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In der Maur auf Strelburg und zu Freifeld, Karl von

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Autor: Karl Heinz Burmeister | Stand: 31.12.2011

Landesverweser. *16.10.1852 Wiener-Neustadt, †11.12.1913 Vaduz, aus altem Südtiroler Landadel. Sohn des Ministerialrats Karl.  11.9.1883 Auguste von Kogerer (*1862, †18.9.1916), Tochter des k.k. Eisenbahngeneraldirektors Heinrich Ritter von Kogerer, ein Sohn. Gymnasium und bis 1875 Studium der Rechts- und der Staatswissenschaften in Wien. Ab 1875 Präsidialsekretär bei der niederösterreichischen Statthalterei in Wien. 1884 trat In der Maur in den Dienst des Fürsten von Liechtenstein und war als Nachfolger Karl Haus von Hausens ab dem 23.9.1884 fürstlicher Landesverweser in Vaduz. 1892 wechselte er als fürstlicher Kabinettsrat wieder nach Wien, blieb aber als Mitglied der politischen Rekursinstanz für das Fürstentum Liechtenstein mit dem Land verbunden. Als 1896 sein Amtsnachfolger Friedrich Stellwag von Carion verstarb, wurde In der Maur provisorisch erneut Landesverweser und blieb bis zu seinem Tod 1913 in diesem Amt.

In der Maur bürokratisierte nach österreichischem Vorbild die Landesverwaltung. In der Anfangsphase seiner Tätigkeit als Landesverweser beschränkte er die Gesetzgebung auf ein Minimum (Finanzgesetze) und erliess zahlreiche reglementierende «Normalien» (Vorschriften) für alle Lebensbereiche. Zur Vereinheitlichung und Kontrolle der Behördentätigkeit entwarf er Formulare. In der Maur trug erheblich dazu bei, die öffentlichen Einrichtungen in Liechtenstein zu verbessern. Sein besonderes Interesse galt dem Schulwesen. Aufgrund des Fehlens einer allgemeinen Wehrpflicht sah er in der Schule das wichtigste Volkserziehungsmittel. Zahlreiche Verordnungen ergingen über die Rechtsverhältnisse und die Dienstprüfungen der Lehrer, die Schulbauten, Lehrpläne und die Schulgesundheitspflege. Die Zahl der Schulbauten und der Lehrer wurde erhöht. In Zusammenarbeit mit dem Landtag wurde das Finanzwesen verbessert: 1891 Reform der Statuten der Sparkassa (der heutigen Liechtensteinischen Landesbank), 1898 Einführung einer Annuitätenabteilung bei der Sparkassa sowie Reform der Landessteuern, 1904 Gesetz über den Gemeindehaushalt. 1900 wurde die Kronenwährung eingeführt, verbunden mit der Ausprägung liechtensteinischer Gold- und Silbermünzen. 1909 kam eine neue Gewerbeordnung zustande. Zu grossen Meinungsverschiedenheiten zwischen Regierung und Landtag führte 1906/07 die Justizreform, bei welcher das Parlament im Gegensatz zu In der Maur auf eine stärkere Trennung von Justiz und Verwaltung drängte. Auch in der Frage eines Pressegesetzes waren der Landtag und In der Maur, der an der Präventivzensur festhalten wollte, nicht einer Meinung. 1912 wurde eine neue Zivil- und 1913 eine neue Strafprozessordnung geschaffen. Besondere Verdienste erwarb sich In der Maur durch die Übereinkunft mit Vorarlberg über die Lebensmittelkontrolle 1909 und den Postvertrag mit Österreich 1911, der die finanziell vorteilhafte Ausgabe liechtensteinischer Briefmarken ermöglichte (→ Philatelie). In der Landtagssitzung vom 4.12.1913 kam es zwischen In der Maur und einigen Landtagsabgeordneten zu einer hitzigen Debatte über das Projekt Lawenawerk. Daraufhin stellten sich bei In der Maur Herzbeschwerden ein, an deren Folgen er wenige Tage später starb.

In der Maur war 1901 Mitbegründer und 1901–13 Vorstandsmitglied des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein. Über eine umfassende Bildung verfügend, verfasste er mehrere wissenschaftliche Arbeiten über Liechtenstein, besonders zu juristischen Themen. Im Jahrbuch des Historischen Vereins publizierte er Aufsätze zur Gründung des Fürstentums Liechtenstein (1901) und zu den Fürsten Johann I. (1905) und Johann II. (1908).

Ehrungen: Jubiläumsmedaille für k.k. Zivilstaatsbedienstete, 1909 Komturkreuz des kaiserlich-österreichischen Franz-Josefs-Ordens. Auf Antrag des Landtags verlieh ihm Fürst Johann II. 1909 das liechtensteinische Ehrenstaatsbürgerrecht.

In der Maur, der 25 Jahre als Regierungschef wirkte, galt als tüchtiger Verwaltungsfachmann von grosser Arbeitskraft und als treuer Diener des Fürsten. Die politische Haltung In der Maurs war von aristokratisch-konservativen Anschauungen geprägt. In seinem Rechenschaftsbericht über die Jahre 1884–90, der noch dem Polizeibegriff des 18. Jahrhunderts verpflichtet ist, d.h. der Aufrechterhaltung der guten Ordnung, und in dem In der Maur dem Fürsten gegenüber seine Verdienste um das Land ins rechte Licht rücken wollte, tritt der Geist seines Verständnisses von Regierung deutlich zutage. Gegenüber dem Volk nahm In der Maur eine eher abschätzige Haltung ein. Seinen Gegnern galt er als selbstherrlich. Kritisiert wurde v.a. sein ausserhalb der Kontrolle durch Landtag und Volk stehendes, von den Zeitgenossen als «Indermaurismus» apostrophiertes Regierungssystem. Viele Liechtensteiner fühlten sich unter In der Maur politisch rechtlos. Für die spätere Opposition um Wilhelm Beck und ab 1918 die Volkspartei war In der Maur der Inbegriff der «fremden Vögte», von denen man nicht länger regiert sein wollte.

Werkauswahl

Verfassung und Verwaltung im Fürstenthume Liechtenstein, in: Österreichisches Staatswörterbuch, Hg. E. Mischler, J. Ulbrich, 1896; Die Rezeption des österreichischen ABGB in Liechtenstein, in: Festschrift zur Jahrhundertfeier des ABGB 1, 1911, 753–762.

Literatur

A. Schädler: Karl von In der Maur, in: JBL 14 (1914), 5–10; In der Maur/Vogt: Rechenschaftsbericht 1884–90, 1990; Vogt: Brücken, 1990, 181.

Nachrufe

LVbl., 26.12.1913.

Zitierweise

Karl Heinz Burmeister, «In der Maur auf Strelburg und zu Freifeld, Karl von», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/In_der_Maur_auf_Strelburg_und_zu_Freifeld,_Karl_von, abgerufen am 20.2.2019.

Medien

Karl von In der Maur. Fotografie (LI LA).