, Ms. 1993.

Zitierweise

Wilfried Marxer, «Freie Liste», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Freie_Liste, abgerufen am 21.4.2019.

Medien

Erstes Programm der Freien Liste, 1986 (LI LA).