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Hohenems, Franz Maria von

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Autor: Karl Heinz Burmeister | Stand: 31.12.2011

Landesherr. *22.8.1608 Hohenems, † vor dem 7.10.1642. Sohn des Kaspar und der Eleonora Philippina Freifrau von Welsberg und Primör, sieben Geschwister, u.a. Jakob Hannibal II. 9.2.1642 Susanna Hedwig Freifrau von Raming zu Ronegg; die sehr früh durch den Tod getrennte Ehe blieb kinderlos.

Ursprünglich für die geistliche Laufbahn vorgesehen, wurde Franz Maria von seinem Vater 1624–25 auf eine Bildungsreise nach Italien (Como, Gallarate, Turin, Mailand, Rom) geschickt. 1624 immatrikulierte er sich an der Universität von Siena (I). Da sich Aussichten auf die Dompropstei in Konstanz zerschlugen, schlug er eine militärische Laufbahn ein. Wie schon zuvor sein Bruder Jakob Hannibal II. geriet auch Franz Maria als Kornet im Juni 1632 bei Füssen (D) in schwedische Kriegsgefangenschaft; die Verhandlungen über die Auslösung der Brüder zogen sich lange hin; beide wurden im Frühjahr 1633 befreit. 1634 war Franz Maria an dem grossen Sieg über die Schweden bei Nördlingen (D) beteiligt. Franz Maria trat als Kämmerer in die Dienste des Kaisers und des Kurfürsten von Bayern. Nach dem Tod des Vaters erfolgten 1641 die Belehnungen durch den Kaiser mit Vaduz, Schellenberg und Hohenems sowie durch die Erzherzogin Claudia von Tirol mit den Lehen des Hauses Österreich. Die Lehen gingen an Jakob Hannibal II. und an Franz Maria, teilweise auch nur an Jakob Hannibal II. als Lehensträger für Franz Maria, sodass in der Literatur der Eindruck entstehen konnte, Jakob Hannibal II. sei allein regierender Graf gewesen. Es scheint jedoch, dass beide Brüder, gleichsam in Vorwegnahme der späteren Teilung in eine Hohenemser und eine Vaduzer Linie, ihre Interessenssphären so aufteilten, dass Jakob Hannibal II. die Grafschaft Hohenems, Franz Maria dagegen die Herrschaften Vaduz und Schellenberg zugewiesen wurden. Jedenfalls nahm Franz Maria Wohnsitz auf Schloss Vaduz, um dessen Ausbau und Verschönerung er sich bemühte (Ummauerung des Schlossgartens, Bau von Lusthäuschen mit schöner Aussicht).

Im November 1641 nahm er – wohl im Hinblick auf seine Heirat – einen innerhalb von vier Jahren rückzahlbaren Kredit über 4000 Gulden zu 6 % Zins auf, wofür er alle seine Einkünfte aus Vaduz und Schellenberg als Pfand einsetzte. Zu der mit grosser Pracht am 9.2.1642 auf Schloss Vaduz gefeierten Hochzeit lud er neben seinem Bruder auch die Erzherzogin Claudia ein, die sich jedoch durch Graf Johann Georg von Königsegg-Rothenfels (Ehemann seiner Schwester Eleonora) vertreten liess. Der frühe Tod des erst 34-jährigen Franz Maria unterbrach für kurze Zeit die Entwicklung, die auf eine Verselbständigung der Vaduzer Linie hinauslief, wie sie dann 1646 durch seinen Neffen Franz Wilhelm I. verwirklicht wurde. Franz Maria darf somit als der erste Graf aus dem Haus Hohenems bezeichnet werden, der nicht nur mit seinem Titel als Graf von Vaduz in Erscheinung trat.

Archive

Taufbücher im Pfarrarchiv Hohenems; Hausarchiv der Grafen von Hohenems im VLA.

Literatur

Květa Křížová, David Junek: Gemäldegalerie der Grafen von Hohenems: Katalog zur ständigen Schausammlung, Städtisches Museum und Galerie Polička, Polička 1999.

Ludwig Welti: Graf Kaspar von Hohenems, 1963, S. 218, 328f.

Andreas Ulmer: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins, 1925 (Nachdruck 1978), S. 906.

Peter Kaiser: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Churrätien's Vorzeit, Chur 1847, neu hg. von Arthur Brunhart, Vaduz 1989, Bd. 1: Text, S. 428.

Zitierweise

Karl Heinz Burmeister, «Hohenems, Franz Maria von», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Hohenems,_Franz_Maria_von, abgerufen am 23.2.2019.

Medien

Franz Maria von Hohenems, 1618. Ölgemälde eines unbekannten Künstlers. © Städtisches Museum und Galerie Polička (G os 143).