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Grenzwache

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Autorin: Gerda Leipold-Schneider | Stand: 31.12.2011

Die Grenzwache ist die für den Grenzschutz verantwortliche Behörde. Zu ihren Aufgaben gehören u.a. die grenzpolizeiliche Personenkontrolle, der Einzug der Grenzzölle (→ Zollwesen) und das Verhindern von Schmuggel. Bis 1852 gab es in Liechtenstein keine Grenzwache, die Grenzen wurden jedoch teilweise im Kriegsfall geschützt. 1852–1919 bewachten gemäss dem Zollvertrag mit Österreich österreichische Finanzbeamte die Grenzübergänge Liechtensteins zur Schweiz. Die im Volksmund «Finanzer» genannten Grenzwächter waren der k.k. Cameral-Bezirksverwaltung in Feldkirch unterstellt, wurden von Österreich ernannt, beeidet, besoldet und einquartiert. Sie waren bewaffnet, trugen österreichische Uniformen, dazu eine liechtensteinische Kokarde, unterstanden österreichischer Oberhoheit, mussten aber dem liechtensteinischen Fürsten Treue und Gehorsam schwören. Die liechtensteinische Regierung durfte die Finanzer bei Bedarf für polizeiliche Dienste einsetzen. Liechtensteinern stand die Aufnahme in die Finanzwache für den Dienst in Vorarlberg und Liechtenstein offen.

Viele Liechtensteiner fühlten sich durch das Auftreten der Finanzwachleute schikaniert, besonders wenn diese die durch den Zollvertrag 1852 eingeführte Verzehrungssteuer auf Bier, Wein, Most, Fleisch, Schlachtvieh sowie Branntwein (ab 1856) einzogen. Eine Verbesserung der Lage brachte der revidierte Zollvertrag von 1863, der die Mitwirkung der liechtensteinischen Regierung beim Einzug dieser Steuer vorsah. 1864 wurde zudem der Schutz des Hausrechts bei Hausdurchsuchungen der österreichischen Finanzwachleute gesetzlich geregelt. In der Folge verbesserte sich das Verhältnis der Bevölkerung zu den Finanzern, von denen einige Liechtensteinerinnen heirateten und sich im Land niederliessen. Im Ersten Weltkrieg führte der in weiten Teilen der Bevölkerung verbreitete Schmuggel zu Konflikten der Finanzwache mit der Bevölkerung.

Nach der Kündigung des Zollvertrags mit Österreich durch Liechtenstein 1919 zog Österreich seine Finanzwache ab. Liechtenstein stellte in der Folge eine eigene Grenzwache auf, welche die Staats- und Zollgrenzen zur Schweiz und zu Österreich bewachte. Diese Grenzwache umfasste von 1919 bis Ende 1923 insgesamt rund 30 Mann. Sie waren bewaffnet, kaum ausgebildet und trugen als Erkennungszeichen erst eine blaurote Armbinde, später eine Dienstkappe. Infolge des Zollanschlussvertrags mit der Schweiz von 1923 übernahm ab dem 1.1.1924 das schweizerische Grenzwachtkorps die Bewachung der liechtensteinischen Grenzen zu Österreich. Die Grenzwächter in Liechtenstein werden von der Schweiz ernannt und besoldet und tragen schweizerische Uniformen und Waffen. Ursprünglich wohnten sie alle in Liechtenstein (mit zivilrechtlichen Wohnsitz in Buchs, SG). Mittlerweile lebt die Mehrheit der in Liechtenstein stationierten Grenzwächter in der Schweiz.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Grenzwachtkorps, das sich im Fall eines deutschen Angriffs auf Liechtenstein über den Rhein zurückgezogen hätte, bei der Grenzüberwachung von der liechtensteinischen Polizei unterstützt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts übernahm die Grenzwache auch vermehrt polizeiliche Aufgaben (z.B. Zollfahndung, Bekämpfung des Drogenschmuggels). Liechtenstein gehörte ab 1924 zum Grenzwachtkommando III (Sitz in Chur), ab 1995 zum Grenzwachtkommando II (Schaffhausen) und ist seit 2007 Teil der Grenzwachtregion III (Kommando in Chur). Die Zahl der schweizerischen Grenzwächter betrug 1924 60 Mann. Im Zusammenhang mit akuten Grenzverletzungsgefahren wurde das Grenzwachtkontingent auf Ansuchen Liechtensteins vorübergehend auf 100 oder mehr Mann erhöht, so 1934 wegen der Parteikämpfe in Österreich, 1938 beim Anschluss Österreichs an Deutschland und 1945 in den letzten Kriegswochen. 2008 standen rund 40 schweizerische Grenzwächter in Liechtenstein im Dienst.

Literatur

Geiger: Geschichte, 1970; O. Seger: Fünfzig Jahre Zollvertrag Schweiz-Liechtenstein, in: JBL 73 (1973), 5–58; G. Wanner: Die Auswirkungen der Kündigung des österreichisch-liechtensteinischen Zollvertrages auf die vorarlbergisch-liechtensteinischen Beziehungen zwischen 1919 und 1924, in: JBL 73 (1973), 59–109; H. von Vogelsang, P. Keel: 60 Jahre Schweizer Grenzwache im Fürstentum Liechtenstein, o.J. (1984); F. Büchel: Beiträge zur Geschichte 842–1942, 1987, 307–311; Vogt: Balzers 1, 1995, 134–136; A. Kuert: Grenzwachtkorps, in: HLS 5, 679, 2006.

Medien

«Liechtensteiner Grenzwache 1917–1923» (Bildarchiv LLM). Liechtenstein hatte von 1919 (nicht 1917) an eine eigene Grenzwache.

Zitierweise

Gerda Leipold-Schneider, «Grenzwache», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: <https://historisches-lexikon.li//Grenzwache>, abgerufen am 19.2.2019.