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Grafisches Gewerbe

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Autor: Patrick Sele | Stand: 31.12.2011

Das grafische Gewerbe umfasst alle beruflichen Tätigkeiten, welche die handwerkliche und technische Realisierung der Herstellung von Druckerzeugnissen zum Inhalt haben.

Früheste Vertreter des grafischen Gewerbes in Liechtenstein waren die Buchbinder, die spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tätig waren. Für den Druck von Büchern und Zeitungen mussten um diese Zeit Einrichtungen im benachbarten Ausland, hauptsächlich in Feldkirch und Buchs, benutzt werden. 1923 entstand in Vaduz die erste Druckerei Liechtensteins, die «Buchdruckerei Höfle & Kaiser», die heutige «BVG Druck & Verlag AG»; die beiden Gründer stammten aus Vorarlberg. 1927 kam mit der von Hans Nescher gegründete «Buchdruckerei Gutenberg o.H.G.» in Schaan, der heutigen «Gutenberg AG», eine weitere Druckerei hinzu. 1962 gründete Louis Jäger (*1930) in Vaduz das erste grafische Atelier Liechtensteins.

Im 20. Jahrhundert erlebte das Grafische Gewerbe einen grossen Aufschwung: 1929 waren in diesem Bereich 14 Beschäftigte tätig, 1995 waren es mit 143 Beschäftigten gut zehn Mal so viele. Gründe für diese Expansion waren das Bevölkerungswachstum, die Verschriftlichung vieler Vorgänge, der Ausbau des Verlagswesens, die verstärkte Nachfrage nach Druckerzeugnissen durch die Industrie und den Finanzplatz sowie vermehrte Aufträge zu Veröffentlichungen von Publikationen durch Land, Gemeinden oder staatsnahe Institutionen.

Die Tätigkeit der Buchbinderei ist in den Grundzügen dieselbe geblieben. Die Arbeit in der Druckerei hingegen wurde seit den 1960er Jahren durch technische Neuerungen einem tief greifenden Wandel unterzogen: Das Setzen von Bleibuchstaben von Hand wurde zunehmend zuerst von elektromechanischen und dann von auf EDV basierenden Verfahren abgelöst. Des Weiteren gelang es immer besser, Text und Bild elektronisch zu vereinen. Dadurch verlor der Arbeitsschritt der Montage, bei welchem die zuvor separat erstellten Text- und Bildelemente zusammengeführt werden, immer mehr an Bedeutung. Dies führte in diesem Bereich zu einer Abnahme des Personalbestands.

Die Auswirkungen des 1995 erfolgten Beitritts zum EWR sind für das Grafische Gewerbe wohl als eher positiv zu werten. Als besonderer Vorteil ist hierbei der Umstand anzusehen, dass infolge des freien Personenverkehrs dem Bedarf nach qualifiziertem Personal durch die Anstellung von Fachkräften aus EWR-Ländern besser entsprochen werden kann.

Quellen

Betriebszählung 1929–95.

Literatur

G. Martin: Liechtensteinische Lehrmittel 1835–1965, in: JBL 65 (1966), 207–258, bes. 252–254; H. Biedermann: Die Grafische Branche im Fürstentum Liechtenstein, Dipl. Zürich, 1994; R. Wyss: Die erste Druckerei in Liechtenstein, in: DruckIndustrie 26 (1996), Nr. 13, 3–9; LVa., 10.7.2002; LVa., 24.5.2003; Wirtschaft regional, 6.12.2003; Merki: Wirtschaftswunder, 2007, 110.

Medien

Buchbindereien und Druckereien, 1861-1995

Zitierweise

Patrick Sele, «Grafisches Gewerbe», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: <https://historisches-lexikon.li//Grafisches_Gewerbe>, abgerufen am 23.4.2019.