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Frick, Alexander

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Autor: Fabian Frommelt | Stand: 31.12.2011

Regierungschef, Landtagspräsident. *18.2.1910 Schaan, †31.10.1991 Spital Grabs, von Schaan, wohnhaft in Schaan. Sohn des Bauern und Fuhrmanns Alexander und der Theresia, geb. Wanger; neun Geschwister, darunter der Landtagsabgeordnete Georg. 5.10.1939 Hildegard Kranz (*23.12.1917, †29.4.1993); neun Kinder, darunter Regierungsrat Hansjörg. 1925–29 Lehrerseminar Rickenbach (SZ), Primarlehrerpatent, 1929–36 Steuerbeamter, 1936–45 Steuerkommissär (Leiter des liechtensteinischen Steueramts).

Politisch geprägt wurde Frick durch die 1931 unter seiner massgeblichen Mitwirkung gegründete liechtensteinische Pfadfinder-Bewegung, als deren aktivster Funktionär er bis 1945 gegen die nationalsozialistische Strömung in Liechtenstein kämpfte. 1935–36 war er Vorsitzender des ersten liechtensteinischen Nationalen Olympischen Komitees.

Nach dem Rücktritt von Regierungschef Josef Hoop wurde Frick am 3.9.1945 liechtensteinischer Regierungschef (FBP). Die Regierungskoalition mit der VU bestand weiter. Frick setzte sich am Anfang seiner bis 1962 dauernden Amtszeit für die innere Befriedung zwischen ehemals deutschfreundlichen Kreisen und NS-Gegnern ein. Dazu gehörte die gesellschaftliche Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten, sofern sich diese in der NS-Zeit nicht vor dem Gesetz schuldig gemacht hatten. Am Anschlussputsch von 1939 und an Spionage beteiligte Liechtensteiner mussten sich jedoch vor Gericht verantworten, ausländische NS-Funktionäre wurden ausgewiesen («Säuberung»). Beim Amtsantritt sah sich Frick zudem mit dem schwierigen Problem der in Liechtenstein internierten Angehörigen der 1. Russischen Nationalarmee konfrontiert: Gegen starken Druck der Sowjetunion verweigerte Liechtenstein die Zwangsauslieferung jener Russen, die nicht heimkehrbereit waren, und gewährte ihnen bis 1948 Asyl.

Mit dem 1950 anlässlich des Nottebohm-Falls und gegen den Widerstand von Ostblockländern erreichten Beitritt Liechtensteins zum Statut des Internationalen Gerichtshofs gelang Frick ein für die aussenpolitische Öffnung wichtiger Erfolg. Eine souveränitätspolitische Komponente hatten auch die Beitritte zu den vier Genfer Rot-Kreuz-Konventionen 1950, zur UN-Flüchtlingskonvention 1957 und zum Weltpostverein 1962 sowie die erstmalige Teilnahme Liechtensteins an einer Weltausstellung (Brüssel 1958). Hinsichtlich der europäischen Integration wies Frick auf die Risiken für die liechtensteinische Eigenstaatlichkeit hin. Der angestrebte Beitritt zur EFTA als Mitglied gelang nicht, Liechtenstein konnte an ihr dank einer von Frick 1959 erreichten Minimallösung aber über ein Sonderprotokoll partizipieren. Bilateral pflegte er besonders die Beziehung zur Schweiz, an die jedoch 1948 das Ellhorn abgetreten werden musste. 1955 bzw. 1960 folgten Bereinigungen der Staatsgrenze zur Schweiz und zu Österreich. Mit Österreich schloss Liechtenstein 1956 ein Doppelbesteuerungs- und ein Rechtshilfeabkommen.

Fricks Bedeutung liegt weniger im Bereich der Aussen- als der Innenpolitik, in welcher er die Modernisierung Liechtensteins massgeblich mitgestaltete. Seine Amtszeit fiel in die frühe Phase eines bislang ungekannten wirtschaftlichen Aufschwungs besonders des industriellen Sektors, den er insoweit förderte, als Arbeitsplätze für die inländische Bevölkerung entstanden. Einem darüber hinausgehenden, auf ausländische Arbeitskräfte gestützten Wachstum stand er kritisch gegenüber. Frick verfolgte eine restriktiv-protektionistische Ausländeraufenthalts- und -niederlassungspolitik bei gleichzeitig liberaler Zulassung von Grenzgängern. Wirtschaftspolitisch bedeutend waren die Gründung der Liechtensteinischen Kraftwerke 1947 und der Bau des Saminawerks 1949, die Förderung von Stipendienwesen und Berufsbildung, die Schaffung des Abendtechnikums Vaduz 1961 sowie eine tiefe Unternehmensbesteuerung. Zur Stärkung der Landwirtschaft wurden Güterzusammenlegungen (1954) und Aussiedlungen (1962) unterstützt.

Die mit dem Wandel vom Bauernland zur Arbeiter- und Angestelltengesellschaft verbundenen sozialen Herausforderungen erkennend, setzte sich Frick für die Sicherung des sozialen Friedens ein, mit dem ausdrücklichen Ziel, eine «Verproletarisierung» zu verhindern. 1952 gelang die Einführung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) in einer Volksabstimmung gegen massiven Widerstand aus Bauern- und Gewerbekreisen. Diesem zentralen Schritt beim Aufbau des liechtensteinischen Sozialstaats folgten 1957 die Familienausgleichskasse und 1959 die Invalidenversicherung. Die 1958 gegen starke Opposition durchgesetzte staatliche Eigenheimförderung zielte auf die Stärkung einer bürgerlichen, heimatverbundenen Mentalität der Bevölkerung. Dem sozialen Ausgleich sollte zudem das neue Steuergesetz von 1961 dienen (Anpassung der Progression, Entlastung der Familien, Einführung des Finanzausgleichs).

Weitere Gesetzeswerke der Regierung Frick waren u.a. das Staatsschutzgesetz 1949, das Jugendwohlfahrtsgesetz 1958, das Gemeindegesetz 1959, das gegen die «Überfremdung des Bodenbesitzes» gerichtete Grundverkehrsgesetz 1959 und das erste Gesetz über die Banken und Sparkassen 1961 (gesetzliche Verankerung des Bankgeheimnisses und der Bedürfnisklausel). Hervorzuheben sind auch die Schaffung des Landesmuseums 1954 sowie der Landesbibliothek und des Landesarchivs 1961, die Ausscheidung des Pflanzenschutzgebiets Malbuntal 1952 und der ersten liechtensteinischen Naturschutzgebiete 1961 sowie das Gewässerschutzgesetz 1957. Niederlagen bei Volksabstimmungen erlitt die Regierung Frick bei der beabsichtigten Erhöhung der Steuersätze 1947, der Abänderung des Gewerbegesetzes 1949, des Waffengesetzes 1950, des Abstimmungsverfahrens bei Güterzusammenlegungen 1961 und des Jagdrechts 1961 sowie der Einführung eines Zivilschutzgesetzes 1962. In Fricks Amtszeit fielen zwei innenpolitische «Krisen», indem die VU-Landtagsfraktion 1953 wegen der Besetzung des AHV-Verwaltungsrats und 1958 aufgrund eines Wahlrechtskonflikts vorzeitige Neuwahlen erzwang. 1961 verweigerte Fürst Franz Josef II. – auf Antrag von Regierungschef Frick – die Sanktion einer umstrittenen Jagdrechtsänderung.

Nach der aus gesundheitlichen Gründen erfolgten Demission als Regierungschef am 22.6.1962 blieb Frick Technikumsratspräsident des Abendtechnikums Vaduz (1961–65) und war Verwaltungsratspräsident der Liechtensteinischen Kraftwerke (1962–70) und der Ivoclar-Vivadent AG (1962–85) sowie Verwaltungsrat der BiL (1964–82). 1966–74 engagierte er sich als Landtagsabgeordneter nochmals in der Politik: 1966–70 war er Präsident und 1970–74 Vizepräsident des Landtags. Sein besonderer Einsatz in dieser Zeit galt der Berggebietssanierung (1966/67). Nach der Wahlniederlage 1970 setzte er sich parteiintern für den Verbleib der FBP in der Regierungskoalition ein.

Der antitotalitäre Kampf der 1930er und frühen 1940er Jahre festigte Fricks schon im Elternhaus angelegte patriotische Verbundenheit mit dem Land Liechtenstein und dem Fürstenhaus. Im Fürsten als dem «festen, ruhenden Pol» sah er noch 1968 den Garanten für die Existenz des «gefährdeten Staatswesens». Sein Interesse an Liechtenstein schlug sich in zahlreichen landeskundlichen Aufsätzen zu Mundart, Flurnamen, Geschichte, Volks- und Naturkunde nieder, die Frick ab 1947 besonders im «Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein» (HVFL), in der «Bergheimat» (Jahresschrift des Liechtensteiner Alpenvereins LAV) und im «Liechtensteiner Volksblatt» veröffentlichte. Frick war 1945–81 Vorstandsmitglied des HVFL und 1933–42 der Sektion Liechtenstein des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins; 1949 gehörte er zu den Begründern des verselbständigten LAV. 1972–74 hatte er das Präsidium der Gesellschaft Schweiz – Liechtenstein inne. Mit der Ehrenmitgliedschaft ehrten ihn 1960 der LAV und der Liechtensteinische Bauernverband, 1981 der HVFL, 1986 die Gesellschaft Schweiz – Liechtenstein und 1990 die liechtensteinische Pfadfinder-Gilde. 1961 erhielt Frick die Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg i.Üe. und 1963 den Titel Fürstlicher Rat. Er war Ordensträger Liechtensteins (1967 Grosskreuz mit Brillanten), Österreichs, des Vatikans und Belgiens.

Der als tatkräftig, beharrlich, ausgleichend und idealistisch charakterisierte und einer tiefen christlichen Grundhaltung verpflichtete Frick war eine der politisch prägendsten Figuren Liechtensteins in der Nachkriegszeit. Als seine Hauptleistungen gelten die innere Befriedung nach 1945 und die soziale Absicherung des von Frick als Notwendigkeit erkannten, aber skeptisch betrachteten Strukturwandels vom Agrar- zum Industriestaat.

Werkauswahl

Die Mundarten von Liechtenstein, Bearb. E. Gabriel, 1990.

Literatur

Festgabe für Alexander Frick zum 75. Geburtstag, Hg. R. Allgäuer, 1985 (mit Werkverzeichnis); Alt Regierungschef Dr. Alexander Frick zum 80. Geburtstag, Hg. FBP, 1990; Biedermann: Historischer Verein, 2001, 78–80; W. Kieber: Jahre des Aufbruchs, 2006.

Nachrufe

LVbl., 2., 5., 14.11.1991; LVa., 4.11.1991; JBL 91 (1992), 1–6; Bergheimat 1992, 90–92.

Zitierweise

Fabian Frommelt, «Frick, Alexander», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Frick,_Alexander, abgerufen am 19.2.2019.

Medien

Regierungschef Alexander Frick in seinem Büro im Regierungsgebäude in Vaduz. Fotografie (LI LA). Foto: Walter Wachter, Schaan.

Normdaten

GND: 110118820