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Hohenems, Jakob Hannibal III. von

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Autor: Karl Heinz Burmeister | Stand: 31.12.2011

Landesherr. *7.3.1653, †12.8.1730 Wien. Sohn des Franz Wilhelm I. und der Eleonora Katharina Landgräfin von Fürstenberg, vier Geschwister, u.a. Ferdinand Karl und Franz Wilhelm II.  1676 Anna Ämilia Freifrau von Ehrenfels und Schauenstein, neben einigen im Kindesalter verstorbenen Kindern eine Tochter und ein Sohn.

Jakob Hannibal III. immatrikulierte sich am 12.11.1669 an der Universität von Salzburg. Nach dem Tod seines kinderlos verstorbenen Bruders Ferdinand Karl 1686 hätte die Regierung an ihn und seinen Bruder Franz Wilhelm II. übergehen sollen – sie blieb aber vorerst bei der 1684 wegen der Misswirtschaft von Ferdinand Karl eingesetzten kaiserlichen Administration. Die Landschaft verwendete sich für ihn beim kaiserlichen Administrator, Freiherr Rupert von Bodman, sodass er – ohne dass die kaiserliche Administration aufgehoben worden wäre – die Regierungsgeschäfte in Vaduz übernehmen konnte. Jakob Hannibal III. vertrat den Standpunkt, dass die Misswirtschaft von Ferdinand Karl, unter der er ja selbst zu leiden gehabt hatte, ihn nicht berührte; er versuchte auch mit Erfolg, die Bevölkerung durch ein leutseliges Auftreten für sich einzunehmen.

Nach der Flucht seines Vetters Graf Franz Karl aus Hohenems nach Heerbrugg 1687 versuchte Jakob Hannibal III. 1688, den Palast und die Grafschaft Hohenems in seine Hand zu bringen; Kaiser Leopold I. setzte jedoch seinen Bruder Franz Wilhelm II. ein. Nach dessen Tod 1691 versuchte Graf Franz Karl, neuerlich die Herrschaft in Hohenems anzutreten, doch setzte der Kaiser nun eine Administration ein.

Die Schulden der Vaduzer Linie, an denen Jakob Hannibal III. eine erhebliche Mitschuld trug, führten dazu, dass er 1699 für 115 000 Gulden die Herrschaft Schellenberg und 1712 für 290 000 Gulden die Grafschaft Vaduz verkaufte. Vom Käufer, dem Fürsten Johann Adam I. Andreas von Liechtenstein, hatte er 1710 für 234 000 Gulden die Herrschaft Bistrau in Böhmen erworben. Es fand damit praktisch ein Tausch der Grafschaft Vaduz gegen Bistrau statt (mit einem Gewinn von 56 000 Gulden). Während die Liechtensteiner durch die Erhebung in den Reichsfürstenstand Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat gewannen, verlor der Graf von Hohenems durch den Verkauf von Vaduz und Schellenberg seine zweite Stimme im Grafenkollegium des Schwäbischen Kreises und blieb auf die Stimme für Hohenems beschränkt. Jakob Hannibal III. erlangte die Landsmannschaft (Inkolat) in Böhmen und die Übertragung des hohenemsischen Fideikommisses auf Bistrau.

In Hohenems lag die Regierung zunächst weiterhin bei der kaiserlichen Administration unter Freiherr Rupert von Bodman, ab 1716 unter dem Grafen Anton III. von Montfort-Tettnang, um dann nach dem Tod des Grafen Franz Karl am 16.3.1716 wieder durch Jakob Hannibal III. von der Vaduzer Linie in Anspruch genommen zu werden. Er nahm im März 1716 in Hohenems die Huldigung entgegen. In der Folge stritten Jakob Hannibal III. und die kaiserliche Administration um die Macht in Hohenems. Kaiser Karl VI. wies Jakob Hannibal III. in seine Schranken, löste aber wenig später die Administration auf, belehnte am 4.4.1718 den jungen Grafen Franz Rudolf, Jakob Hannibals Sohn, mit den hohenemsischen Reichslehen und liess die Untertanen im Mai 1718 huldigen.

Jakob Hannibal III. zog sich nun ganz aus seiner rheintalischen Heimat zurück und verlagerte das Schwergewicht seiner Tätigkeit von Hohenems auf Böhmen und Österreich; 1720 trat er seinem Sohn Franz Rudolf auch Bistrau ab. Jakob Hannibal selbst verbrachte den Rest seines Lebens im österreichischen Kriegs- und Hofdienst, wozu ihm der Weg durch die Fürsten von Liechtenstein geebnet wurde. Er wurde Kammerherr der Kaiserin-Witwe Eleonora (†1720), nach deren Tod geheimer Rat und Obersthofmeister der Erzherzogin Elisabeth, nach deren Übersiedlung in die Niederlande 1725 bei der Erzherzogin Maria Magdalena, einer Schwester Kaiser Karls VI. Der Abstieg des Hauses Hohenems hatte sich unter Jakob Hannibal III. noch einmal intensiviert.

Literatur

Welti: Hohenems, 1930, 148–153; L. Welti: Die Entwicklung von Hohenems zur reichsfreien Residenz, in: Hohenems 1, 1975, 17–170, bes. 50–60.

Zitierweise

Karl Heinz Burmeister, «Hohenems, Jakob Hannibal III. von», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Hohenems,_Jakob_Hannibal_III._von, abgerufen am 19.2.2019.