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Hunfridinger

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Autor: Heinz Dopsch | Stand: 31.12.2011

Adelssippe fränkischer Herkunft, die seit dem frühen 9. Jahrhundert in Rätien und Alamannien Grafen stellte. Hunfrid I. zählte zu den Vertrauten Kaiser Karls des Grossen, verwaltete am Beginn des 9. Jahrhunderts die Markgrafschaft Istrien und trat bei der Einführung der Grafschaftsverfassung in Churrätien 806/07 als erster Graf in Rätien auf. Für Karl den Grossen war er 808 als missus in Italien tätig. Ein Reliquienkreuz mit Hl.-Blut-Reliquie, das er für den Kaiser erworben und von diesem zurückerhalten hatte, übergab Hunfrid an das von ihm zwischen 814 und 823 gegründete Frauenkloster Schänis im Gaster (SG). 823 übte Hunfrid (oder sein gleichnamiger Sohn), der auch als Gesandter Kaiser Ludwigs des Frommen in Rom auftrat, als dux super Redicam die Grafengewalt über ganz Rätien aus. In den folgenden Jahrzehnten setzten sich dort die Welfen und die Udalrichinger durch, während die Hunfridinger wichtige Positionen in anderen Teilen des Frankenreichs erhielten: Ein Hunfrid erscheint 844 als Markgraf von Toulouse, 846 als Vasall Kaiser Lothars I. und Markgraf von Istrien, ein anderer – vielleicht der Enkel Hunfrids I. – 872–76 als Graf im Zürichgau. Als dessen Bruder gilt Adalbert, Graf im Thurgau. Jener «Adalbert der Erlauchte», der zwischen 854 und 894 als Graf im Thurgau, Hegau, Alpgau und auf der Baar amtierte, als dux Alamannorum bezeichnet wird und der Grossvater Herzog Burchards I. war, gehörte wohl nicht zu den Hunfridingern, sondern zum Umkreis der Rheinauer Stifterfamilie und war mit den Udalrichingern versippt. Damit ist eine genealogische Anbindung der Burchardinger an die Hunfridinger zumindest fraglich.

Literatur

LexMA 5, 219f.; R. Kaiser: Churrätien im frühen Mittelalter, Basel 1998, 55–67, 149f.

Zitierweise

Heinz Dopsch, «Hunfridinger», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Hunfridinger, abgerufen am 8.12.2019.