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Grafschaft

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Autor: Heinz Dopsch | Stand: 31.12.2011

Unter den Karolingern wurden Grafschaften zu einem politischen, aber nicht flächendeckenden Ordnungsprinzip des Fränkischen Reichs. Grafschaften knüpften häufig an ältere Siedlungseinheiten an, stimmten aber mit den Gauen oft nicht überein. Die Grafen waren in ihrer Grafschaft vom König mit Rechtsprechung und Friedenswahrung, Heeresaufgebot, Verwaltung des Königsguts und Königsschutz beauftragt. Allmählich verloren die Grafschaften ihren Amtscharakter und wurden vererbbar. Seit dem 11. Jahrhundert lösten «Allodial-Grafschaften» in Form kleinräumiger Herrschaftsgebiete um die namengebende Stammburg eines Grafengeschlechts die frühmittelalterlichen Amtsbezirke ab.

In Churrätien wurde 806/7 eine Grafschaft eingerichtet und an Hunfrid, Graf von Istrien (→ Hunfridinger), übertragen. Die von ihm abstammenden Hunfridinger wurden 917 Herzöge von Schwaben, worauf die Grafschaft Rätien vor 926 an die Udalrichinger überging. In deren Nachfolge übten die Grafen von Bregenz, die Pfalzgrafen von Tübingen und ab ca. 1190 die Grafen von Montfort gräfliche Rechte aus. Durch wiederholte Herrschaftsteilungen der Montforter entstanden neue, kleinere Grafschaften wie nach 1342 die Grafschaft Vaduz, die mit dem Hochgericht und weiteren Hoheitsrechten ausgestattet waren.

Literatur

K.H Burmeister: Die Grafen von Montfort, Hg. A. Niederstätter, 1996; R. Kaiser: Churrätien im frühen Mittelalter, 1998.

Zitierweise

Heinz Dopsch, «Grafschaft», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: <https://historisches-lexikon.li//Grafschaft>, abgerufen am 26.4.2019.