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Gewässer

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Autorin: Gertrud Haidvogl | Stand: 31.12.2011

Die liechtensteinischen Gewässer sind vorwiegend Fliessgewässer, die das Land durch die drei Systeme Binnenkanal, Spiersbach und Samina entwässern. Das grösste Einzugsgebiet hat der Binnenkanal (117 km2), der seit seiner Fertigstellung 1943 ausser dem Ruggeller Mölibach alle ehemals direkt in den Rhein mündenden Binnengewässer aufnimmt. Die Samina entwässert 50 km2 der Gebirgsregion, der Spiersbach 11 km2 im Norden Liechtensteins. Der Alpenrhein ist der Hauptvorfluter, in den der Binnenkanal und der Spiersbach direkt, die Samina über die Ill (Vorarlberg) münden. Neben Quellbächen bestehen im Talraum grundwassergespiesene Giessen, der Talhang ist von Rüfen geprägt.

Das grösste natürlich entstandene stehende Gewässer Liechtensteins ist das Gampriner Seelein (1,53 ha). Meist wurden Stillgewässer aber künstlich errichtet. Die Weiher im Hälos bei Triesen (3,56 ha) und Schwabbrünnen-Äscher (0,4 ha) stellen wichtige Lebensräume für vielfältige Tier- und Pflanzengesellschaften dar. Sie stehen unter Naturschutz. Die Spoerry-Weiher bei den Textilfabriken in Vaduz und Triesen sowie der Stausee Steg (3,2 ha) wurden für die energiewirtschaftliche Nutzung geschaffen.

Durch ihre Zerstörungskraft waren die Gewässer (besonders Rhein und Rüfen) stets eine Gefahr für die Bevölkerung und deren von Überschwemmungen bedrohte Siedlungen und Kulturflächen. Der versumpfte Talraum, Auen und Riede begünstigten bis ins 19. Jahrhundert Krankheiten wie die Malaria. Andererseits waren Gewässer seit jeher eine wertvolle natürliche Ressource für verschiedene Nutzungen: Sie dienten der Wasserversorgung und der Vorflutung des Abwassers, seit dem Mittelalter nachweisbar der Energiegewinnung (v.a. am Vaduzer und Balzner Mölibach und am Triesner Dorfbach), Transportzwecken (→ Flösserei auf dem Rhein, Holztrift auf der Samina) und der Fischerei. Die Regulierung des Rheins ab Mitte 19. Jahrhundert und die Entwässerung des Talraums schufen Hochwassersicherheit sowie hochwertigen Landwirtschafts- und Siedlungsraum, in dem sich heute auch die meisten Industriegebiete befinden. Diese Massnahmen waren eine Grundvoraussetzung für das wirtschaftliche und demografische Wachstum im 20. Jahrhundert, haben aber die natürliche Charakteristik der Gewässer grundlegend verändert. Die Auen wurden durch Hochwasserschutzdämme vom Rhein abgetrennt. Im Talraum reduzierte sich die Länge natürlicher Giessen und Riedbäche von 54 auf 15 km. 1983 waren 90 km (50 %) der Talbäche zeitweise oder ganzjährig ausgetrocknet (infolge der Absenkung der Rheinsohle bzw. des Grundwasserspiegels).

Bis in die 1980er Jahre war die Gewässergüte durch Abwassereinleitung und Nährstoffeintrag stark belastet, was mehrfach zu Fischsterben führte. Der Bau von Kläranlagen (erste Anlage in Vaduz 1956) führte zu einer wesentlichen Verbesserung der Gewässerqualität. Ab etwa 1980 wurden durch Renaturierungsprogramme u.a. ausgetrocknete Gewässer mit Oberflächenwasser oder Uferfiltrat wiederbewässert (z.B. 1988 Äulehäg/Balzers), am Binnenkanal wurde das Gewässerkontinuum wiederhergestellt und die Lebensraumvielfalt erhöht. Dies stärkte auch die Erholungsfunktion der Gewässer.

Literatur

M. Broggi: Ökologisches Gewässerinventar im Talraum des Fürstentums Liechtenstein, in: Ber. BZG 14 (1985), 179–210; Broggi: Landschaftswandel, 1986; Haidvogl/Kindle: Fliessgewässer, 2001.

Zitierweise

Gertrud Haidvogl, «Gewässer», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Gewässer, abgerufen am 25.3.2019.

Medien

Gewässerkarte Liechtensteins, 1820 und 1999 (Amt für Umweltschutz). Grafik: Peter Rey. Anhand von Kartengrundlagen aus dem Jahr 1819 und 1999 werden die Veränderungen des Gewässernetzes von Liechtenstein sichtbar. Die Grenz- und Entwässerungsgräben in den Rieden auf der Karte von 1820 zeigen erste Eingriffe ins Gewässersystem.