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Heime (Anstalten)

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Autorin: Julia Frick | Stand: 31.12.2011

Heime sind öffentliche oder private Einrichtungen, die Personen, die weder allein noch in ihren Familien leben können, einen zeitlich befristeten oder dauernden Aufenthalt bieten. Anstalten sind demgegenüber Institutionen der geschlossenen Fürsorge, in welchen die freiwillige oder zwangsweise Unterbringung zwecks stationärer psychiatrischer, pädagogischer oder psychotherapeutischer Hilfe oder im Rahmen des Strafvollzugs (→ Gefängnis) erfolgt.

Kommunale oder kirchliche Fürsorgehäuser wie etwa in Feldkirch (Johanniterspital ab 1218) oder Maienfeld (Siechenhaus erwähnt 1353 und Spital erwähnt 1556) gab es in Liechtenstein vor dem späten 19. Jahrhundert nicht. Mehrere Vorhaben verliefen im Sand, so die Errichtung eines Arbeitshauses 1793, eines Armen- und Krankenhauses 1829, eines Spitals 1845 und einer Landeskranken- und -siechenanstalt 1860 und 1867. Erst die 1870–1904 entstandenen fünf Bürgerheime boten sozial schwachen, mittellosen, alten und geistig verwirrten Menschen eine Wohn- und Lebensmöglichkeit. Dabei blieb es für Jahrzehnte.

1956 eröffnete das Liechtensteinische Rote Kreuz ein Heim für Kinder aus familiären Notsituationen (→ Kinderheim Gamander). Nach dem Inkrafttreten des Sozialhilfegesetzes 1966 wurden neue sozialpsychologische Heimprojekte realisiert: Ab 1975 entstanden mehrere Alters- und Pflegeheime. Der 1967 gegründete Verein für heilpädagogische Hilfe schuf 1969 ein Heilpädagogisches Zentrum in Schaan, 1987 den «Birkahof» in Mauren (Wohn- und Arbeitsstätte für geistig behinderte Menschen) und im Jahr 2000 das Wohnheim «Besch» in Schaan (für Menschen mit einer psychischen, geistigen oder körperlichen Behinderung). Der 1989 gegründete Verein für Betreutes Wohnen führt seit 1989 eine therapeutische Wohngemeinschaft in Mauren (für Menschen mit psychischen Störungen, Abhängigkeiten, psychosomatischen Erkrankungen) und seit 1991 eine Jugendwohngruppe in Vaduz (für Jugendliche mit persönlichen, familiären oder sozialen Schwierigkeiten).

Psychisch- und suchtkranke Menschen werden zur stationären Behandlung mangels Einrichtungen im Inland in Kliniken oder Anstalten in der Schweiz und Österreich eingewiesen. Vereinbarungen über die Aufnahme liechtensteinischer Patienten schloss Liechtenstein 1965 mit dem Kanton St. Gallen hinsichtlich der Psychiatrischen Kliniken Wil und St. Pirminsberg (→ Pfäfers), 1981 mit dem Rehabilitationszentrum Lutzenberg (AR) für Menschen mit Suchtproblemen, mit dem Land Vorarlberg 1986 bzw. 1987 hinsichtlich des Krankenhauses Maria Ebene in Frastanz und des Landes-Nervenkrankenhauses Valduna, 2003 mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Littenheid (TG) und 2004 mit den Psychiatrischen Diensten Graubünden.

Literatur

R. Rheinberger: Liechtensteiner Ärzte im 19. Jahrhundert, in: JBL 89 (1991), 75f.; M. Gantner, J. Eibl: Öffentliche Aufgabenerfüllung im Kleinstaat, 1999, 252–267; Solidarität tut not, 1991; Liechtensteinisches Soziallexikon, 22000; Verein für betreutes Wohnen in Liechtenstein, 2002.

Zitierweise

Julia Frick, «Heime (Anstalten)», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Heime_(Anstalten), abgerufen am 19.4.2019.