Aktionen

Frommelt, Anton

Wechseln zu: Navigation, Suche

Autorin: Rita Vogt-Frommelt | Stand: 31.12.2011

Priester, Politiker, Künstler. *14.3.1895 Schaan, † 7.10.1975 Vaduz, von Schaan. Sohn des Zimmermanns Lorenz und der Magdalena, geb. Vogt, zehn Geschwister. Nach dem Besuch der Volksschule in Schaan wechselte er ans Kollegium Sankt Fidelis in Stans (NW), das er 1916 mit der Matura abschloss. 1916–20 Theologiestudium am Priesterseminar St. Luzi Chur; 1919 Priesterweihe in Chur, 1920 Primiz in Schaan. Da Frommelt aufgrund des Priesterüberschusses nicht sofort eine Stelle erhielt, arbeitete er 1920–22 als Zeichenlehrer am Kollegium Maria Hilf in Schwyz. Am 1.10.1922 übernahm er die Pfarrstelle in Triesen, die er bis 1933 innehatte. 1928 wurde er als Abgeordneter der Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP) in den liechtensteinischen Landtag gewählt, den er bis 1945 auch präsidierte. 1928–32 war er Mitglied des Landesschulrats und 1929–46 Schulkommissär. In dieser Funktion besuchte er regelmässig sämtliche Schulen, wirkte federführend am Schulgesetz von 1929 mit und prägte das liechtensteinische Bildungssystem. Anlässlich der Regierungsumbildung von 1933 wurde Frommelt unter Regierungschef Josef Hoop als Regierungschef-Stellvertreter in die Exekutive berufen. Er gab seine Pfarrstelle in Triesen auf und übersiedelte nach Vaduz, wo er neben seiner politischen Tätigkeit ehrenamtlich Seelsorgeaufgaben am Kirchlein St. Josef im Ebenholz übernahm.

Nach dem Anschluss Österreichs an Hitlers «Grossdeutsches Reich» im März 1938 spitzte sich die Lage in Liechtenstein zu (→ Märzkrise 1938). Die beiden zerstrittenen Parteien FBP und VU schlossen einen politischen Burgfrieden. Die VU wurde an der am 30.3.1938 zu einer Koalition umgebildeten Regierung beteiligt. Dabei wurde Frommelt von der Position des Regierungschef-Stellvertreters auf jene eines vollamtlichen Regierungsrats zurückgestuft und mit den Ressorts Bauwesen, Schule und Post betraut. Zudem blieb er Landtagspräsident. Am 31.3.1938 entstand die nationalsozialistische Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein (VDBL), die den Anschluss des Fürstentums ans Dritte Reich zum Ziel hatte. Ein Jahr später, am 24.3.1939, war Frommelt massgeblich an der Vereitelung des von der VDBL unternommenen Anschlussputsches beteiligt. Er liess die Telefone der Putschführer sperren, trat den von Nendeln her nach Schaan marschierenden Aufrührern furchtlos entgegen und bewog sie zur Umkehr.

Schwerpunkte von Frommelts Regierungstätigkeit waren u.a. der Bau des 1930 vom Volk beschlossenen und 1943 vollendeten Binnenkanals sowie die thematisch-künstlerische Verantwortung für die Postwertzeichen, verbunden mit einer Neuausrichtung der Briefmarkenpolitik, welche für das Land bedeutende Einnahmen generierte. Als überzeugter Christ und Humanist nahm Frommelt dezidiert Stellung gegen faschistoide und nationalsozialistische Auffassungen, die sich ab 1933 im Liechtensteiner Heimatdienst und dann in der VDBL manifestierten. Er traute dem Koalitionspartner VU wegen dessen deutschfreundlichen Tendenzen nicht und stand 1938/39 der Einführung des Proporzwahlrechts ablehnend gegenüber. Mit Fürst Franz I. und dessen Gemahlin Fürstin Elsa pflegte Frommelt ein vertrautes Verhältnis. Frommelt war in der Zeit seines politischen Wirkens eine ebenso prägende wie polarisierende Persönlichkeit. Die Gegner fürchteten seine scharfen und klaren Worte, sodass er den Hass der einheimischen Nationalsozialisten in besonderem Mass auf sich zog. Nach dem Krieg legte er 1945 alle politischen Ämter nieder.

Frommelts Gesundheitszustand (Kniearthrose) verhinderte eine Rückkehr in den Pfarrberuf. Er baute sich in Vaduz ein Atelier und intensivierte seine künstlerische Tätigkeit. Gemäss seinem 1946 einsetzenden Œuvre-Verzeichnis entstanden über 130 Landschaftsbilder, gefolgt von etwa 100 Stillleben und 70 Porträts. Von den vielen Bildern und Zeichnungen aus der Zeit vor 1946 registrierte er nur diejenigen, die in Privatbesitz übergingen. Frommelt malte hauptsächlich in Öl, schuf aber auch Bilder in Aquarell- und Temperatechnik sowie zahlreiche Linolschnitte. Daneben fertigte er Glasfenster an (u.a. für die Firma Hoval in Vaduz) und entwarf Teppiche, Taufsteine, Kachelöfen etc. Zudem widmete er sich – besonders in seiner Zeit als Pfarrer in Triesen – mit sicherem Blick der Fotografie und hinterliess ein Werk mit rund 1700 Aufnahmen (u.a. Dorfleben, Arbeitswelt, Kinderporträts, Krankheit und Tod, Rheinkatastrophe 1927, Natur und Tiere).

Frommelt setzte sich, vermittelt durch seinen Neffen Martin, intensiv mit zeitgenössischen Positionen auseinander, wenngleich er ihnen nicht folgte. In seinen Gemälden knüpfte er bei den Spätimpressionisten an. Wichtig war ihm die Statik der Bildkomposition, die sein Werk in die Nähe der abstrakten Kunst rückt, ohne dass er sich ihr verpflichtet sah. Die kalkulierte Zuordnung von Farbflächen zeugt von einem konstruktiven Wollen, das besonders durch die in späteren Jahren verwendete Spachteltechnik noch deutlicher zutage tritt.

Auf Bitten seines Freundes Regierungschef Alexander Frick beeinflusste Frommelt auch nach 1945 die Briefmarkenausgabepolitik durch Beratung und Begutachtung entscheidend; 1951–58 lieferte er einen Grossteil der Entwürfe selbst. Er stellte sich 1953 als Experte bei der Neueinrichtung des Postmuseums zur Verfügung und gestaltete 1962 letztmals eine Briefmarkenausstellung mit.

1963 und 1969 erschienen drei Kunstmappen mit Reproduktionen seiner Bilder. Aus Anlass seines 70. Geburtstags fand 1965 eine Ausstellung im Rathaus Vaduz statt. 1992 wurde sein fotografisches Œuvre in Triesen gezeigt und 1995/96 folgte eine Retrospektive des malerischen Schaffens in der Liechtensteinischen Staatlichen Kunstsammlung in Vaduz. 1995 wurde Frommelt mit drei Postwertzeichen als Liechtensteiner Maler gewürdigt.

Die bildkünstlerische Tätigkeit ergänzte Frommelt durch kunstvermittelnde Initiativen. Er legte eine Kunstsammlung an, mit welcher er seine Aufgeschlossenheit gegenüber aktuellen Strömungen bewies (heute in der 1975 gegründeten Kanonikus Frommelt Stiftung aufbewahrt). Frommelt registrierte den künstlerischen Nachlass von Ferdinand Nigg, dessen Werk dank ihm nicht in Vergessenheit geriet und ein fester Begriff in der liechtensteinischen Kunstgeschichte wurde. Über mehrere Künstler seiner Zeit, u.a. Karl Bickel sen., Carl Liner sen., Alfons Magg, Hans von Matt, Johannes Troyer und Eugen Zotow, verfasste er Beiträge und Essays.

Frommelt war 1930–55 Vorstandsmitglied des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, ab 1936 als Sammlungskonservator. Er engagierte sich für die Denkmalpflege, unterstützte Erwin Poeschel bei der Inventarisierung der Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein, leitete archäologische Grabungen und trug wesentlich zur geologischen Erforschung Liechtensteins bei. Im Jahrbuch des Historischen Vereins veröffentlichte er mehr als 20 Beiträge, welche besonders archäologische Untersuchungen, die Numismatik und die Geologie zum Inhalt haben. Gemeinsam mit David Beck war er am Aufbau einer kulturgeschichtlichen Sammlung und an der Neueinrichtung des Liechtensteinischen Landesmuseums (1954) beteiligt.

1937 erhielt Frommelt das Komturkreuz mit Stern des fürstl. liecht. Verdienstordens. 1946 wurde er Ehrendomherr (Kanonikus) der Kathedrale Chur und 1955 Ehrenmitglied des Historischen Vereins. 1956 verlieh ihm Fürst Franz Josef II. den Titel Fürstlicher Rat. 1970 wurde er Ehrenbürger von Schaan.

Werkauswahl

Fürstentum Liechtenstein, in: Helvetia Christiana, Bistum Chur 1, 1942, 209–234; Das Fürstentum Liechtenstein im Bistumsverband, in: 1500 Jahre Bistum Chur, 1950, 211–220; Prof. Ferdinand Nigg, in: JBL 50 (1950), 41–82; Ferdinand Nigg, Ausstellungskatalog Balzers, 1965; Sakristei und Dunkelkammer, Hg. R. Sagmeister, K. Sagmeister-Fox, 22002.

Literatur

  • P. Geiger: Kriegszeit 1939–1945, 1–2, 2010.
  • Franz Näscher: Beiträge 2, 2009, S. 154f.
  • Biedermann: Historischer Verein, 2001, hier S. 76–78.
  • Geiger: Krisenzeit 1–2, 22000.
  • Anton Frommelt 1895–1975, Ausstellungskatalog Vaduz, Hg. R. Kellenberger, M. Frommelt, 1995.
  • P. Geiger: Anton Frommelt (1895–1975), in: Eintracht 8 (1995), 7.
  • S. Frommelt: Für Gott, Fürst und Vaterland (Dokumentarfilm), 1995.
  • BLSK 1, 358f.
  • A. Frick, M. Frommelt: Anton Frommelt, 1978.

Nachrufe

JBL 75 (1975), XI–XV.

Medien

Pfarrer Anton Frommelt hält in seiner Funktion als Landtagspräsident eine Ansprache zur Huldigung an Fürst Franz Josef II. von Liechtenstein, 1939 (LI LA).

Externe Links

Eintrag zu Anton Frommelt auf SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz
Eintrag zu Anton Frommelt auf DKL Stiftung Dokumentation Kunst in Liechtenstein

Zitierweise

Rita Vogt-Frommelt, «Frommelt, Anton», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Frommelt,_Anton, abgerufen am 21.4.2019.

Normdaten

GND: 119319365