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Grenzgänger

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Autorin: Veronika Marxer | Stand: 31.12.2011

Zupendler aus dem Ausland respektive Wegpendler ins Ausland. Aus liechtensteinischer Sicht sind Grenzgänger Personen, die ihren Wohnsitz im Ausland und ihren Arbeitsort in Liechtenstein haben und an jedem Arbeitstag zum Wohnort zurückkehren. Obwohl das Phänomen der grenzüberschreitenden Berufswanderung von Tagespendlern älter ist, stehen erst ab 1941 statistisch zuverlässige Daten zur Verfügung.

Die in Liechtenstein bis Anfang der 1940er Jahre anhaltende Wirtschaftskrise und der kriegsbedingte Aufschwung in den Nachbarländern löste in Liechtenstein eine Pendlerbewegung aus, die in ihrem Umfang einmalig ist. 1941 pendelten 723 Personen, d.h. 15 % der erwerbstätigen liechtensteinischen Wohnbevölkerung, in die Schweiz und ins damals benachbarte Deutsche Reich (Vorarlberg). Der nach 1945 auch in Liechtenstein einsetzende Wirtschaftsaufschwung ging mit einer hohen Arbeitsnachfrage einher, die in den 1950er Jahren in erster Linie mit der Beschäftigung von Grenzgängern aus Vorarlberg befriedigt wurde. Als Folge davon stieg der Grenzgängeranteil an den Beschäftigten 1950–60 von etwa 4 % auf 19 %. Ab 1963 wurde mit der Zuwanderung auch die Beschäftigung von Grenzgängern beschränkt (1970: Festlegung von Höchstzahlen). Bis zum EWR-Beitritt Liechtensteins (1995) unterstanden alle Grenzgänger, sofern sie nicht aus der Schweiz kamen, den für Drittausländer geltenden Begrenzungsvorschriften (Inländervorrang bei Stellenantritt und Verlängerung der Grenzgängerbewilligung, Restriktionen bei Stellen- und Berufsbranchenwechsel). Seit dem 1.1.1998 sind EWR-Grenzgänger nicht mehr bewilligungspflichtig und können sich auf dem Arbeitsmarkt frei bewegen. Die 1981 erfolgte Einschränkung der Freizügigkeit zwischen Liechtenstein und der Schweiz führte zu einem markanten Anstieg von Grenzgängern aus der Schweiz. 2002 kamen von den insgesamt 13 030 Grenzgängern 6844 aus Österreich, 5742 aus der Schweiz, 354 aus Deutschland und 90 aus anderen Ländern. 8477 waren männlichen, 4553 weiblichen Geschlechts.

Quellen

StatJb 1977–.

Literatur

Heeb-Fleck/Marxer: Migrationspolitik, 2002. L. Studer: Analyse der Arbeitsmärkte und Arbeitskräftewanderungen im Fürstentum Liechtenstein und in Vorarlberg, 2004.

Medien

Weg- und Zupendler, 1930-2005

Zitierweise

Veronika Marxer, «Grenzgänger», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: <https://historisches-lexikon.li//Grenzg%C3%A4nger>, abgerufen am 17.2.2019.