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Gasversorgung

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Autor: Klaus Biedermann | Stand: 31.12.2011

Gas als Träger von Energie wurde in Liechtenstein erstmals 1871 von der Baumwollweberei Jenny, Spoerry und Cie. in Triesen zur Erzeugung von Warmwasser, Heizwärme und Licht genutzt. Offen bleibt, ob das dortige Gasometerhaus, das als Lager für das aus der Destillation von Steinkohle gewonnene Industriegas diente, auch schon 1871 errichtet wurde. Mit dem Beginn der Elektrifizierung in Liechtenstein 1883 erfolgte die schrittweise Ersetzung des Gases als Lichtquelle durch elektrischen Strom. 1902 konzessionierte die Regierung das von einer Genossenschaft betriebene «Acetylengaswerk Schaan». Das Gas diente v.a. zur Beleuchtung der Strassen in Schaan. Am Ende des Ersten Weltkriegs musste die Gasproduktion eingestellt werden, da die Versorgung mit dem hierfür nötigen Rohstoff Karbid nicht mehr gewährleistet war. Der Betrieb wurde aufgrund des Beschlusses zum Bau des Lawenawerks 1919 nicht mehr aufgenommen und die Gasproduktionsanlage 1920 demontiert.

Infolge der Ölkrise der 1970er Jahre und des zunehmenden Waldsterbens zu Beginn der 1980er Jahre strebte Liechtenstein eine Substitution des Erdöls durch das als umweltfreundlicher geltende Erdgas an. Anfang der 1970er Jahre liessen die Liechtensteinische Industriekammer sowie die Regierung je ein Gutachten über eine Gasversorgung erstellen. 1983 gab die Regierung eine Projektstudie über eine Gasversorgung in Liechtenstein in Auftrag. 1985 wurde per Gesetz die Liechtensteinische Gasversorgung (LGV) als öffentlich-rechtliche Anstalt in der Form eines selbständigen staatlichen Unternehmens mit Sitz in Vaduz gegründet (Verwaltung in Vaduz, seit 1989 in Schaan). Die 1986 konzessionierte LGV ist damit beauftragt, die Verbraucher im Inland mit Erdgas zu beliefern, die Versorgung Liechtensteins mit diesem Rohstoff langfristig zu gewährleisten und kostengünstig zu erhalten. Die liechtensteinische Regierung schloss 1985 Lieferverträge mit der Ruhrgas AG und der Gasversorgung Süddeutschland sowie 1986 einen Vertrag über die Durchleitung von Erdgas durch Österreich mit der Vorarlberger Erdöl- und Ferngas-GmbH (VEF) ab. Nach der Fertigstellung der ersten Druckleitungen wurde im Oktober 1986 die Gasversorgung in Liechtenstein aufgenommen. Die Erdgaseinspeisung erfolgt seither in Ruggell. Die Leitungen in Liechtenstein umfassten 2007 ein Netz von 372,9 km Länge. Der Erdgasverbrauch stieg von 57,9 Mio. kWh (1987; 8,4 % der damals in Liechtenstein konsumierten Energie) über 297 Mio. kWh (2000; 25,0 %) auf den bisherigen Höchststand von 404,5 Mio. kWh (2006; 28,8 %). 2007 wurden in Liechtenstein 389,2 Mio. kWh Erdgas verbraucht (29,8 %) und die LGV hatte 3801 Kunden sowie 14 Mitarbeiter. Über die LGV-Hochdruckleitung wird auch Erdgas in die Schweiz geliefert.

Im öffentlichen Verkehr gelangten 2001 die ersten erdgasbetriebenen Busse zum Einsatz. In Vaduz (2001), Bendern (2007) und in Schaanwald (2008) wurden Erdgastankstellen eingerichtet.

Quellen

Geschäftsber. LGV 1985/86–, 20 Jahre Erdgas in Liechtenstein, 2005.

Literatur

Ospelt: Wirtschaftsgeschichte, 1972, 271; H.-P. Bärtschi: Bauzeugen der Industrialisierung 1820–1920, in: Bauen, 2000, 110–139, bes. 118f.; Wenaweser/Wanger: Industrien, 2000, 21–23.

Zitierweise

Klaus Biedermann, «Gasversorgung», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Gasversorgung, abgerufen am 22.4.2019.