Hilti (-Kaufmann), Christel
Autorin: Kathrin Wolf | Stand: 24.11.2025
Frauenrechtlerin. *27.3.1946 Schellenberg, von Schaan. Tochter des Lehrers und Musikers Walter Kaufmann und der Luzia, geb. Matt, vier Geschwister, darunter der Landtagsabgeordnete Georg. ⚭ 1969 Rupert Hilti (*17.8.1940, †14.3.2015), zwei Töchter.
Hilti-Kaufmann verbrachte ihre Kindheit in Schellenberg und lebt seit ihrer Jugendzeit in Schaan. Nach einer kaufmännischen Ausbildung folgten Au-pair- und Sprachaufenthalte in Lyon und London. Zurück in Schaan, arbeitete sie als kaufmännische Angestellte und gründete eine Familie. 1975–1985 engagierte sie sich als Vorstandsmitglied und Leiterin des Bereichs Säuglingsvorsorge beim Liechtensteinischen Roten Kreuz.
Nach der Ablehnung des Frauenstimmrechts in der (Männer-)Volksabstimmung von 1971 wurde Hilti-Kaufmann in der liechtensteinischen Frauenrechtsbewegung aktiv. Sie initiierte gemeinsam mit Patricia Büchel die Arbeitsgruppe für die Frau mit dem Ziel, das Argument, dass sich Frauen nicht für Politik interessierten, mit verschiedenen Aktionen und Unternehmungen zu widerlegen. 1981 beteiligte sie sich an einer Petition zur Einführung des Frauenstimmrechts auf Gemeindeebene in Schaan, die jedoch in einer Volksabstimmung abgelehnt wurde. Daraufhin trat sie noch im gleichen Jahr der Aktion Dornröschen bei und beteiligte sich 1982 an der letztlich abgewiesenen Verfassungsklage, die auf Grundlage von Artikel 31 der Verfassung (Gleichheitsgrundsatz) das Frauenstimmrecht auf gerichtlichem Weg einführen wollte. 1983 gehörte sie der Delegation von zwölf Frauen an, die nach Strassburg zum Europarat reisten, um dort auf das fehlende Frauenstimmrecht in Liechtenstein aufmerksam zu machen.
Nach der 1984 erfolgten Einführung des Frauenstimmrechts war Hilti-Kaufmann 1986–1998 Mitglied der Regierungskommission für die Gleichstellung von Mann und Frau und 1985–1997 Vorstandsmitglied des Vereins Bildungsarbeit für Frauen. Als administrative Leiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des «Frauenprojekts Liechtenstein» war sie an der Herausgabe des Buches „Inventur – Zur Situation der Frauen in Liechtenstein“ beteiligt, das 1994 anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Einführung des Frauenstimmrechts erschien und inzwischen als Standardwerk gilt.
Von Oktober 1993 bis 2005 vertrat Hilti-Kaufmann die Freie Liste als stellvertretende Abgeordnete im Landtag. Im Kontext der Verfassungsdiskussion der Jahre 1992 bis 2003 gehörte sie ab 2000 dem überparteilichen Komitee an, das 2002 als Gegenvorschlag zur fürstlichen Verfassungsvorlage die «Initiative für Verfassungsfrieden» lancierte (→ Verfassung). Auch über die verlorene Abstimmung hinaus engagierte sie sich in der Gruppe «Frauen in guter Verfassung», aus der 2004 ein gleichnamiger Verein hervorging, der sich bis in die Gegenwart für Demokratie und Frauenrechte in Liechtenstein einsetzt.
Archive
- Archiv des Historischen Lexikons des Fürstentums Liechtensteins online (AeHLFL).
Werkauswahl
- Inventur. Zur Situation der Frauen in Liechtenstein, hg. vom Frauenprojekt Liechtenstein, Konzept und Redaktion: Veronika Marxer und Christel Hilti-Kaufmann, Bern/Dortmund 1994.
Literatur
- familienchronik.li, Verein Familienchronik Liechtensteiner Gemeinden.
- Claudia K. Lanter: Aufgewacht! Der dornige Weg zum Frauenwahlrecht in Liechtenstein, Triesen 2022.
- Christoph M. Merki: Liechtensteins Verfassung, 1992–2003. Ein Quellen- und Lesebuch, Vaduz/Zürich 2015, S. 83, 305.
Externe Links
- Eintrag zu Christel Hilti-Kaufmann auf Frauenarchiv.li.
Zitierweise
Kathrin Wolf, «Hilti (-Kaufmann), Christel», Stand: 24.11.2025, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Hilti_(-Kaufmann),_Christel, abgerufen am 16.12.2025.