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Hoop, Josef (1895–1959)

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Autor: Peter Geiger | Stand: 31.12.2011

Regierungschef, Landtagspräsident, Staatsgerichtshofpräsident. *14.12.1895 Eschen, †19.10.1959 Kantonsspital Chur, von Eschen, ab 1928 in Vaduz. Sohn des Landwirts und stv. Landtagsabgeordneten Franz Josef und der Berta, geb. Batliner, acht Geschwister. Emilie Gstöhl (*27.2.1898, †11.2.1997). Gymnasium in Stans, Feldkirch und Zürich (hier Matura), Studium der Orientalistik in Innsbruck, 1920 Dr. phil. I, 1945–48 Studium der Rechtswissenschaften in Zürich und Innsbruck, 1948 Dr. iur.

Hoop war 1920–23 Attaché und Geschäftsträger bei der liechtensteinischen Gesandtschaft in Wien, welche Prinz Eduard von Liechtenstein leitete. Nach deren Schliessung 1923 blieb er fast ein Jahr lang ohne Stellung. 1924–28 war er Angestellter der schweizerischen Zollverwaltung in Genf und St. Gallen. Dass Hoop bereits diplomatische Erfahrung gewonnen und die politischen und verwaltungsmässigen Systeme der beiden Nachbarstaaten Schweiz und Österreich durch eigene Anschauung kennen gelernt hatte, erwies sich für ihn und das Fürstentum alsbald als günstig.

Nach der Demission der Volkspartei-Regierung und nach dem Wahlsieg der Bürgerpartei im Gefolge des Sparkassaskandals wurde Hoop 1928 zum Regierungschef berufen, 33-jährig und unverbraucht. Er blieb bis 1945 Regierungschef, während 17 schwierigen Jahren, in der Zeit der Wirtschaftskrise, des Nationalsozialismus und des Weltkriegs und unter den drei Fürsten Johannes II., Franz I. und Franz Josef II., mit denen er seine Politik abstimmte. Er förderte den Bau des Binnenkanals, die Eröffnung neuer Betriebe, die öffentliche Arbeitsbeschaffung, soziale Erleichterungen für Bedrängte, die wirtschaftliche Anbindung Liechtensteins an die Schweiz. Im innenpolitischen Parteienstreit war Hoop zwar FBP-Mann, aber kein Heisssporn, sondern zu Ausgleich und sachlichen Lösungen bereit. Er lehnte die faschistoide Tendenz des Liechtensteiner Heimatdienstes (1933–35) und die nationalsozialistische Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein (VDBL 1938–1945) ab und stärkte die Gegenkräfte. Die sogenannte Spitzelaffäre 1937, in deren Folge ihn die VU-Führung zum Rücktritt drängen wollte, meisterte Hoop mit Geschick. Angesichts der Anschlussgefahr 1938 bot Hoop Hand zur inneren Befriedung durch Regierungsbeteiligung der VU und Landtagsproporzwahl. Die VDBL verbot er nicht, schränkte ihren Spielraum aber ein. Er war bemüht, die Auseinandersetzungen zwischen Hitleranhängern und NS-Gegnern nicht in Gewalt mit unabsehbaren Folgen münden zu lassen.

Dem Hitlerregime gegenüber hielt Hoop eine freundlich-unverbindliche, nichtprovokative Diplomatie für zweckmässig, ergänzt durch Höflichkeitsgesten. So bezeugte Hoop 1940 bei einem Vortrag in Stuttgart den deutschen Heeren Respekt. Zugleich band er das Land in der Kriegszeit so eng als möglich an die Schweiz. Er erreichte die faktische Einbeziehung von Liechtenstein in die schweizerische Landesversorgung. Das Ziel Hoops war klar: Liechtenstein sollte vor Krieg und NS-Ansteckung verschont, selbständig bewahrt und an der Seite der Schweiz lebensfähig bleiben. Besonders in der Kriegszeit war Hoop ständig überlastet. Nach gutem Zusammenwirken mit dem Fürsten in den Kriegsjahren kam es gegen das Kriegsende zum Zerwürfnis, 1944 wegen der vom Fürsten allein veranlassten Wiedereröffnung der Gesandtschaft in Bern und 1945 wegen des von Hoop eigenmächtig tolerierten Aufenthalts des deutschen Kurators des Postmuseums und NSDAP-Parteimanns Hermann Sieger. Hoop, der herzkrank war, demissionierte 1945 in fürstlicher Ungnade. Die faktische Entlassung von Hoop, die auch mit dem Wunsch nach einer neuen Nachkriegsregierung zu tun hatte, verärgerte die FBP. Doch blieben Hoops Verdienste allseits anerkannt, auch seitens des Fürsten Franz Josef, der rückblickend einmal sagte: «Hoop hat das Land gerettet.» Hoop begann im Herbst 1945 ein Jus-Studium an der Universität Zürich. Nach zwei Semestern wechselte er im Herbst 1946 an die Universität Innsbruck, wo er im Januar 1948 als Dr. iur. promovierte. Ab 1948 war er als Rechtsanwalt in Vaduz tätig. 1946–49 war Hoop Aufsichtsrat der Liechtensteinischen Landesbank, 1950–59 deren Verwaltungsratspräsident 1953–59 amtete er als Präsident des Staatsgerichtshofs. 1937 verlieh ihm Fürst Franz I. das Komturkreuz mit Stern des fürstl. liecht. Verdienstordens und 1956 Fürst Franz Josef den Titel Fürstlicher Justizrat. 1957–59 war Hoop Abgeordneter (FBP) des Landtags, den er 1958–59 präsidierte. 1958–59 war er auch Präsident der Gesellschaft Schweiz – Liechtenstein.

Hoop, der Arabisch verstand, in der Freizeit botanisierte, sehr viel las und Radio hörte, amtete in allen drei Staatsgewalten an oberster Stelle. Er überzeugte weniger durch Charisma als durch solide Sachkenntnis, Klugheit, diplomatisch-freundlichen Umgang und Verantwortungssinn.

Werkauswahl

Die sumerischen Fremdwörter im Akkadischen, Diss. Innsbruck, Ms. 1920 [LBFL].

Literatur

Vogt: Landtag, 21988; P. Geiger: Regierungschef Dr. Josef Hoop, in: Eintracht 10 (1995), 7; P. Geiger: «Am Rande der Brandung», in: JBL 95 (1998), 49–74; Geiger: Krisenzeit, 22000; P. Geiger: Kriegszeit, 2010.

Nachrufe

LVbl., 20.10.1959; M. Risch: Dr. Dr. Josef Hoop, in: JBL 59 (1959), IX–XIV.

Zitierweise

Peter Geiger, «Hoop, Josef (1895–1959)», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Hoop,_Josef_(1895–1959), abgerufen am 18.2.2019.

Normdaten

GND: 1067744878

Medien

Josef Hoop in seinem Büro im Regierungsgebäude in Vaduz. Fotografie (LI LA).