Aktionen

Gamprin

Wechseln zu: Navigation, Suche

Autoren: Harald Wanger, Ulrike Mayr, Jürgen Schindler | Stand: 31.12.2011

Einleitung

Politische Gemeinde (2011: 1641 Einwohner) im liechtensteinischen Unterland mit einer Fläche von 6,188 km2, Pfarrkirche auf 468 m ü.M. (Ortsteil Bendern), Gemeindehaus auf 490 m ü.M. Die Gemeinde liegt am westlichen Ausläufer des Eschnerbergs und besteht aus dem Dorf Gamprin und dem Weiler Bendern. Im Westen bildet der Rhein die Grenze zum schweizerischen Kanton St. Gallen, im Süden stösst Gamprin an eine Exklave der Gemeinde Eschen sowie an das Vaduzer und Schaaner Riet, im Osten liegt die Gemeinde Eschen, und im Norden begrenzen Schellenberg und Ruggell das Gemeindegebiet. Ein Abschnitt der Südgrenze bildete die alte Herrschaftsgrenze zwischen der Herrschaft Schellenberg und der Grafschaft Vaduz. Ein grosser Teil des Gemeindewalds liegt am westlichen Abhang des Dreischwesternmassivs als Exklave zwischen den Gemeindegebieten von Eschen und Planken. Zum Gemeindebesitz gehört seit 1915 auch die in Vorarlberg gelegene Viehalp Rauz (7,02 km2).

Gamprin gab der politischen Gemeinde den Namen und beherbergt die Schule und das Gemeindezentrum; Bendern ist Standort der Kirche und Name der Pfarrei. Erstmals erwähnt ist Gamprin um 1150 als Camporin, 1253 als Gamperin. Der Name leitet sich von alträtoromanischen camp Rin (Feld am Rhein) ab. Gamprin ist eine Streusiedlung mit den alten Dorfteilen Au, Bühl, Badäl, Salums und Gölla. Die Strasse im Fallsbretscha bildet die Grenze zum Weiler Bendern. Das Dorf Gamprin liegt abseits der wichtigen Verkehrswege. Durch Bendern verläuft eine Ost-West-Verbindung über den Rhein in die Schweiz. Wichtig für die Gemeinde war stets der Rheinübergang. Im 17. Jahrhundert ist von einer abgegangenen Fähre in Gamprin die Rede. Um 1800 unterhielt Bendern eine der fünf Rheinfähren im liechtensteinischen Rheinabschnitt; sie verband Bendern mit Haag (SG). 1867–68 entstand eine erste Holzbrücke, die den Personen- und Warenverkehr über den Fluss erleichterte. Von 1837 bis zum Zollvertrag mit der Schweiz im Jahr 1924 war Bendern Zollstation.
Harald Wanger

Ur- und Frühgeschichte bis Frühmittelalter

Das Gampriner Lutzengüetle war wie die übrigen Kuppen des Eschnerbergs (Borscht, Malanser und Schneller) schon ab dem Neolithikum (5.–3. Jahrtausend v.Chr.) besiedelt. Als früheste Siedler liessen sich die Träger der sogenannten Lutzengüetle-Gruppe vom Ende des 5. Jahrtausend v.Chr hier nieder. Sowohl während der Pfyner-Kultur (erste Hälfte 4. Jahrtausend v.Chr.) wie auch während der Horgener Kultur (zweite Hälfte 4. Jahrtausend v.Chr.) blieb die Siedlung bestehen. Ein weiterer Siedlungsplatz während dieser Zeit lag auf der Terrasse des Sägaweiers. Auch in der Frühbronzezeit (2200–1600 v.Chr.) blieben die geschützten Plätze am Lutzengüetle und beim Sägaweier bewohnt.

In der Mittelbronzezeit (15./14. Jahrhundert v.Chr.) dürfte eine weitere Terrasse im Oberbühl besiedelt gewesen sein; Kulturschichten mit Keramik und Schmuck (Trompetenkopfnadel und Armring) weisen darauf hin. Funde dieser Zeitstufe sind auch vom Kirchhügel Bendern vorhanden. Ein Krieger des 14. Jahrhunderts v.Chr. fand in Gamprin (Au) seine letzte Ruhestätte. Ihm wurden für das Leben im Jenseits ein Randleistenbeil des Typs Nehren, ein Schwert mit trapezförmiger Griffplatte, zwei Dolche (wovon einer verloren gegangen ist) und eine Kolbenkopfnadel mitgegeben.

In der Spätbronzezeit (14.–9. Jahrhundert v.Chr.) waren sowohl das Lutzengüetle wie auch der Benderer Kirchhügel und die Terrasse beim Sägaweier besiedelt. Die rätische Laugen-Melaun-Keramik weist auf enge Beziehungen zum alpinen Raum hin.

Gamprin blieb auch in der Eisenzeit (8.–1. Jahrhundert v.Chr.) besiedelt. 450–200 v.Chr. wurde unter einer Felswand in der Hala ein Depot von Schmuckstücken angelegt. Es enthielt zwei Sanguisugafibeln mit Fussschieber und linearen Verzierungen, die dem südalpinen Golasecca-Kreis entstammen, einen Armring aus Bronzeblech, zwei Schmuckanhänger mit angehängten Ketten und eine massive Spiralscheibe. Die Menschen dürften sich auf dem Lutzengüetle und eventuell auch auf dem Kirchhügel Bendern aufgehalten haben.

Die römischen Gebäude des 3. Jahrhunderts n.Chr. auf dem Lotzagüetlekopf sind in ihrer Funktion nicht geklärt. Möglicherweise dienten sie wie die Höhensiedlung auf dem Krüppel ob Schaan als Rückzugsort in unsicheren Zeiten.

Im Frühmittelalter entstand auf dem Kirchhügel Bendern ein herrschaftliches Gebäude (6./7. Jahrhundert). Es stand mit seiner Bautechnik und den mächtigen Mauern noch ganz in römischer Bautradition. Wer es erbauen liess und zu welchem Zweck ist nicht geklärt. Im 8./9. Jahrhundert wurde eine Gebäudeecke zu einer Kirche mit viereckigem Chor umgebaut, die mit Fresken ausgeschmückt war (→ Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt). Im 9./10. Jahrhundert folgte eine karolingische Kirche. Aus dieser Zeit stammen eine bronzene Kreuzfibel und die einzigen erhaltenen karolingischen Denare (793/4–806 aus Pavia und 814–840 von Ludwig dem Frommen).
Ulrike Mayr

Mittelalter und frühe Neuzeit

Herrschaftliche und politische Verhältnisse

Nach der Einrichtung der Grafschaft in Churrätien durch Karl den Grossen um 806 erscheint das Gebiet des Eschnerbergs um 840 als Teil des rätischen ministerium vallis drusiana. Die gräfliche Gewalt lag bis ins 10. Jahrhundert bei den Hunfridingern, kam 973/982 an die Udalrichinger (Grafschaft Unterrätien) und um 1150 an Pfalzgraf Hugo von Tübingen, den Vater des ersten Grafen von Montfort, Hugo I. Durch Teilungen des montfortischen Besitzes ab 1258 erhielten die drei entstehenden Linien Montfort, Werdenberg-Sargans und Werdenberg-Heiligenberg u.a. Leute und Güter, Gerichts- und Steuerrechte am Eschnerberg. Die Ministerialen von Schellenberg, die unter Kaiser Friedrich I. um 1180 hier angesiedelt wurden, verkauften 1317 ihren Besitz an die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg und verliessen das Gebiet. Freiherr Wolfhart von Brandis vereinigte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts alle Besitz- und Hoheitsrechte am Eschnerberg zur «Herrschaft Schellenberg». Die Herrschaftsrechte der Freiherren von Brandis (Gericht, Steuer usw.) gingen 1510 an die Grafen von Sulz, 1613 an die Grafen von Hohenems und 1699 an die Fürsten von Liechtenstein über. Im 13. Jahrhundert gab es in Gamprin ein Niederadelsgeschlecht, das sich von Gamprin nannte.

Die Fronpflicht der Untertanen gegenüber den Landesherren war festgesetzt mit einem Tagwerk jährlich sowie Jagd- und Fuhrdiensten nach Bedarf. Die jährliche Lieferung eines Fuders Mist in den herrschaftlichen Weinberg war nur den Hausbesitzern von Bendern auferlegt. Alle Gampriner Haushalte hatten die Fasnachtshenne und den «Schäfhaber» abzuliefern. Mit dem sogenannten Pleuelgeld erkaufte sich die Gemeinde zu 8 Kreuzern pro Haushalt das Recht, den selbst erzeugten Hanf und Flachs überall nach Belieben reiben und brechen zu lassen.

Gamprin war seit dem 15. Jahrhundert als Teil der Gerichtsgemeinde bzw. Landschaft am Eschnerberg an deren Selbstverwaltungsrechten beteiligt und stellte auch mehrmals den Landammann der Herrschaft Schellenberg.

Ereignisgeschichte

Im Schwabenkrieg 1499 wurde eine kleine schwäbische Truppe zur Beobachtung der auf der anderen Rheinseite lagernden Eidgenossen nach Bendern verlegt. Sie provozierten die Eidgenossen, indem sie ein Kalb auf den Namen Amman Ruedi tauften. Diese brannten daraufhin den Weiler Bendern nieder, wobei auch die Kirche beschädigt wurde.

In der Zeit des Dreissigjährigen Kriegs (1618–48) und der Bündner Wirren (1622–37) hatten die Grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellenberg unter Einquartierungen von Soldaten und den Durchzügen von Kriegstruppen zu leiden. Die Folgen waren Hunger und Seuchen. Die einzigen zeitgenössischen Aufzeichnungen über diese Zeit in den Herrschaftsgebieten Vaduz und Schellenberg stammen vom in dieser Zeit in Bendern residierenden Abt von St. Luzi, Georg Heinlein, der auch die Pfarrstelle innehatte. Gemäss seinem 1628–29 verfassten Bericht hatten viele Einwohner seit Jahren kein Brot im Haus. In der Pfarrei Bendern starben 1628 etwa 60 Personen an der Pest.

Für die im 17. Jahrhundert wütende Hexenverfolgung, welche in den Herrschaften Vaduz und Schellenberg zahlreiche Opfer forderte, sind für Gamprin zwei Denunzianten belegt, aber weder Angeklagte noch Opfer.

Nach dem Übergang der Herrschaft Schellenberg an Fürst Johann Adam I. von Liechtenstein fand am 16.3.1699 in Bendern auf dem Platz unterhalb der Statthalterei die Huldigung an den neuen Landesherrn statt. Das dem Huldigungsprotokoll beigefügte Verzeichnis enthält die Namen der anwesenden Männer, Jünglinge und Witwen. Es sind von Gamprin 45, von Ruggell 52, von Schellenberg 31, von Mauren 56 und von Eschen 89. Die Wiese nördlich unterhalb der Statthalterei wurde in der Folge zum Ort der Landammannwahl, die vorher bei der Gerichtsstätte auf Rofaberg (Gemeinde Eschen) stattgefunden hatte.

Während der Koalitionskriege hatte Gamprin 1796 sechs Rekruten zu stellen. Anfang 1799 geriet Gamprin in das direkte Kriegsgeschehen. Am 6. März überquerten französische Truppen mithilfe von Schweizer Anwohnern den Rhein bei Bendern, plünderten die Häuser und raubten in Bendern die Kirche aus. Der Mesmer, der sich weigerte, den Kirchenschatz herauszugeben, wurde umgebracht. 64 Pferde aus Eschen, Mauren und Gamprin kamen als französische Kriegsbeute in die Schweiz. Schwer drückten auch die Naturalrequisitionen, die an die durchziehenden österreichischen und französischen Truppen abzuliefern waren.

Genossenschaft und Gemeindebildung

Die heutigen politischen Gemeinden Gamprin und Eschen bildeten bis 1794 eine Nachbarschaft mit gemeinsamem Allmend- und Waldgebiet. In den Urkunden wurde bis ins 17. Jahrhundert für Gamprin meistens der Name des Kirchspiels Bendern verwendet. Ab dem 17. Jahrhundert trat Gamprin zunehmend als eigene Körperschaft («Gemeind») auf, was den beginnenden Trennungsprozess deutlich macht. Die Organisation der alten Nachbarschaft war gemeinschaftlich geregelt. 1467 sind erstmals die sieben «Eidschwörer» (→ Geschworene) von Eschen und Bendern erwähnt. Neben den Geschworenen amteten der Gemeindevogt (Gemeindevorsteher), die Wald- und Spendvögte sowie der Säckelmeister (Gemeindekassier), die bis 1808 alle von den Gemeindegenossen gewählt wurden. Eine erste Gemeindeordnung in Bezug auf Nutzungsrechte gaben sich Eschen und Gamprin 1643. Aus dem 18. Jahrhundert sind mehrere gemeinsame Wald- und Einbürgerungsordnungen überliefert.

Verschiedene Bodenkäufe und -verkäufe wurden von Gamprin und Eschen gemeinsam getätigt. 1480 kauften sie von Sigmund von Brandis zwei Güter im oberen Schaanwald und in der Fallsau, 1641 einen Wald auf Gantenstein von Graf Franz Maria von Hohenems. 1635 verkauften sie ihre linksrheinische Au Tschära an die Gemeinde Haag.

In den mit den umliegenden Nachbarschaften gemeinsam genutzten Gebieten entstanden immer wieder Konflikte, die im Lauf der Zeit zur klaren Abgrenzung der Gemeindegebiete führten. Die erste urkundliche bekannte Teilung erfolgte 1422 und regelte die Weiderechte im Schaaner Riet und die Holzrechte in Schaanwald zwischen den Kirchgenossen von Eschen und Bendern und den Kirchgenossen von Schaan. 1425 erging ein Schiedsspruch in einem Nutzungsstreit zwischen Eschen-Bendern und Mauren wegen gemeinsam genutzter Wälder und Weiden; teils wurde eine Grenzlinie gezogen, teils die gemeinsame Nutzung beibehalten. Dieser Spruch wurde 1751 erneuert und bildete bis ins 19. Jahrhundert die Grundlage der Nutzung. Von einer vollständigen Teilung sah das Gericht auch 1481 bei einem Streit um die Holznutzung und die Viehweide hinter Planken zwischen Eschen-Bendern und Schaan-Vaduz ab. Der Spruchbrief wurde 1578 erneuert, jedoch trat dieses Mal Planken als Gegenpartei auf. 1489 kam es zu einem Grenz- und Nutzungsstreit in den Rheinauen zwischen Eschen-Bendern und der linksrheinischen Gemeinde Haag. Bei Nutzungskonflikten und Gebietsaufteilungen mit Ruggell trat Gamprin im 17. Jahrhundert allein auf, so z.B. 1665 beim Vergleich über die Nutzung verschiedener Auen oder 1685 bei der Aufteilung der Benderer Au.

Die Austeilung von Gemeindeboden an die Dorfgenossen zur individuellen Nutzung ist für Gamprin erstmals 1643 belegt, als 28 Gemeindeteile in der Au ausgegeben wurden. 1678 erhielten die Dorfgenossen von Gamprin 37 «Linsath»-Teile (Flachsteile) und 37 «Krautbeete» zur Nutzung. Vor 1797 wurden die «Fellele»-Teile ausgegeben. An diesen Beispielen zeigt sich, dass Gamprin schon im 17. Jahrhundert begann, ohne die Mitwirkung von Eschen Sonderbezirke zur Nutzung durch die eigenen Dorfgenossen auszuscheiden.

Ende 18. Jahrhundert erfolgte die vollständige Teilung der bislang mit den benachbarten Ortschaften gemeinsam bewirtschafteten Güter, was die Grenzen der späteren politischen Gemeinde vorbereitete. Ab 1778 kam es in dieser Angelegenheit zu langwierigen Prozessen mit Eschen, die 1794 bzw. 1798 durch Vergleiche beendet werden konnten und faktisch in einer Trennung von Gamprin und Eschen resultierten. 1822 wurde in einem gerichtlichen Vergleich zwischen Gamprin, Eschen und Mauren das Holzrecht am Bauwald geregelt. Neben den Händeln mit Eschen und Mauren kam es auch zu Schwierigkeiten mit Schaan und Vaduz wegen gemeinsamer Rechte im Bannriet, wobei 1787 Schaan und Vaduz 30 dort weidende Pferde der Gampriner und Eschner widerrechtlich als Pfand wegführten. Der Prozess wurde 1790 mit der Teilung des Rieds zwischen den Kontrahenten beendet.

Der Rhein stellte eine ständige Bedrohung für die Talgemeinden Liechtensteins dar, der sie durch den Bau von Wuhren entgegenzuwirken versuchten. Gamprin und Eschen waren bis zur Teilung von 1794 gemeinsam wuhrpflichtig. Dabei entfiel auf Gamprin. eine Uferstrecke von 2,97 km, auf Eschen eine solche von 1,96 km. Die Uferschutzbauten wurden in Fronarbeit durchgeführt, Zahlungen erfolgten meist durch Umlagen auf den Gemeinnutzen. Da es bis ins 19. Jahrhundert an einem grenzüberschreitenden Konzept für die Regulierung des Rheins fehlte, versuchten die Rheingemeinden auf beiden Seiten des Flusses ihr eigenes Talgebiet durch Streich- und Schupfwuhre zu sichern (→ Wuhrsysteme). Dabei kam es oft zu Streitigkeiten mit den Anwohnern der anderen Rheinseite, z.B. 1683 mit Salez. Auch die gemeinsame Wuhrpflicht mit Eschen führte oft zu Händeln, die meist von den obersten Behörden in Vaduz geschlichtet werden mussten. In einem Vergleich zwischen Bendern, Eschen und Ruggell wegen Wuhrpflichten und Güterteilung 1678 einigte man sich darauf, dass das dem Rhein abgerungene und den Anwohnern zugeteilte Land im genossenschaftlichen Eigentum verbleiben und weder verkauft noch versetzt werden durfte.

Wirtschaft

Gemäss der Landesbeschreibung von Rentmeister Josef Fritz von 1784 betrieben die Gampriner viel Flachsanbau, mit dem sich gute Einkünfte erzielen liessen. Weinberge befanden sich v.a. in Bendern, wo nach derselben Quelle der beste Wein der Herrschaft Schellenberg wuchs. Der Weinbau war in Gamprin aber nicht so bedeutend wie in Eschen oder Mauren.

Die ersten verfügbaren Zahlen zur Viehzucht stammen aus dem Jahr 1789. Die 56 Gampriner Haushalte besassen damals 164 Kühe inkl. Nachzucht sowie 70 Pferde, 1795 hielten sie 65 Schweine. Damit waren der Vieh- und besonders der Pferdebestand pro Haushalt höher als in Eschen oder Mauren.

Unter den klösterlichen und weltlichen Grundbesitzern von Gamprin erscheint zuerst das Frauenkloster St. Sebastian in Schänis (1045). 1194 übergab Ritter Rüdiger von Limpach seine Güter dem Kloster Sankt Luzi in Chur, das bis zu seiner Auflösung 1806 Grundbesitz in Gamprin hatte. Der älteste Grundstückkauf des Klosters datiert ins Jahr 1235, eine erste Lehensurkunde ins Jahr 1388. Das Urbar von 1728 nennt vier Schublehen. Die Landesherrschaft hatte relativ wenig Besitz in Gamprin: Das Schellenberger Urbar von 1698 nennt nur ein Schublehen und wenige weitere Grundstücke.

Den Zehnten für das Gebiet der heutigen Gemeinde Gamprin bezog seit 1194 das Kloster St. Luzi. 1642 erhoben die Grafen von Hohenems Anspruch auf den Novalzehnten. Der Streit in dieser Angelegenheit zog sich über vier Jahrzehnte hin. Erst 1687 verzichtete Graf Jakob Hannibal III. von Hohenems zugunsten des Klosters auf seine Ansprüche.

Über das Gewerbe in Gamprin ist bis ins 19. Jahrhundert wenig bekannt. Wie in anderen Gemeinden produzierten wohl einzelne Handwerker im Nebenerwerb Güter des bäuerlichen Bedarfs. Eine Schiffmühle auf dem Rhein ist erstmals 1749 erwähnt, als sie in den Besitz der Gemeinde überging. Ein Hochwasser riss die Mühle 1787 weg und schwemmte sie in Oberriet an, worauf sie abgebrochen und wieder nach Gamprin transportiert wurde. 1686 wird in Gamprin erstmals ein Gasthaus erwähnt. Es handelt sich wohl um den späteren «Adler» in Bendern.

Kirche

Gamprin gehört seit jeher zur Pfarrei Bendern, die bis ins 17. Jahrhundert auch linksrheinische Gebiete und bis ins 19. Jahrhundert die Gemeinde Ruggell und Schellenberg sowie Teile der Gemeinde Eschen umfasste. Erst seit 1874 deckt sich das Gebiet der Gemeinde Gamprin mit dem der Pfarrei Bendern.

Das Kirchenschiff der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt aus dem 8./9. Jahrhundert wurde im 14. Jahrhundert vergrössert. 1481 erfolgte die Einweihung des neuen gotischen Polygonalchors; ein dazugehöriger Turm wurde entweder gleichzeitig oder kurz danach fertiggestellt. 1612 erhielt die Kirche mit dem Fastentuch ein Kunstwerk von überregionaler Bedeutung.
Harald Wanger, Jürgen Schindler

19. bis 21. Jahrhundert

Politische Gemeinde

Durch die Dienstinstruktionen von 1808 wurden die beiden alten Gerichtsgemeinden Vaduz und Schellenberg aufgelöst. Die heutigen politischen Gemeinden entstanden. Das Oberamt bestimmte anstatt der bisher vom Volk gewählten Gemeindefunktionäre den Richter (Gemeindevorsteher), den Säckelmeister (Gemeindekassier) und die Hilfsgeschworenen. Erst 1864 erhielten die Gemeinden wieder die politische Selbstbestimmung und eigene Vermögensverwaltung durch die Wahl des Gemeindevorstehers und des Gemeinderats. In Gamprin zählt der Gemeinderat, dem der Gemeindevorsteher als Vorsitzender angehört, neun Mitglieder. Seit dem Entstehen der politischen Parteien 1918 stellt die FBP die Mehrheit im Gampriner Gemeinderat. Von zehn Gemeindevorstehern gehörten sieben der FBP, drei der VU an. Gamprin führte 1980 als zweite liechtensteinische Gemeinde das Frauenstimmrecht auf Gemeindeebene ein. Bei den Gemeinderatswahlen 1983 schafften zwei Frauen den Einzug in die Gemeindevertretung. 1991–95 war die Gamprinerin Maria Marxer die erste und bisher einzige Gemeindevorsteherin Liechtensteins.

1965–66 entstand in Gamprin durch den Bau des Gemeindehauses mit Gemeindesaal in der Nähe des Schulhauses ein künstlich geschaffenes Gemeindezentrum. Die Zentrumsfunktion wurde durch den Bau eines neuen Schulhauses 1982–83, eines Vereinshauses mit Feuerwehrdepot 1999–2001 und den Umbau bzw. die Erweiterung des Gemeindehauses 2001–03 sowie durch die Gestaltung des Strassenraums zwischen diesen Gebäuden gefestigt. Auf einer im Jahr 2000 von der Gemeinde gekauften Fläche in der «Grossabünt» befindet sich seit 2011 eine grosszügige Freizeit- und Sportanlage.

Zur Information der Bevölkerung gibt die Gemeinde seit 1971 ein Informationsblatt heraus (1971–76 «Mitteilungen der Gemeinde Gamprin», 1977–78 «Informationsblatt Gemeinde Gamprin», ab 1978 «Info: Informationen der Gemeinde Gamprin-Bendern»). Seit 1989 nutzt Gamprin die Möglichkeit der elektronischen Kommunikation mit einem eigenen TV-Gemeindekanal und seit 2004 mit einer eigenen Website.

Gemeindeboden

Gamprin besass im Vergleich zu anderen Gemeinden viel Riedboden. Mit der Anlage des Grundbuchs 1809 setzte sich das Oberamt dafür ein, dass die Gemeinden möglichst alle Allmendgebiete den Bürgern ins Privateigentum übertrugen. Die Gemeinde Gamprin überliess 1809 ihren Hauseigentümern jedoch nur die «Feldteile» (je 900 m2) und den «Krautgarten». Der umfangreiche Besitz an Ried und Wald blieb im Eigentum der Gemeinde. 1842 beschlossen die Gemeindebürger, jedem Hausbesitzer die schon früher aufgeteilten Gemeindegüter im Grundbuch als Besitz zu den Häusern eintragen zu lassen (je 1,1 ha). 1869 kamen die «Turbenteile» (1400 m2) ins Privateigentum. Zur Nutzung an die Hausbesitzer ausgeteilt wurden gemäss Statuten von 1867 der «Grosse Teil» (4540 m2) und die «Teilung» (2620 m2) sowie die «Familienteile» (1440 m2, ab 1935: 2830 m2). Bürgerfamilien ohne Hausbesitz konnten je 2150 m2 in den «Saumähdern» nutzen.

Von den 112,9 ha Gemeindewald liegen 40,52 ha am Eschnerberg und 72,38 ha im Gebiet oberhalb von Nendeln und Schaanwald, am sogenannten Nendler Berg. Seit 1984 sind die Forstreviere der Gemeinden Gamprin, Ruggell und Schellenberg zu einer Forstgemeinschaft zusammengelegt. Mit 43 % der Waldfläche besitzt Gamprin den grössten Anteil und ist federführend in dieser Gemeinschaft.

Da die Bildung einer Bürgergenossenschaft 2004 in der Gemeinde- und Bürgerabstimmung verworfen wurde, fiel das vormalige Bürgervermögen an die politische Gemeinde. Belassen wurde das Recht von 62 Hausbesitzern auf die Nutzung von Grundstücken im Ried («Hausteile»). Die Hausteil-Statuten wurden nach dem Übergang des Bürgervermögens ins Gemeindevermögen 2004 revidiert.

Wie die anderen Gemeinden des liechtensteinischen Unterlands besitzt Gamprin keine Viehalp im Inland. Seit dem 17. Jahrhundert sind die Alpen Fahren und Ziersch im Montafon (Vorarlberg) im gemeinsamen Besitz von Bauern aus Gamprin und Ruggell. Beim Verkauf von Gütern des Klosters Pfäfers in Vorarlberg konnte vermutlich Ende 18. Jahrhundert das Maiensäss im vorderen Rells zu Vandans (Vorarlberg) dazuerworben werden. Die Alp Fahren wurde mit Vieh aus Ruggell bestossen, Ziersch gehörte Bauern aus Gamprin und Ruggell. 1952 schloss man beide Alpen zur Doppelalp Fahren-Ziersch zusammen, deren 88 Anteilrechte auf die Besitzer in Gamprin und Ruggell aufgeteilt sind. Vieh aus Gamprin wurde auch auf den Alpen Sücka, Gamperdona (Nenzinger Himmel, Vorarlberg) und Radona (Klostertal, Vorarlberg) gesömmert. Da Gamprin 1887 beim Verkauf der fürstlichen Alp Sücka leer ausging, sicherte ihnen Fürst Johann II. zu, beim Kauf einer anderen Alp 10 000 Gulden an die Kaufsumme beizutragen. Dies war 1915 der Fall, als die Gemeinde Gamprin die Alp Rauz am Arlberg für 60 000 Kronen erwarb.

Bevölkerung, Siedlung, Verkehr

1812 zählte die Gemeinde Gamprin 64 Häuser. Durch das bis Mitte des 19. Jahrhunderts geltende Hausbauverbot von 1806 blieb diese Zahl lange Zeit konstant (1852: 66 Häuser). Bis weit ins 20. Jahrhundert bewahrte Gamprin seine kleindörfliche Struktur. Die Häuserzahl betrug nach dem Zweiten Weltkrieg (1950) erst 79, vervierfachte sich jedoch in den folgenden 50 Jahren auf 328 Wohngebäude im Jahr 2000. Auch die Bevölkerung entwickelte sich bis nach dem Zweiten Weltkrieg nur langsam. Sie wuchs von 303 Personen im Jahr 1812 auf 369 im Jahr 1852 und ging in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf 302 Personen im Jahr 1901 zurück. 1950 war eine Einwohnerzahl von 390 erreicht, danach stieg sie stetig bis auf 1583 im Jahr 2009 (allein 1990–2009 um 594 Personen).

Im 20. Jahrhundert verbesserte die Gemeinde nach und nach ihre Infrastruktur: 1921 wurde Gamprin ans liechtensteinische Stromnetz angeschlossen. 1935 erfolgte gemeinsam mit Eschen der Bau einer gemeindeweiten Wasserversorgung, nachdem vorher nur Ziehbrunnen, Zisternen und Zusammenschlüsse kleinerer Dorfteile (z.B. Oberbendern, Gölla, Au) bestanden hatten. Zusammen mit den anderen Unterländer Gemeinden gründete Gamprin 1960 die Genossenschaft «Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland» und 1971 den «Abwasserzweckverband Liechtensteiner Unterland und Schaan». 1978 wurde die Abwasserreinigungsanlage ARA in Bendern in Betrieb genommen. Seit deren Erweiterung (2000–05) werden dort alle Abwässer Liechtensteins gereinigt (mit Ausnahme derjenigen von Hinterschellenberg). Als erste liechtensteinische Gemeinde eröffnete Gamprin 1985 eine Sammelstelle für Altstoffe.

1960 erhielt Gamprin eine eigene Poststelle im Anbau des damaligen Gasthauses zum «Deutschen Rhein» in Bendern. 1969 entstand in Bendern ein eigenes Postgebäude.

Durch das Wachstum nach dem Zweiten Weltkrieg und die damit einsetzende intensive Bautätigkeit wurden raumplanerische Massnahmen notwendig. 1972 genehmigte der Gemeinderat eine erste Bauordnung und einen Zonenplan, 1976 eine umfassende Ortsplanung.

Bendern hatte seit dem Mittelalter eine gewisse Bedeutung für den Ost-West-Verkehr über den Rhein, der jedoch bis weit ins 19. Jahrhundert auf den Fährverkehr angewiesen blieb. Erst durch die in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte Rheinregulierung und den beidseitigen Bau der Hochwasserdämme waren die Voraussetzungen für den Bau von Brücken geschaffen. Eine 1867–68 bei Bendern errichtete Holzbrücke wurde 1894 durch einen Brand zerstört. 1896 konnte die wiederaufgebaute Brücke dem Verkehr übergeben werden. In den 1960er Jahren vermochte der hölzerne Rheinübergang dem wachsenden Verkehr nicht mehr zu genügen. Zudem verlangte die Rheintal-Autobahn auf der Schweizer Seite einen Zubringer aus Liechtenstein. 1963–64 wurde eine Spannbetonbrücke südlich des alten Übergangs erbaut. Die gedeckte Holzbrücke sollte erhalten bleiben, erlitt jedoch am 26.6.1974 einen Brandschaden und stürzte kurz darauf ein.

Im 19. Jahrhundert verbesserte sich auch die Einbindung Benderns ins Strassennetz: 1815 wird eine Verbindung von Bangs (Vorarlberg) über Ruggell nach Gamprin und Bendern als Nebenstrasse genannt. 1835 erfolgte der Bau der Verbindungsstrasse von Bendern über Eschen nach Nendeln zur Landstrasse nach Feldkirch und Vaduz. 1847 entstand eine direkte Strassenverbindung nach Schaan (Bendererstrasse). Durch das Zusammentreffen der auch dem Transit zwischen Österreich und der Schweiz dienenden Ost-West-Hauptverkehrsache und der Strasse ins Liechtensteiner Oberland wurde Bendern in den letzten Jahrzehnten zu einem Verkehrsknotenpunkt mit hohem Verkehrsaufkommen.

Wirtschaft

Die Landwirtschaft blieb während des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der wichtigste Erwerbszweig. 1929 zählte Gamprin 63 landwirtschaftliche Betriebe, 1955 deren 66. Noch 1975 machten die verbliebenen 29 Gampriner Bauernbetriebe rund 40 % der Arbeitsstätten in der Gemeinde aus. Bis 2005 sank die Zahl der Betriebe auf neun (7,2 %). Der Weinbau, der in Gamprin nie sehr bedeutend war, wurde nach 1914 aufgegeben. Die Rebfläche in der Gemeinde hatte 1890 nur noch 3100 Klafter betragen. 1886 schlossen sich die Gampriner Bauern zu einer Sennereigenossenschaft zusammen und erbauten in Gamprin eine Sennerei. 1905 gründeten sie die «Viehzuchtgenossenschaft Gamprin», 1964 eine Landmaschinen-Genossenschaft.

1856 wurde die mobile Schiffsmühle nach dem Bau einer Mühle am Kanalufer aufgegeben. Obwohl diese neue Mühle beim Rheineinbruch 1927 weitgehend verschont blieb, wurde sie wenig später abgebrochen, da durch den Bau des Binnenkanals der Wasserantrieb nicht mehr möglich war.

Neben dem «Adler» in Bendern entstanden im 19. Jahrhundert weitere Gasthäuser, z.B. in Gamprin das Gasthaus zur «Tanne» und das Wirtshaus des Andreas Öhri (1812–17), in Bendern das Gasthaus des Johann Jakob Biedermann (1868, später «Zum Deutschen Rhein») und das Gasthaus zum «Löwen» (1877). Im 20. Jahrhundert kamen das Gasthaus zum «Frohsinn» (1925), das in den 1990er Jahren als «Kulturbeiz» durch den Verein «contrapunkt» betrieben wurde, und der Gasthof «Waldeck»(1926) dazu; zum Letzteren gehörte auch eine Pension.

Die grundlegenden wirtschaftlichen Veränderungen in Liechtenstein nach dem Zweiten Weltkrieg machten sich in Gamprin nur zögernd bemerkbar. Lange behielten die beiden Ortsteile ihren kleinbäuerlichen Charakter. 1955 siedelte sich in der Ebene von Bendern ein Betrieb für Kesselbau an (→ Ludwig Elkuch AG); ihm folgte 1961 ein kleiner Betrieb für die Herstellung von Kunststoffartikeln (Forma Etablissement). 1967 verlegte Herbert Ospelt seine Wurstfabrik nach Bendern. Die Herbert Ospelt Anstalt entwickelte sich zu einem internationalen tätigen Tierfutter- und Lebensmittelproduzenten. 1974 wuchs das Industriegebiet in Bendern um einen Betrieb für Lacke (→ Schekolin AG) und den Hauptsitz der Firma Internationale Möbel-Selection IMS AG, die Möbel für den internationalen Fach- und Versandhandel entwirft und produziert. 1996 eröffnete die LGT Bank in Liechtenstein in Bendern ein grosses Service Center. Das Gewerbe- und Industriegebiet am Fuss des Kirchhügels von Bendern prosperiert besonders seit den 1990er Jahren stark und verschafft der Gemeinde Gamprin wichtige Steuereinnahmen.

Gesellschaft, Bildung, Kultur

Nach der Einführung der gesetzlichen Schulpflicht 1805 erbaute die Gemeinde Gamprin ein erstes Schulhaus, das sich ungefähr am Standort des heutigen Gemeindehauses befand. 1843–44 erfolgte der Bau eines neuen Schulhauses, in dem während fast 140 Jahren unterrichtet wurde. 1942–43 erweiterte man das Gebäude um ein zweites Klassenzimmer. 1982–83 sowie 2008–11 erbaute die Gemeinde ein neues Schulhaus. 1968 wurde der erste Kindergarten in Gamprin eröffnet (Erweiterung des Gebäudes 1974). Seit 1986 ist Bendern der Sitz des Liechtenstein-Instituts.

Mit der Einführung der Versammlungsfreiheit durch die Verfassung von 1862 kam es in Gamprin im 19. Jahrhundert zu ersten Vereinsgründungen: 1865 Kirchenchor, 1886 Freiwillige Feuerwehr, 1888 Blechinstrumenten-Gruppe, 1899 Musikverein «Konkordia». Im 20. Jahrhundert gesellten sich weitere Vereine dazu: 1937 Pfadfinder, 1969 Ski-Club Gamprin, 1973 Frauengruppe, 1980 Trachtengruppe, 1985 Volleyball-Club.

Kirche und Religion

Im 19. Jahrhundert erfolgte die Abkurung von Ruggell und Schellenberg von der Pfarrei Bendern. 1898 wurde in einem Felsen am Aufgang zur Kirche eine Lourdesgrotte eingeweiht (→ Marien-Lourdes-Grotte). Die künstlerisch anspruchslose Szenerie entwickelte sich zu einem viel besuchten Andachtsort, zu dem jeweils am 1. Mai eine grosse Lichterprozession führt.

In Erinnerung an die Verlegung der Reliquien des Märtyrers Felix in die Pfarrkirche von Bendern im Jahr 1880 wurde jeweils am ersten Sonntag im Juni eine Prozession abgehalten. Anschliessend feierte die Bevölkerung unter Beteiligung des Chors und des Musikvereins in einem Gasthaus der Gemeinde das weltliche «Felix-Fest». Diese Tradition wurde in den 1960er Jahren aufgegeben.

Ereignisgeschichte

Am 25.9.1927 kam es zu einer Rheinkatastrophe, als bei anhaltendem Hochwasser in Schaan der Damm brach und die Fluten die liechtensteinische Ebene bis nach Vorarlberg verheerten. Die im Tal gelegenen Dörfer des Unterlands erlitten schwere Verwüstungen. Die meisten betroffenen Häuser in den Gampriner Ortsteilen Au und Badäl waren nicht mehr bewohnbar und mussten abgebrochen werden. In Bendern wurden ein Wohnhaus und das Zollhaus zerstört und die Rheinbrücke stark beschädigt. Durch die Strömung des Hochwassers wurde ein Teil des ebenen Talgrunds ausgewaschen, wodurch das Gampriner Seelein entstand. In direktem Zusammenhang mit dem Rheineinbruch steht der Bau des Binnenkanals in den Jahren 1932–43. Er dient der Entwässerung der einst versumpften Talebene und brachte in den Jahren der Arbeitslosigkeit Verdienstmöglichkeiten.

Anlässlich seines Liechtenstein-Besuchs am 8.9.1985 traf Papst Johannes Paul II. im Pfarrhaus von Bendern mit der liechtensteinischen Geistlichkeit zusammen. Während des Jubiläumsjahrs «300 Jahre Liechtensteiner Unterland» wurde 1999 auf dem sogenannten Schwurplatz in Bendern das Festspiel «Der Ritter vom Eschnerberg» aufgeführt.
Harald Wanger, Jürgen Schindler

Archive

LI LA; GAG; GAE; PfABe.

Quellen

LUB I, LUB II; Mitteilungen der Gemeinde Gamprin, 1971– (verschiedene Titel); Die Chronik des Johann Georg Helbert, 2006; Schuppler/Ospelt: Beschreibung 1815, 1975, 100.

Literatur

Ur- und Frühgeschichte:
D. Beck: Ausgrabungen auf dem Lutzengüetle, in: JBL 42 (1942), 73–84; D. Beck: Ausgrabungen auf dem Eschner Lutzengüetle 1943, in: JBL 43 (1943), 71–83; D. Beck: Ausgrabungen auf dem Eschner Lutzengüetle 1944, in: JBL 44 (1944), 93–109; Poeschel: Kunstdenkmäler, 1950, 240f.; E. Vonbank: Liechtensteiner Bodenfunde im Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz, in: JBL 54 (1954), 107–128, bes. 114–117; G. Malin: Das Gebiet Liechtensteins unter römischer Herrschaft, in: JBL 58 (1958), 5–90, bes. 59f.; H.-P. Hartmann-Frick: Die Tierwelt des historischen Siedlungsplatzes auf dem Eschner Lutzengüetle, in: JBL 59 (1959), 5–223; E. Helferich: Die Ausgrabungen beim Sägaweiher, Nendeln (1972–1975), in: JBL 79 (1979), 51–149; HA 34/36, 1978; J. Bill: Eine frühbronzezeitliche Dolchklinge von Gamprin-Nendeln «Sägaweiher», in: JBL 82 (1982), 263f.; Overbeck: Alpenrheintal, 1982, 103–106.

Mittelalter bis 21. Jahrhundert:
J.G. Mayer: Geschichte des Bistums Chur 2, 1914, 616; Büchel: Bendern, 1923; Poeschel: Kunstdenkmäler, 1950, 240–255; Büchel: Gemeindenutzen, 1953, 153f.; O. Seger: Von Hohenems zu Liechtenstein, in: JBL 58 (1958), 91–134, bes. 111–114; 100 Jahre Kirchenchor Bendern-Gamprin, 1969; F. Marxer: Das Fastentuch von Bendern, in: JBL 74 (1974), 131–152; E. Schafhauser: Zeichen und deren Verwendung im Raume der Gemeinde Eschen-Gamprin, in: JBL 76 (1976), 223–265; G. Malin: Kunstführer Fürstentum Liechtenstein, 21977; Rheinnot in Liechtenstein, 1977, 88–107; Festschrift zur Eröffnung und Einweihung der Primarschule Gamprin, 1983; 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gamprin 1886–1986, 1986; 50 Jahre Pfadfinder Gamprin-Bendern, 1987; Gamprin, unser Dorf, 1988; Musikverein Konkordia Gamprin, 1988; Kaiser/Brunhart: Geschichte 1, 1989, 180; Stammtafeln Gamprin, 1995; Das Fastentuch von Bendern 1612, Hg. N.W. Hasler, 1999; H. Wanger: «… in den Kelchspiel ze Benderen …», 2000; Eröffnung Gemeindehaus, 2003; Primarschule + Kindergarten Gamprin-Bendern, 2010; Herrmann: Kunstdenkmäler 1, 2013.

Zitierweise

Harald Wanger, Ulrike Mayr, Jürgen Schindler, «Gamprin», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Gamprin, abgerufen am 19.6.2019.

Medien

Gemeindewappen seit 1958 (Gemeinde Gamprin). Das Gemeindewappen zeigt auf blauem Grund ein schrägrechtes, goldenes Wellenband, beseitet von zwei silbernen Rosen mit goldenen Butzen und goldenen Kelchblättern. Das Wellenband nimmt Bezug auf den Namen Gamprins (von alträtoromanisch camp Rin, Feld am Rhein), die Rosen sind dem Wappen des im 12. Jahrhundert in Bendern begüterten Ritters Rüdiger von Limpach entnommen. Das Wappen wurde im Jahr 1958 vom Landesfürsten verliehen.
Gemeindegebiet Gamprin
Grabbeigaben eines bronzezeitlichen Kriegers, Originale in Bronze im Vorarlberger Landesmuseum, Gamprin-Au, 16. Jahrhundert v.Chr., Kopien (Bildarchiv Amt für Kultur, Abteilung Archäologie). Foto: Sven Beham / LLM.
Karte des Gemeindegebiets Gamprin (Ausschnitt). Reproduziert mit Bewilligung von swisstopo (BA120404). Kartografie: Andreas Bachmayr, Uttendorf.
Gemeindevorsteher, ab 1864
Bevölkerung (Volkszählungen), 1784–2015
Wirtschaftsstruktur, 1965–2015