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Gottesgnadentum

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Autor: Heinz Dopsch | Stand: 31.12.2011

Unter Gottesgnadentum versteht man die göttliche Setzung des Herrschertums gegenüber den Untertanen. Die Wurzeln liegen einerseits im spätrömisch-christlichen Kaisertum, andererseits in den heidnisch-magischen Herrschaftsvorstellungen der Germanen wie Geblütscharisma und Königsheil. Zur vollen Ausbildung des Gottesgnadentums kam es mit der Übernahme der Herrschersalbung durch die Karolinger (Pippin d.J. 751), der Vorstellung des von Gott gekrönten Kaisers (Karl der Grosse 800) und der Aufnahme der Formel dei gratia («von Gottes Gnaden») im Herrschertitel, die in vielen Monarchien bis zu deren Ende üblich blieb.

In Liechtenstein beriefen sich weder die Grafen von Werdenberg-Sargans-Vaduz noch die Freiherren von Brandis auf ihre Einsetzung durch Gott. Hingegen bezeichnete sich Karl Ludwig Graf von Sulz 1589 als «von Gott vorgesetzte ordentliche Obrigkeit». Die Reichsgrafen von Hohenems wiederum legitimierten ihre Herrschaft weder vor noch nach dem Erwerb von Vaduz und Schellenberg mit dem Gottesgnadentum, während die regierenden Fürsten von Liechtenstein seit ihrer Erhebung in den Fürstenstand 1608 bzw. 1623 die Formel dei gratia oder «von Gottes Gnaden» im Titel führten. Seit dem frühen 20. Jahrhundert kam die Berufung auf das Gottesgnadentum ausser Gebrauch, aber in der noch heute gültigen Verfassung von 1921 nannte sich Johann II. «von Gottes Gnaden souveräner Fürst zu Liechtenstein». Bis zur Verfassungsrevision 2003 galt die Formel: «Die Person des Fürsten ist geheiligt und unverletzlich».

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Literatur

Intitulatio, 3 Bde., Hg. H. Wolfram, 1967–88; J.A. Dabbs: Dei Gratia in Royal Titles, 1971; H. Wille: Staat und Kirche im Fürstentum Liechtenstein, 1972; F. Kern: Gottesgnadentum und Widerstandsrecht im früheren Mittelalter, 51973; LexMA 4, 1592f.

Zitierweise

Heinz Dopsch, «Gottesgnadentum», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: <https://historisches-lexikon.li//Gottesgnadentum>, abgerufen am 15.2.2019.