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Gritsch

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Autor: Hansjakob Falk | Stand: 31.12.2011

Alp östlich oberhalb der Valüna (Triesen), Gemeinde Schaan. Gritsch grenzt zudem an Pradamee (Vaduz), Turna (Triesenberg), Österreich und die Schweiz. Gritsch ist die höchstgelegene Alp Liechtensteins: 1600 m ü.M. (Retta) bis 2570 m ü.M. (Naafkopf), Alpgebäude auf 1897 m ü.M.; Gesamtfläche 341,6 ha, davon 106 ha produktive Weidefläche. Eigentümerin ist die Schaaner Alpgenossenschaft Gritsch; zu dieser gehört auch die Alp Mittlervalorsch (→ Valorsch). Erste urkundliche Erwähnung 1378 («Gralitsch»); Name wahrscheinlich von alträtoromanisch alp grialits (Widderalp).

Der Erwerb der Alp Gritsch durch das Kirchspiel Schaan-Vaduz erfolgte wohl im 14. Jahrhundert. Ein von Freiherr Ludwig von Brandis ausgestellter Schiedsbrief vom 12.3.1503, das älteste erhaltene Alpstatut in Liechtenstein, regelte u.a. die Aufteilung der Nutzung der Alpen Gritsch und Guschg auf die Schaaner Dorfteile St. Lorenz (Gritsch) und St. Peter (Guschg) sowie die Grenzziehung zwischen den beiden Dorfteilen und damit die Genossenschaftszugehörigkeit ihrer Einwohner. Gritsch wurde aber wohl schon vor 1503 von den Bewohnern des Dorfteils St. Lorenz genutzt. Die Dorfschaften des Kirchspiels Schaan-Vaduz hatten die Nutzung des gemeinsamen Alpgebiets bereits im 15. Jahrhundert aufgeteilt.

Grenz- und Nutzungsstreitigkeiten sowie Konflikte über Servitute belasteten häufig das Verhältnis zur Alp Valüna bzw. zur Gemeinde Triesen (1474, 1601, 1602, 1608 und 1942). Gritsch besass ein Holzbezugsrecht in der Valüna. Das bereits 1474 bestätigte Schneefluchtrecht zugunsten von Gritsch in der Valüna ist rechtlich noch immer verbindlich, hat aber aufgrund der logistischen Möglichkeiten zur Futterversorgung bei frühem Schneefall keine praktische Bedeutung mehr. Gemäss dem Brandisischen (um 1509/17) und dem Sulzisch-Hohenemsischen Urbar (ca. 1617/19) hatte Gritsch als Vogelmolken (abgelöst 1861) pro Jahr 1 Viertel Schmalz (Butter) sowie 7 Käse an die Herrschaft abzuliefern.

Seit 1862 bestehen gemeinsame Statuten der Alpgenossenschaften Gritsch und Guschg (geändert 1926, 1990 und 2007). Gritsch war von der Valüna aus jahrhundertelang nur durch die steile Retta erreichbar. 1869 erfolgte der Bau einer Strasse Sücka–Valüna, auf der Fortsetzung bis Gritsch wurde erst 1920 eine für Ross und Wagen geeignete Strasse errichtet. Vorher waren Butter und Käse mittels zweirädriger Karren von Gritsch in die Valüna transportiert worden. 1823 Errichtung eines Stalls, der 1861 renoviert, im Winter 1913–14 durch eine Lawine beschädigt und 1921–23 neu gebaut wurde. Die Alphütte wurde 1923 abgerissen und neu errichtet sowie 1988–89 renoviert (Projekt der Berggebietssanierung). Die maximale Bestossung von Gritsch wurde in den Genossenschaftsstatuten 1862 auf 90 Kühe und 1916 von der Landesalpenkommission auf 90 Stösse zu je vier Füssen festgelegt. Seit 1997 beträgt sie 115 Grossvieheinheiten. Bis ins 20. Jahrhundert besass die Genossenschaft Gritsch in Schaan eine eigene Sennerei. Seit 1960 wird nur noch Galtvieh auf Gritsch gesömmert.

1927 trat die Alpgenossenschaft Gritsch an den Verband der Pfälzischen Sektionen im Deutschen und Österreichischen Alpenverein entschädigungslos eine Parzelle von 1815 m2 ab, auf welcher der Erwerber im Gegenzug ein Unterkunftshaus errichtete (→ Pfälzerhütte). 1940 wurde auf Gritsch eine im 3./2. Jahrhundert v.Chr. hergestellte Lanzenspitze gefunden. Das Gebiet der Alp Gritsch gehört zum Hochjagdrevier Valüna, das an Private verpachtet wird.

Quellen

LUB I/4, 89, 273f., 315, 429.

Literatur

Klenze: Alpwirthschaft, 1879, 25f., 46, 69–79, 87, 89, 95–99; Büchel: Gemeinde Triesen 1, 1989, 454–458; FLNB I/2; 500 Jahre Alpgenossenschaften Schaan, 2003.

Externe Links

Geodatenportal, Amt für Bau und Infrastruktur, Liechtensteinische Landesverwaltung Liechtensteiner Namenbuch online

Zitierweise

Hansjakob Falk, «Gritsch», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: <https://historisches-lexikon.li//Gritsch>, abgerufen am 21.4.2019.