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Gapfahl

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Autor: Donat Büchel | Stand: 31.12.2011

Alp im südlichen Saminatal, westlich ob der Alp Valüna (Triesen), Gemeinde Balzers. Gapfahl grenzt zudem an die Alpen Wang, Lawena (beide Triesen) und Alpelti (Triesenberg). Fläche 176,5 ha, davon 75 ha produktive Weidefläche, 1620–2226 m ü.M. (Hochspeler). Zu Gapfahl gehören die beiden Alpstufen Undersäss (1701 m ü.M.) und Obersäss (1879 m ü.M.). Name Gapfahl wahrscheinlich von alträtoromanisch Camp (a)ual (Weide beim Bach). Erste urkundliche Erwähnung 1378 («Gampfal»).

1440 wird Gapfahl in einem von Wolfhard von Brandis entschiedenen Grenzstreit zwischen Triesen und Balzers als Balzner Eigentum erwähnt. Von Triesen wurden 1600 die Weiden Schafbleikin und Messweid, 1646 das Garsenzele und 1659 die Platta erworben. Spätestens ab 1781 wurde das ursprünglich wohl von beiden Balzner Dorfteilen genutzte Gapfahl nur noch mit Vieh aus dem Ortsteil Mäls bestossen. Die Aufteilung in die beiden Alpgenossenschaften Balzers und Mäls muss also schon vorher erfolgt sein. Im Grundbuch 1809 wird Gapfahl als dem Ortsteil Mäls und 1861 als der Alpgenossenschaft Mäls (Alpgenossenschaft Gapfahl) zugehörig bezeichnet. Letztere ist auch Besitzerin der Alp Güschgle. 1865 entstanden gemeinsame Statuten der Alpgenossenschaften Balzers und Mäls (revidiert 1906). 1999 erfolgte die grundbücherliche Bereinigung des Verhältnisses zwischen Gemeinde und Genossenschaft betreffend Nutzung und Eigentum an den Alpen Gapfahl und Güschgle.

Die Alpgenossen (alpberechtigte Balzner Bürger) sind zu Frondienstleistungen verpflichtet. Alpberechtigt auf Gapfahl und im Güschgle waren auch die Schlossvögte von Gutenberg sowie der Kaplan von Balzers. Gapfahl besass in der Valüna das Schneefluchtrecht (erstmals erwähnt 1440) sowie bis 1984 ein Holzbezugsrecht. Diese Servitute sowie die Festlegung der Grenzen zur Valüna führten wiederholt zu Streitigkeiten mit Triesen, so 1440, 1513, 1526, 1571, 1589, 1591, 1595, 1636, 1762, 1769/70 und 1900.

Landvogt Josef Schuppler bezeichnete Gapfahl in seiner Landesbeschreibung (1815) als Kuhalp. 1865 wurde Gapfahl mit 70 Stück Vieh und 1928 mit 76 Kühen und 14 Schweinen bestossen. Höhere Lagen der Alp wurden wiederholt als Schafweide benutzt. 1954 erfolgte die Verpachtung (für ein Jahr) des oberen sowie des unteren Älples und des Rappensteins an die Schafzuchtgenossenschaft Buchs (SG). 1958 und 1964 scheiterten Vorstösse, die Balzner Genossenschaftsalpen, Lida und die Allmenden künftig gemeinsam zu bewirtschaften. Bis 1955 erfolgte die Verarbeitung der Milch auf Gapfahl; 1967 wurde erstmals nur noch Galtvieh gesömmert. Seit 1997 ist die max. Bestossungszahl für Gapfahl auf 80 Grossvieheinheiten festgesetzt.

Von Gapfahl waren gemäss dem Brandisischen Urbar (um 1509/17) und Sulzisch-Hohenemsischen Urbar (ca. 1617/19) 1 Viertel Schmalz und 6 Käse als Vogelmolken zu entrichten. 1843 löste die Gemeinde Balzers die Holzschlagrechte und 1861 das Vogelmolkenrecht für Gapfahl vom Fürsten ab. Gemäss einer Vereinbarung von 1861 (abgelöst 1983) stand den Alpgenossenschaften Mäls und Balzers je die Hälfte des Ertrags der Holzverkäufe der Alpen Gapfahl, Güschgle, Guschgfiel und Matta zu.

1861 wurde auf Gapfahl der erste aus Stein gebaute und mit Schindeln gedeckte Stall errichtet; 1863 Bau einer neuen Sennhütte und 1914 eines Schweinestalls. Nach der Errichtung einer Sennhütte und eines Stalls im Obersäss 1955–56 verschob sich das Zentrum der Alp vom Unter- zum Obersäss. 1963 Bau einer Jagdhütte für die Jagdpächter (Eigentum der Genossenschaft). Im Rahmen der Berggebietssanierung, der die Alpgenossenschaft Gapfahl 1969 beitrat, wurde u.a. ab 1986 die Wasserversorgung verbessert und 1992–94 die Alphütte im Obersäss umgebaut.

1879 erfolgte die Errichtung eines Wegs für Schlitten und Vieh von der Valüna nach Gapfahl sowie der Strasse Sücka–Alpelti–Gapfahl. Da sich die Teilstrecke Alpelti–Gapfahl als unbrauchbar erwies, wurde auf Anordnung der Regierung 1886–87 ein neuer, 2 m breiter Weg vom Alpelti bis Gapfahl errichtet. Teile dieses Wegs rutschten immer wieder ab, weshalb er bis zum Bau der Strasse von Valüna Waldboden nach Gapfahl 1946 nur für Transporte, meist mit Handwagen, genutzt wurde und seither nur noch als Wanderweg dient. Gapfahl gehört zu dem an Private verpachteten Hochjagdrevier Valüna.

Quellen

LUB I/4, 89–95, 168, 273f., 315, 430.

Literatur

Klenze: Alpwirthschaft, 1879; A. Brunhart: Die Alpwaldungen, in: Der Balzner Wald, 1982, 118–131; M.F. Broggi: Die Waldverhältnisse auf den Balzner Alpen Guschgfiel-Matta und Gapfahl-Güschgle, in: Bergheimat 1984, 28–48; E. Vogt: Die Balzner Alpen, 1993; T. Banzer: Die Flurnamen von Gapfahl, in: BNjbl. 2 (1996), 25–30; FLNB I/1, 83f.; W. Vogt: Die Mälsner Alpen Gapfahl und Güschgle, in: BNjbl. 16 (2010), 10–20.

Externe Links

Geodatenportal, Amt für Bau und Infrastruktur, Liechtensteinische Landesverwaltung Liechtensteiner Namenbuch online

Zitierweise

Donat Büchel, «Gapfahl», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Gapfahl, abgerufen am 23.2.2019.