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Heuberge

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Autor: Fabian Frommelt | Stand: 31.12.2011

Heuberge sind Magerheuwiesen in hoch gelegenen, steilen Berglagen; in Liechtenstein meist zwischen 1000 und 2000 m ü.M. Das im Juli und August in den Heubergen gesammelte Wildheu war eine wichtige Ergänzung des Winterfutters.

Über Heuberge verfügten v.a. die Gemeinden Triesen und Triesenberg. Zum 1619 erwähnten und samt Hütten in der Heber-Karte (1721) eingetragenen Triesner «Heuberg» gehörten u.a. Tuas und Platta. Er stand in Gemeindebesitz, war aber in Parzellen geteilt und als sogenannte Gemeindsteilung im Nutzungsrecht an einzelne Bürgerhaushalte ausgegeben; nur Magrüel kam schon bei der Rodung 1672 ins Privateigentum. 1804 wurden die übrigen Triesner Heuberge gegen die Übernahme von Gemeindeschulden ins Privateigentum überlassen und 1809 grundbücherlich den Häusern zugeschrieben. Der Walser Heubärg war 1672 von der Gemeinde Triesen an einige Triesenberger verkauft worden. Auf den Heubergen lastete das Atzungsrecht für Ziegen.

Mit dem Besitz einer Heubergparzelle war das Recht auf eine Heuhütte verbunden (Hüttenplatzrecht). Diese auf Maschera (Gemeinde Triesen) schon 1689 erwähnten Hütten dienten während der mehrwöchigen Heuernte dem Kochen, Essen und Schlafen, danach bis zum Winter als Heuspeicher. Wo keine Hütte war, lagerte man das Heu in Schochen. Die meisten Heuberge wurden nur jedes zweite Jahr gemäht. Der geschätzte jährliche Ertrag der Triesner Heuberge betrug rund 75 Tonnen Heu. Im Winter wurde das Heu in Heuzügen durch sogenannte Heuriese und weiter auf Hornschlitten ins Dorf transportiert. Aus im Winter unzugänglichen Gebieten musste es vor dem Wintereinbruch bis zur nächsten Strasse getragen und gezogen werden. Die Arbeit in den Heubergen war sommers wie winters gefährlich; tödliche Unglücksfälle sind seit dem 17. Jahrhundert überliefert.

Noch abgelegenere Wildheugebiete wurden jährlich vergantet, z.B. in Balzers die Wiesen am Mittagspitz, Wörznerhorn und unter Guscha. Namenkundliche Belege für das Wildheuen finden sich auch am Nendler Berg (1568 Heuries), im Bereich der Plankner Alp Gafadura (1607 Heuberg), in Vaduz (1729 Heuries) und in verschiedenen Alpen.

Ende der 1940er Jahre erlosch das Heuen in den Heubergen nahezu, was teils zu Erosion, teils zur Wiederbewaldung führte. Seit 1875 kauft die Gemeinde Triesen Heuberge zurück. In Triesenberg erfolgte der Aufkauf durch die Gemeinde 1957. Für die seit den 1960er Jahren aus Heuhütten entstandenen Wochenendhäuschen wurden in Triesen 2003 fünf «Hüttenzonen Heuberge» geschaffen (Magrüel, Maschera, Münz, Platta, Tuas). Dank staatlicher und kommunaler Unterstützung werden verschiedene Flächen seit den 1990er Jahren wieder regelmässig geheut, was dem Erhalt der Kulturlandschaft und der Biodiversität dient.

Literatur

D. Frick: Bergheuen, in: Der Balzner Wald, 1982, 189–197; E. Bucher: Ds Heubäärga, in: Heimelige Zeiten, 1983, 6–12; Büchel: Gemeinde Triesen 1, 1989, bes. 440–447; A. Frommelt: Sakristei und Dunkelkammer, Hg. R. Sagmeister, K. Sagmeister-Fox, 1992, 169–188; Vogt: Balzers 2, 1996, 255–259; FLNB I/1–6; H. Hoch: 200 Jahre Triesner Heuberge im Privatbesitz (1809–2009), 2009.

Externe Links

Geodatenportal, Amt für Bau und Infrastruktur, Liechtensteinische Landesverwaltung Liechtensteiner Namenbuch online

Zitierweise

Fabian Frommelt, «Heuberge», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Heuberge, abgerufen am 18.2.2019.

Medien

Sommer im Heuberg Tuas, Triesen, 1920er Jahre. Foto: Anton Frommelt. © Archiv-Atelier, Vaduz.
Winterarbeit im Heuberg: Heutransport ins Tal, 1927. Foto: Anton Frommelt. © Archiv-Atelier, Vaduz.