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Gaflei

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Autor: Alois Ospelt | Stand: 31.12.2011

Alp auf dem rheintalseitigen Westhang, 1270–1570 m ü.M.; 25,7 ha. Gaflei gehört zum Gemeindegebiet von Triesenberg, ist aber Eigentum der Gemeinde Vaduz. Gaflei grenzt westlich und nördlich an Vaduzer Hoheitsgebiet, östlich an Bargella und südlich an die Fluren Ob Matu sowie Ufm Bärg (alle Triesenberg). Name Gaflei von alträtoromanisch *cuvlieu (Ort mit Höhlen oder überhängenden Felsen). Flächenverteilung: 1900 total 25,5 ha, davon 22,7 ha Alpweiden und 2,8 ha Wald; 1983 total 25,7 ha, davon 6,4 ha Weide, 2,7 ha bestockte Weide, 15 ha Wald und 1,5 ha Hotelareal.

1615 verkaufte das Kirchspiel Schaan-Vaduz das in diesem Jahr erstmals erwähnte Gaflei an einige Triesenberger. 1860–61 erwarb der Vaduzer Franz Anton Kirchthaler die Alp von verschiedenen Triesenberger Familien. 1869 kam Gaflei an Samuel Rüegg aus Eichberg (SG) und 1872 kauften es die fünf Vaduzer Josef Anton Amann, Felix Real, Josef Anton Ospelt, Alois Rheinberger und Johann Laternser (1814–1889). Karl Schädler aus Vaduz, der Gaflei 1894 erwarb, vergrösserte den Besitz durch Zukauf von Magerwiesen und eines Stücks der Alp Bargella um 4,9 ha. Nachdem die Gemeinde Vaduz 1952 auf Gemeinde eine Waldfläche von 8,7 ha gekauft hatte, brachte sie 1955 auf Beschluss der Bürgerversammlung auch den Rest der Alp in ihren Besitz (14,6 ha).

Bis zum Verkauf von 1860–61 diente Gaflei den Triesenberger Besitzern als Maiensäss. Jeder Eigentümer verfügte über eine bestimmte Anzahl Weiderechte und bewirtschaftete die Alp selbständig. Die verschiedenen Hütten und Einzelsennereien wurden wohl von Franz Anton Kirchthaler durch ein neues Gebäude mit Stall, Wohnung und Sennerei ersetzt. Nach 1872 begann auf dem weiterhin alpwirtschaftlich genutzten Gaflei der Tourismus in den liechtensteinischen Alpen. Die neuen Inhaber betrieben einen Getränkeausschank und errichteten 1875 zur Förderung des Absatzes der alpeigenen Sennereiprodukte das erste liechtensteinische Kurhaus («Molken- und Luftkuranstalt»). 1880 vereinbarten die Besitzer mit der Gemeinde Triesenberg den Bau einer Strasse von Masescha nach Gaflei 1895–98 wurde das Kurhaus auf 100 Betten ausgebaut, ein Saal und eine Kegelbahn errichtet sowie ein Gehweg von Vaduz über Wildschloss nach Gaflei erstellt. Es folgten 1897–98 der Bau des von Gaflei ausgehenden Dreischwesternwegs (mit Fürstensteig), 1898 die Verlegung von Stall und Sennerei auf einen weiter südlich gelegenen Alpteil und 1901 der Anschluss an das Gemeinde-Elektrizitätswerk Vaduz. Auch eine Extrapostverbindung, Pferdefuhrverkehr und Trägerdienste für Kurgäste wurden eingerichtet. Bis zum Ersten Weltkrieg beherbergte das «Kurhaus Gaflei» den grössten Teil der in Liechtenstein weilenden Touristen (z.B. 4919 Nächtigungen 1911). Nach 1918 bemühten sich die Erben nach Karl Schädler, den im Krieg eingebrochenen Kurbetrieb wiederzubeleben. 1930 wurden im nun vermehrt «Alphotel Gaflei» genannten Anwesen ein Schwimmbad und ein Aussichtsturm errichtet.

Die Bewirtschaftung der Alp mit Sennerei war anfänglich Teil des Kurbetriebs. Nach der Abtrennung der Alpwirtschaft nutzte der gemeindeeigene Landwirtschaftsbetrieb (Bürgerheim, Riethof) die Alp, die teilweise aber auch von anderen Bauern, zumeist aus Vaduz, gepachtet wurde. 2006 liess die Gemeinde das Alpgebäude mit Stall und Sennerei niederreissen. Geblieben ist eine extensive Nutzung der Alpweiden.

Archive

GAV.

Literatur

Klenze: Alpwirthschaft, 1879, 10, 42, 48; D. Beck: Gaflei, in: Bergheimat 1956, 32–42; O. Seger: Vaduz, 1956, 52; Ospelt: Wirtschaftsgeschichte, 1972, 195f., 245f.; R. Rheinberger: Dr. Rudolf Schädler, in: JBL 92 (1994), 151–199, bes. 190–194; FLNB I/2; E.M. Froschauer, T. Keller: Ein «Balkon voller Bergschönheit», in: Bauen, 2000, 242–269.

Externe Links

Geodatenportal, Amt für Bau und Infrastruktur, Liechtensteinische Landesverwaltung Liechtensteiner Namenbuch online

Zitierweise

Alois Ospelt, «Gaflei», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Gaflei, abgerufen am 22.1.2019.

Medien

Altes «Kurhaus Gaflei», vor 1930 (LI LA). Foto: Adolf Buck.